Telefonseelsorge 

Hilfe für die Seele am Telefon - Telefonseelsorge braucht 20 neue Ehrenamtliche

Leitet die Göttinger Telefonseelsorge: Pastor Uwe Hobuß steht den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Einrichtung jederzeit zur Seite. 
+
Leitet die Göttinger Telefonseelsorge: Pastor Uwe Hobuß steht den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Einrichtung jederzeit zur Seite. 

In schwierigen Situationen kann die Telefonseelsorge gefragt sein. Wer in Südniedersachsen den Hörer in die Hand nimmt, landet in der Regel in Göttingen.

Die kirchliche Einrichtung benötigt Unterstützung von neuen Mitarbeitern. Derzeit tragen etwa 60 Ehrenamtliche das System. Das reicht aber nicht, um das Göttinger Telefon rund um die Uhr und an sieben Tagen in der Woche besetzen zu können. „Wir benötigen etwa 80 Mitarbeiter“, macht Pastor Uwe Hobuß (63), Leiter der Einrichtung, deutlich.

Besonders viele Anrufe an Weihnachten

„Weihnachten ist es besonders wichtig, viele Schichten zu besetzen und grundsätzlich ist es wichtig, das Telefon der Telefonseelsorge in den Abendstunden gut zu besetzen“, sagt Hobuß.

Natürlich bekommen die künftigen Telefonseelsorger eine umfangreiche und kostenlose Ausbildung, bevor sie die ersten Anrufe entgegennehmen. Sie dauert in der Regel 120 Stunden – verteilt über ein Jahr. Während der Ausbildung beschäftigten sich die Ehrenamtlichen zunächst mit der eigenen Biografie. Dabei geht es unter anderem um die Frage, wie man selbst in einer Stresssituation reagiert. Das ist wichtig, weil die Anrufer ja selbst in schwierigen Situationen stecken. 

Ehrenamtliche werden im Umgang mit psychischen Problemen geschult

Ein weiteres Themen ist die Gesprächsführung. Eine Kooperation gibt es mit Prof. Hannelore Ehrenreich vom Göttinger Max-Planck-Institut für experimentelle Medizin. Durch sie erfahren die Ehrenamtlichen mehr über den Umgang mit psychischen Problemen, denn bei etwa 60 Prozent der Anrufer spielt dieses Thema eine Rolle. Außerdem gibt es eine umfangreiche Hospitation, bei der die angehenden Seelsorger Gespräche mitverfolgen. 

Erst nach einem Jahr gehen die Ehrenamtlichen selbst ans Telefon. Eingeteilt sind die Dienste in Vier-Stunden-Schichten. Jeder Ehrenamtliche soll etwa alle zwei Wochen eine Schicht übernehmen.

60 Prozent rufen wiederholt bei der Telefonseelsorge an

Pastor Hobuß, der auch für die seelsorgerische Aus- und Fortbildung von Vikaren und Pastoren zuständig ist, steht den Telefonseelsorge-Mitarbeitern immer mit Rat und Tat zur Seite. Vier- bis fünfmal im Jahr wird er dann sogar nachts angerufen, weil zum Beispiel am Telefon Suizid-Gedanken geäußert werden. Solche Situationen werden auch in der Ausbildung der Ehrenamtlichen angesprochen.

Viel öfter wird in akuten und schwierigen Lebenssituationen angerufen – zum Beispiel bei einer Trennung in der Familie. 60 Prozent rufen allerdings zum wiederholten Mal bei der Telefonseelsorge an.

Ende Februar gibt es einen Auswahltag in Göttingen, bei dem Interessierte einen tieferen Einblick in die Arbeit der Telefonseelsorge bekommen sollen. Im Frühjahr startet dann ein Ausbildungskurs für neue Mitarbeiter.

Einheitliche Rufnummer der Telefonseelsorge

Die Telefonseelsorge ist rund um die Uhr kostenlos aus den Fest- und Mobilfunknetzen unter der Rufnummer 0800/111 0 111 erreichbar. Der Kontakt erfolgt absolut anonym. Verbindungsdaten werden nicht übermittelt beziehungsweise registriert. Die Beratungsgespräche dauern in der Regel zwischen 15 und 30 Minuten. Die Anrufer sind zu 60 Prozent weiblich. 

Sollte das Göttinger Telefon besetzt sein, so wird der Anruf automatisch weitergeleitet. Dann übernehmen die Einrichtungen in Braunschweig, Hannover, Wolfsburg oder Soltau das Telefonat. Pro Jahr gehen etwa 9000 Anrufe in Göttingen ein.

90 Prozent der Ehrenamtlichen sind Frauen

Bei den ehrenamtlichen Mitarbeitern der Telefonseelsorge, die zwischen 20 und 80 Jahre alt sind, liegt der Anteil der Frauen bei 90 Prozent. Deshalb hofft Leiter Uwe Hobuß, dass sich mehr Männer für eine Mitarbeit im Team melden.

Kontakt für zukünftige Ehrenamtliche: Telefonseelsorge Göttingen, Postfach 2124, 37011 Göttingen, Tel. 0551/46543, E-Mail: tsgoettingen@t-online.de  

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.