Voruntersuchungen für Projekt

Stromtrasse SuedLink: Ärger bei den Landwirten

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Sind mit dem Vorgehen bei den Vorarbeiten für die Stromtrasse nicht einverstanden: (von links) die Landwirte Ralf Bartens und Hartmut Haepe, Bauernverband-Geschäftsführer Uwe Roth und Landvolk-Geschäftsführer Achim Hübner. Foto:

Die vorbereitenden Untersuchungen für die Stromleitungstrasse SuedLink laufen nicht transparent ab. Das ärgert die Landwirte aus dem Kreis Göttingen und dem Werra-Meißner-Kreis.

  • Eine neue Stromleitungstrasse SuedLink ist in Planung
  • Die dafür notwendigen Voruntersuchungen verursachen Ärger bei den Landwirten im Kreis Göttingen
  • Untersuchungsunternehmen droht mit Strafgeldern

Göttingen - Landwirte aus dem Kreis Göttingen und dem Werra-Meißner-Kreis sind sauer. Es geht um vorbereitende Untersuchungen für die Stromleitungstrasse SuedLink. Eigentlich sind in der Region noch zwei Routen im Raumordnungsverfahren im Gespräch. Die eine Variante könnte vom Raum Northeim, über Duderstadt nach Thüringen führen. 

Stromtrasse SuedLink Göttingen: Zwei Routen möglich

Die zweite Route sieht einen Verlauf über Göttingen, Friedland, Witzenhausen, Bad Sooden-Allendorf und den Raum Eschwege nach Thüringen vor. Die Landwirte in den Kreisen Göttingen und Werra-Meißner befürchten nun, dass durch die „kalte Küche“ die zweite Variante kommen soll.

Die Untersuchungen laufen nur auf der zweiten Route. Und zum Ärger der Landwirte nicht transparent: Offenbar wurden nicht alle Grundstückseigentümer für die Untersuchung der Tiere angeschrieben, sind sich der Landvolk-Kreisverband Göttingen mit Geschäftsführer Achim Hübner und der Bauernverband Werra-Meißner sicher. Trotzdem wurden Fallen aufgestellt, um beispielsweise kleine Nager fangen und bestimmen zu können. Das ist Voraussetzung, um später einmal die Stromtrasse verlegen zu dürfen.

Stromtrasse SuedLink Göttingen: Keine Zustimmung zu Untersuchung

Den Landwirten im Werra-Meißner-Kreis war von ihrer Interessenvertretung unter der Leitung von Geschäftsführer Uwe Roth empfohlen worden, das Betreten der Grundstücke für die Untersuchung zu verbieten. Die Göttinger empfehlen zumindest, keine Zustimmung zu geben. Es gibt Vorbehalte: Sollte bei der Untersuchung herauskommen, dass schützenswerte Arten (zum Beispiel Hamster) dort vorkommen und die Route nicht realisiert wurden, so kann der betroffene Bereich trotzdem nicht für die Landwirtschaft genutzt werden. 

Außerdem befürchten die Landwirte, dass das Projekt nach den vorbereitenden Untersuchungen im Eiltempo umgesetzt wird. „Hier könnten di demokratischen Regeln außer Kraft gesetzt werden“, so die Vorbehalte der Landwirte.

Stromtrasse SuedLink Göttingen: Drohung von Strafgeldern

Außerdem sind die Landwirte mit dem Umgangston eines mit der Untersuchung beauftragten Unternehmens aus Leipzig nicht einverstanden. So wurde offenbar unverhohlen mit Strafgeldern gedroht, wenn die Unterschrift für die vorbereitende Untersuchung nicht gegeben werde.

Dabei ist aus Sicht von Landvolk und Bauernverband die angeführte rechtliche Grundlage haltlos. Die Landwirte-Vertreter bringen es auf den Punkt: Bei der Vorbereitung der Trasse Wahle-Mecklar habe es ein deutliches besseres Miteinander gegeben. „Unsere Kooperation wird beim SuedLink ausgenutzt.“

Die Landwirte in den Bereichen Göttingen und Werra-Meißner haben jetzt einen wichtigen Wunsch: Sie wollen, dass erst das Raumordnungsverfahren, das im Herbst abgeschlossen sein soll, abgewartet wird, bevor die Untersuchungen laufen.

Stromtrasse SuedLink Göttingen: Das sagt der Energieversorger: 

Nach Angaben von Maren Seiffert vom Unternehmen TransnetBW, das SuedLink zusammen mit Tennet baut, besteht für beide Versorger bei dem Projekt ein enger Zeitplan. Die Trassenvariante über Göttingen, Friedland und Witzenhausen ist nach ihren Angaben die „Vorzugsvariante“. Deshalb habe man auf eigenes Risiko mit den Voruntersuchungen begonnen. Wenn die Entscheidung für die andere Variante fällt, müssen die Vorarbeiten neu beginnen.

Tennet baut in der Region Göttingen zwei Stromleitungen: SuedLink und Wahle-Mecklar

Derzeit geht es in Südniedersachsen und Nordhessen um den Bau von zwei neue Stromleitungen. Beide will der Netzbetreiber Tennet bauen.

Insbesondere für den Transport des Stroms aus Windkraftanlagen von der Küste nach Bayern und Baden-Württemberg ist SuedLink gedacht, um die sich der aktuelle Ärger der Landwirte dreht. Die etwa 700 Kilometer lange Erdleitung, in der zwei Stammstrecken gebündelt werden, startet in Brunsbüttel beziehungsweise Wilster und endet in Großgartach beziehungsweise Grafenrheinfeld. Sie soll 2025 in Betrieb genommen werden. SuedLink kann den Strom für zehn Millionen Haushalte übertragen. Durch den Einsatz der Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung sind die Verluste unterwegs besonders gering. Weitere Infos gibt es hier.

230 Kilometer lang ist die 380 000-Volt-Höchstspannungsleitung Wahle-Mecklar, die bei Peine beginnt und bei Bad Hersfeld endet. Sie soll als Freileitung in Wechselstromtechnik errichtet werden. Dazu werden große Masten aufgestellt. Bei Göttingen wird ein fünf Kilometer langer Abschnitt der Leitung unterirdisch verlegt. An die Trasse, die schon bald in Betrieb gehen soll, werden auch das Pumpspeicherwerk Erzhausen sowie das Umspannwerk Hardegsen angeschlossen. Weitere Infos gibt es hier.

Von Bernd Schlegel

Zwischenzeitlich stand infrage, dass die geplante Erdkabel-Gleichstromtrasse Suedlink durch den Werra-Meißner-Kreis führen könnte.

Immer wieder führte das Vorhaben einer Stromtrasse im Kreis Göttingen zu Diskussionen

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