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UMG: Täglicher Kampf mit Infektionen – weniger Corona-Patienten, hohe Belastung für Personal

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Von: Thomas Kopietz

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Die Uni-Klinik Göttingen verzeichnet zurzeit weniger Corona-Patienten. Doch der tägliche Kampf mit Infektionen stellt das Personal vor Herausforderungen.

Göttingen – 62 stationär behandelte, mit SARS-CoV-2 infizierte Patienten – diesen Rekordstand seit Beginn der Pandemie verzeichnete die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) am Dienstag, 18. Oktober. Am Donnerstag (27.10.2022) waren es mit 38 zwar deutlich weniger, aber die Behandlung von Covid-19-Patienten – auch auf der Intensivstation und zusätzlich zum normalen Klinikalltag – verlangt den Mitarbeitern enormes ab.

Viele sind müde, der Krankenstand ist hoch, wie der Vorstand Krankenversorgung Prof. Lorenz Trümper sagt. „Wir kämpfen tagtäglich mit Infektionen, mit notwendiger Isolation. Das führt nach der inzwischen fast drei Jahre langen Corona-Pandemie zu spürbarer Ermattung der Kräfte unter unseren pflegerischen und ärztlichen Mitarbeitenden.“

Uni-Klinik Göttingen: weniger Corona-Patienten – aber hohe Belastung für das Personal

Intensivstation: In der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) werden Covid-19-Patienten aus der Region unter hohem personellen und technischen Aufwand intensivmedizinisch und pflegerisch betreut. Hier kümmert sich Prof. Onnen Mörer um einen Schwerkranken. Archi
Intensivstation: In der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) werden Covid-19-Patienten aus der Region unter hohem personellen und technischen Aufwand intensivmedizinisch und pflegerisch betreut. Hier kümmert sich Prof. Onnen Mörer um einen Schwerkranken. (Archivbild) © Swen Pförtner/UMG

Abzulesen sei das auch am hohen Krankenstand unter den mehr als 8.000 UMG-Mitarbeitern. Diese Situation werde sich auch vorerst nicht entspannen. „Der Trend wird über die Wintermonate anhalten“, sagt Lorenz Trümper und stützt die Prognose auch auf die hohe Zahl von stationären Patienten mit der Nebendiagnose Covid-19.

„Die Lage ist hier in der Uni-Klinik ist zunehmend angespannt, aber weiterhin beherrschbar.“

Prof. Lorenz Trümper

Diese sind in der Göttinger Uni-Klinik seit Wochen in der Mehrzahl: Waren es am Rekordtag 18. Oktober von 62 Corona-Patienten 48 mit dieser Nebendiagnose, lag die Zahl am Mittwoch, 26. Oktober, bei 30. Lediglich acht wurden wegen der Coronavirus-Erkrankung versorgt. Acht Patienten lagen auf Intensivstation.

„Hier war die Situation in den Monaten September und bis Mitte Oktober relativ moderat“, schildert Trümper. „Seit Mitte Oktober ist die Zahl der schwer an Covid-19 erkrankten Patienten wieder in den zweistelligen Bereich angestiegen. „Die Lage ist hier zunehmend angespannt, aber weiterhin beherrschbar.“ Trümper geht davon aus, „dass die intensivmedizinische Lage beherrschbar bleibt“.

Prof. Lorenz Trümper UMG-Vorstand
Prof. Lorenz Trümper, UMG-Vorstand © Privat

Dass es nicht nur in der UMG, sondern auch in vielen anderen deutschen Krankenhäusern so bleiben wird, davon geht auch der Virologe und Ex-WHO-Direktor Klaus Stöhr aus: „Der Druck auf die Intensivstationen wird weit geringer sein, als im letzten Jahr.“ Stöhr erwartet aber eine „insgesamt heftige Atemwegserkrankungssaison“. Befeuert werde diese von einem Nachholeffekt bei diesen Infekten. Für die Kliniken bedeute das eine Mehrbelastung, die durch die „generell prekäre Pflegesituation“ verstärkt werde.

Der tägliche Kampf mit Infektionen an der UMG

Während Epidemiologe Stöhr nicht auf eine Verschärfung der Isolationen und Ausweitung der Maskenpflicht setzt, sagt Lorenz Trümper eindeutig: „Das Tragen von Masken für unsere Mitarbeitenden, unsere Patienten und alle unsere Besuchenden in den Gebäuden des Uni-Klinikums bleibt Pflicht. Neben der Impfung stellt das Maskentragen den größtmöglichen Schutz im Alltag dar.“

Viola Priesemann MPI-Forscherin
Viola Priesemann, MPI-Forscherin © Privat

Pandemie-Experte Stöhr ist da anderer Meinung. „Letztendlich werden die meisten Infekte gegenwärtig durch Rhinoviren verursacht, deretwegen in der Vergangenheit auch keine Maskenpflicht umgesetzt wurde.“

Auch die Pandemie-Forscherin vom Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation, Viola Priesemann, sieht mit Blick auf die Intensivstationen keinen Grund, die Maßnahmen zu verschärfen. Sie nennt aber einen wichtigen Grund, warum es dennoch Sinn macht, die FFP-2-Masken zu tragen: So helfe jeder Beitrag, die Zahl der Ansteckungen zu reduzieren, auch dabei, die Last für das Pflegepersonal und die Ärzte zu verringern.

Mit Corona infizierte Mitarbeiter, die Influenza-Welle und andere Erkrankungen könnten „zu deutlichen Engpässen führen, zusammen mit dem steigenden Anteil Personen, die im Krankenhaus behandelt werden und eine Nebendiagnose Covid haben“, sagt die Göttinger Physikerin und stützt die Vorsicht der UMG-Verantwortlichen um Lorenz Trümper. (tko/mit epd)

In der weltweiten Fachkliniken-Hitliste des US-Magazins Newsweek schneidet die Uni-Klinik Göttingen gut ab, Herzzentrum und Gastroenterologie sind dabei besonders stark. Am Gesundheitscampus Göttingen bestanden nun 30 angehende Physiotherapeuten und Logopäden ihre Examen.

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