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Aus Angst vor Klimakatastrophe: Schüler besetzen Aula von Göttinger Felix-Klein-Gymnasium

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Von: Melanie Zimmermann

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Schülerinnen und Schüler besetzen die Aula eines Gymnasiums in Göttingen. Die jungen Demonstrierenden fordern einen Dialog zur Klimakrise.

Göttingen – Was für ein Montag am Felix-Klein-Gymnasium in Göttingen: Nicht nur, dass aufgrund des angekündigten Eisregens der gesamte Unterricht ausfiel. Anhänger der Kampagne „EndFossil: Occupy!“ besetzen seit Montagmittag (19.12.2022) die Aula der Schule.

Das erklärte Ziel der Schülerinnen und Schüler: Die Klimakrise in den Vordergrund des gesellschaftlichen Diskurses rücken. Dazu suchen die Besetzenden den Dialog mit den Jugendlichen. Doch der Start der Aktion verlief nicht reibungslos: Polizei und Schuldezernentin Maria Schmidt mussten zwischen Besetzenden und Schulleitung vermitteln.

Aula des Göttinger Felix-Klein-Gymnasium in Göttingen seit Montag besetzt – Polizei war im Einsatz

Auftakt der Besetzung am Felix-Klein-Gymnasium in Göttingen.
Auftakt der Besetzung am Felix-Klein-Gymnasium in Göttingen: Die Kampagne „EndFossil: Occupy!“ besetzt seit Montag die Aula der Schule. © EndFossil: Occupy/nh

Trotz Ausfalls des regulären Schulbetriebs aufgrund der Eisglätte entschieden sich nach Angaben von „EndFossiel Göttingen“ 35 Schülerinnen und Schüler dazu, die Aula des FKG zu besetzen. Gegen 12.30 Uhr am Montagmittag gelang ihnen dieses Vorhaben. Sie richteten sich dort auch mit Bannern, Sofas, Pflanzen sowie Bildungsmaterial zur Klimakrise und mehr ein.

Der unterrichtsfreie Montag sollte in erster Linie den Vorbereitungen für die Besetzungen sowie dem Gespräch mit der Schulleitung gewidmet werden, damit sich ab Dienstag voll und ganz auf die Schülerschaft des FKG und auf das bereits geplante Programm zur Klimakrise fokussiert werden kann.

Der Schulleiter war nicht für Gespräche offen und wurde teilweise handgreiflich.

EndFossil Göttingen

So versuchten die Schüler nach eigenen Angaben sofort, in konstruktive Gespräche mit der Schulleitung zu gehen. Dies gelang aber nur bedingt. „Der Schulleiter war nicht für Gespräche offen und wurde teilweise handgreiflich“, heißt es in der Mitteilung von EndFossil Göttingen. Der so kritisierte FKG-Schulleiter Michael Brüggemann weist diese Anschuldigungen auf Nachfrage unserer Redaktion klar zurück.

Schülerinnen und Schüler verschaffen sich unter Vorwand Zutritt zum Schulgebäude

Polizeieinsatz am FKG: Zur Sicherung des Gebäudes rief die Schulleitung die Einsatzkräfte.
Polizeieinsatz am FKG: Zur Sicherung des Gebäudes rief die Schulleitung die Einsatzkräfte. © EndFossil: Occupy/nh

So richtig friedlich scheint der Auftakt der Besetzung jedoch nicht verlaufen zu sein. „Einige der Schülerinnen und Schüler haben sich unter einem Vorwand am Montag Zutritt zum Schulgebäude verschafft“, schildert Maria Schmidt, Schuldezernentin der Stadt Göttingen, die Situation.

Anschließend habe man versucht, die Eingänge offen zu halten, damit weitere Anhänger der Kampagne ins Gebäude kommen konnten. Zur Sicherung des Schulgebäudes verständigte Schulleiter Brüggemann daraufhin die Polizei, die schnell vor Ort eintraf. In den Augen der Besetzenden stellt dies „einen weiteren Versuch der Kriminalisierung der Klimagerechtigkeitsbewegung dar, die sich in den vergangenen Wochen häuften.“

„Ich habe Verständnis für das Anliegen der Schülerinnen und Schüler, für ihre Ängste und Sorgen. Allerdings bin ich für die Einhaltung von Regeln und Vorschriften“, sagte Schuldezernentin Schmidt im Gespräch mit unserer Zeitung und betonte, dass man die Besetzungen dulde, so lang sich die Schülerinnen und Schüler friedlich verhielten.

