Urteil des Landgerichts Göttingen

Überfall auf Rentner in Oldershausen: Fast zehn Jahre Haft für Hauptangeklagten

Der Hauptangeklagte soll seine Mitstreiter mit Pfefferspray, Messern und Masken für Überfalle in Südniedersachsen ausgestattet haben.
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Der Hauptangeklagte soll seine Mitstreiter mit Pfefferspray, Messern und Masken für Überfalle in Südniedersachsen ausgestattet haben.

Urteil gefallen: Langjährige Haftstrafen für drei Angeklagte, die sich wegen Raubüberfällen auf einen Edeka-Markt und einen 78-jährigen Rentner verantworten mussten.

Der 29-jährige Hauptangeklagte wurde dabei wegen besonders schweren Raubes, besonders schwerer versuchter räuberischer Erpressung und gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von neuneinhalb Jahren verurteilt.

 Zwei Jahre und neun Monate dieser Haftstrafe soll der Mann in einer Entziehungsanstalt im sogenannten Vorwegvollzug im Gefängnis verbüßen.

Gericht bescheinigt dem Hauptangeklagten eine "erhebliche kriminelle Energie"

Das Gericht bescheinigte dem 29-Jährigen eine erhebliche kriminelle Energie. Dieser habe die beiden Taten im Februar maßgeblich geplant und die jeweiligen Mittäter mit Maskierungsmaterial, einem Messer und Pfefferspray ausgestattet. Bei dem Überfall auf den Rentner habe er die Täter in die Nähe des Wohnhauses gefahren und dann im Auto auf sie gewartet. 

„Sie haben Menschen mit reingezogen, die von sich aus solche Taten nicht begangen hätten“, sagte der Vorsitzende Richter Michael Kalde. Mit seinem Urteil ging das Gericht noch über dem Antrag der Staatsanwaltschaft hinaus, die eine Freiheitsstrafe von achteinhalb Jahren gefordert hatte. Der Verteidiger hatte auf Freispruch plädiert.

30-jährige Mitangeklagte hatte Tipp für Überfall auf Rentner gegeben

Die zweithöchste Freiheitsstrafe von fünfeinhalb Jahren erhielt eine 30-jährige Frau aus Kalefeld. Nach Ansicht der Richter hatte sie bei einem Treffen in ihrer Wohnung, bei dem man sich über die eigenen Geldnöte unterhielt, den Tipp zu dem Überfall auf den Rentner gegeben. Sie habe erzählt, dass der 78-Jährige mindestens 20.000 Euro habe, und auch die Örtlichkeiten beschrieben. Damit habe sie einen erheblichen Tatbeitrag geleistet.

Weiterer Angeklagter war beim Überfall auf einen Edeka-Markt dabei

Ein 45-Jähriger soll wegen seiner Mittäterschaft bei dem Überfall auf den Supermarkt in Rittmarshausen für drei Jahre ins Gefängnis. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass er die übrigen Beteiligten zum Tatort gefahren und unterwegs auf einem Feldweg die Autokennzeichen ausgewechselt hatte. Seine 41-jährige Lebensgefährtin, die den Markt ausgekundschaftet haben soll, erhielt eine Freiheitsstrafe von zwei Jahren auf Bewährung. Das Gericht hielt ihr zugute, dass sie frühzeitig „ausgepackt“ und Aufklärungshilfe geleistet habe.

Zwei junge Mitangeklagte erhielten Jugendstrafen

Die beiden übrigen Angeklagten – ein 18-Jähriger aus Kalefeld und ein 16-Jähriger aus dem Altkreis Osterode – wurden zu zwei Jahren beziehungsweise neun Monaten Jugendstrafe verurteilt, die jeweils zur Bewährung ausgesetzt wurde. Laut Gericht hatten sie Anfang Februar bei dem Supermarkt-Überfall in Rittmarshausen zwei Angestellte mit einer Schusswaffe und einem Messer bedroht. Der 18-Jährige sei auch bei dem Überfall in Oldershausen dabei gewesen. Der Rentner wurde mit Pfefferspray besprüht, zu Boden geschlagen und mit einem Messer bedroht. 

Weitere Straftaten: Hauptangeklagten erwartet ein weiterer Prozess

Der 29-jährige Hauptangeklagte muss sich demnächst in einem weiteren Prozess verantworten. Die Staatsanwaltschaft hält ihn für den Drahtzieher diverser Straftaten, unter anderem eines brutalen Raubüberfalls auf eine 84-jährige Frau in Osterode. 

Sie hat ihn deshalb bereits vor rund zwei Jahren wegen insgesamt 19 weiterer Straftaten angeklagt, neben Drogen- und Gewaltdelikten geht es auch um gewerbsmäßigen Betrug und Erpressung. Laut Anklage soll der 29-Jährige einen größeren Personenkreis kostenlos mit Drogen versorgt und dafür verlangt haben, dass sie für ihn Einbrüche begehen. 

Die Tatorte waren in den Landkreisen Göttingen und Northeim, darunter unter anderem Gieboldehausen, Schwiegershausen, Wulften, Bilshausen, Nörten-Hardenberg und Katlenburg.

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