Prozess hat begonnen

Brutale Raubüberfälle in Verkleidung: Täter geben sich als Finanzbeamte aus

Kassel: Gewahrsam, Falschgeld und Drogen - Das war der Dienstagabend
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Göttingen: Zwei Männer sollen zwei schwere Raubüberfälle begangen haben. (Symbolfoto)

Zwei Männer haben bei Raubüberfällen verschiedene Verkleidungen genutzt, um ihre Opfer zu täuschen. Dabei schreckten sie auch vor Gewalt nicht zurück.

Göttingen – Wegen schweren Raubes müssen sich seit Mittwoch zwei 54 und 67 Jahre alte Männer vor dem Landgericht Göttingen verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft dem aus Bad Fallingbostel stammenden 54-Jährigen zwei Raubüberfälle in Rosdorf und Göttingen vor. Den zweiten Überfall soll er mit dem 67-jährigen Mitangeklagten begangen haben, der zuletzt in Hannover wohnte. Im März hatte ihn die Polizei festgenommen, er sitzt seitdem aufgrund eines vom Amtsgerichts Göttingen erlassenen Haftbefehls in der Justizvollzugsanstalt (JVA) Rosdorf in Untersuchungshaft.

Der erste Raubüberfall liegt fast drei Jahre zurück. Laut Anklage soll der 54-Jährige im November 2017 gegen 8 Uhr morgens an der Haustür eines Wohnhauses in Rosdorf geklingelt und sich als Postbote ausgegeben haben. Als eine Frau öffnete, soll er die Tür gewaltsam aufgedrückt, die Frau an den Haaren gezogen und zu Boden gebracht haben. Die Frau wehrte sich aber so heftig, dass er schließlich aufgab und flüchtete.

Bei seiner Flucht nahm er zwar das vermeintliche Paket wieder mit, ließ jedoch im Flur Kabelbinder zurück. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er sein Opfer damit hatte fesseln wollen. Die Frau habe als Folge des Kampfes Nasenbluten und Schmerzen in der rechten Wange gehabt. Der 54-Jährige ist auch wegen Körperverletzung angeklagt.

Gerichtsgebäude in Göttingen: Landgericht und Amtsgericht Göttingen am Maschmühlenweg.

Der zweite Überfall fand im Januar 2020 statt. Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, die Tat gemeinsam geplant und ausgeführt zu haben. Demnach sollen sie sich gegen 10 Uhr morgens unter dem Vorwand, Finanzbeamte zu sein, nacheinander Zugang zu einer Villa in Hetjershausen verschafft haben, um dort Wertgegenstände zu entwenden.

Der 67-Jährige habe dabei die Hausbewohnerin mit einer Softair-Pistole bedroht, währenddessen habe der 54-Jährige das Haus nach Wertgegenständen durchsucht. Anschließend hätten die Angeklagten mit ihrer Beute das Haus verlassen und ihr Opfer gefesselt zurückgelassen.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft erbeuteten sie bei dem Überfall neben hochwertigem Schmuck und Uhren auch Dokumente sowie Erb- und Erinnerungsstücke. Der Gesamtwert der Beute betrage rund 21 500 Euro, die von den Angeklagten einzuziehen seien.

Der Vorsitzende Richter wies darauf hin, dass neben einer Strafe auch die Unterbringung in der Sicherungsverwahrung in Betracht komme. Das Gericht kann Sicherungsverwahrung beispielsweise dann anordnen, wenn ein Täter zu einer Freiheitsstrafe von mindestens zwei Jahren verurteilt wird und bereits vorher schon zweimal jeweils zu einer Freiheitsstrafe von mindestens einem Jahr verurteilt worden ist. Ein weiteres Kriterium ist die Gefährdung der Allgemeinheit durch den Täter.

Die Verteidiger sagten, dass ihre Mandanten zunächst keine Angaben zur Sache machen werden. Das Gericht hat für den Prozess zwölf Verhandlungstage bis Mitte Dezember angesetzt. (Heidi Niemann)

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