Schmidt lobte die Einsatzkräfte der Polizei vor Ort am FKG, die deeskalierend eingegriffen und den Schülern die Sachlage genau erklärt haben.

So lange die Besetzungen friedlich verlaufen, dulden wir sie.

Maria Schmidt, Schuldezernentin Stadt Göttingen

Von einer Strafanzeige, die eine Räumung des Gebäudes zur Folge gehabt hätte, habe die Schulleitung abgesehen. „Die Stadt Göttingen als Schulträgerin sowie die Schulleitungen arbeiten in diesen Fällen zusammen und entscheiden gemeinsam, wie wir mit den Situationen umgehen“, erklärte Schmidt.

Besetzung der FKG-Aula in Göttingen soll noch bis Donnerstag andauern

Bis einschließlich Donnerstag, 22. Dezember, wollen die Besetzenden in der Aula des Felix-Klein-Gymnasiums bleiben. Die Zeit soll für einen Dialog sowie Vorträge und Veranstaltungen rund um die Klimakatastrophe genutzt werden. Die Besetzung soll mit einer Demonstration aufgelöst werden, die am Donnerstag um 11.15 Uhr vor dem FKG starten soll. Jeder sei dazu aufgerufen, sich dem Klimastreik anzuschließen.

Für die Besetzenden bleibt klar: Die Klimakrise wartet nicht und eskaliert immer weiter. Die Verzweiflung angesichts der dramatischen globalen Klimakatastrophe sei größer, als die Abschreckung durch Eisglätte oder großes Polizeiaufgebot, heißt es in einer Mitteilung.

„Die Klimakrise nimmt immer weiter an Fahrt auf, während die Politik weiterhin nicht handelt. Das haben wir nicht nur international anhand der letzten Weltklimakonferenz im November, sondern auch bundesweit gesehen.“ Nun füge man noch die Ebene der Besetzung hinzu, da nur der Druck auf der Straße nicht genug gebracht hat. (mzi)

Das sagt der Stadtschülerrat zur Besetzung

„Der Stadtschülerrat Göttingen beobachtet besorgt die Entwicklung der Schulbesetzung am Felix-Klein-Gymnasium Göttingen“, heißt es in einer Mitteilung. Darin wird die Schulleitung des FKG aufgefordert, auf den Dialog mit den Besetzenden zu setzen. „Man muss aufhören, die Besetzung als Problem zu sehen, sondern eher als Chance. Denn es gibt in unserem Bildungssystem noch zu wenig Räume und Möglichkeiten, um über die Sorgen und Ängste unserer Generation zu reden.“

Die damaligen Besetzungen im Hainberg-Gymnasium (HG) und in der IGS Geismar hätten bewiesen, dass es eine friedliche Protestform sei, die das Ziel verfolge, den Schulbetrieb nicht einzuschränken, sondern eher zu bereichern, so der Vorsitzende des Stadtschülerrates Göttingen, Tim Wiedenmeier.

„Wir bieten gerne wieder unsere Rolle als Vermittler an und plädieren dazu, die Schülerschaft den Raum zum Austausch und zur Aufklärung zu geben, der uns als junge Generation zustehen sollte.“ (mzi)

Die Kampagne „EndFossil: Occupy!“

Die Aktion am Göttinger Felix-Klein-Gymnasium findet, wie schon am Hainberg Gymnasium und der IGS Geismar unter der Kampagne „EndFossil: Occupy!“ statt, welche in den vergangenen Monaten in Göttingen bereits erfolgreich zwei Schulen und die Uni besetzt hat. Die Kampagne ist international koordiniert und allein in Deutschland wurden bisher über 20 Bildungseinrichtungen besetzt. Noch letzte Woche waren Hochschulen in Aachen, Leipzig und Lüneburg, letztere auch noch im Moment, besetzt. (mzi)

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