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Vom Dienstauto aufs E-Fahrrad: Uni-Forschungsprojekt PedShare in Göttingen

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Von: Bernd Schlegel

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E-Bike statt Dienstauto: Das ist das Motto des Göttinger Uni-Forschungsprojekt PedShare. Vier Unternehmen der Region geben Resonanz zu dem Angebot.

Göttingen/Northeim – Vier Firmen aus Südniedersachsen – darunter die HNA-Redaktion Göttingen – haben fast zwei Jahre lang getestet, wie sie viele ihrer dienstlichen Fahrten mit E-Bikes statt mit herkömmlichen Fahrzeugen machen können. Das Projekt „PedShare“ ist abgeschlossen. Die Ergebnisse sind vielversprechend, wie mehrere Nutzer-Umfragen ergaben.

Etwa 60 Nutzer in den vier Unternehmen haben sich an dem Projekt beteiligt, gut 20 von ihnen nahmen an einem internen Wettbewerb teil. Absolviert wurden mehr als 1000 Fahrten, bei denen mehr als 10.000 Kilometer zurückgelegt wurden. Dadurch wurden 2500 Kilo Kohlendioxid eingespart.

Vom Dienstauto aufs E-Fahrrad: Uni-Forschungsprojekt PedShare sorgt für E-Mobilität in Göttingen

Haben mit dem Projekt „PedShare“ in vier Firmen für E-Mobilität gesorgt: Christoph Prinz und Christine Harnischmacher gehören zu den Machern. So wurde eine spezielle Handy-App entwickelt.
Haben mit dem Projekt „PedShare“ in vier Firmen für E-Mobilität gesorgt: Christoph Prinz und Christine Harnischmacher gehören zu den Machern. So wurde eine spezielle Handy-App entwickelt. © Bernd Schlegel

Hinter dem Projekt steckt der Lehrstuhl für Informationsmanagement der wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Uni Göttingen. Die Mitarbeiter entwickelten eine App, um eine bedarfsorientierte und effiziente Nutzung von E-Bikes als Teil der Unternehmenskultur zu ermöglichen. Geld dafür gab es auch vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit.

„Die Bereitschaft auf das E-Bike umsteigen, ist bei allen Teilnehmern stark gestiegen. Auch Personen, die bislang nicht oder nur selten mit dem Fahrrad unterwegs waren, nutzen die Räder“, so die Bilanz von Christoph Prinz, einer der Macher des Projekts. Einzelne Nutzer waren besonders aktiv: So fuhr ein einzelner Nutzer mit mehr als 70 Buchungen etwa 1330 Kilometer.

Ein HNA-Redakteur fuhr rund 1500 (Dienst-) Kilometer, sparte dem Verlag so 450 Euro – und bewegte sich an der frischen Luft. PedShare sollte auch prüfen, ob Anreize in der App, wie ein Ranking, Medaillen und Duelle, zur Steigerung der Nutzung beitragen. Ergebnis: Nur wenige Nutzer, meist die eher sportlich orientierten, ließen sich so motivieren.

Im Einsatz waren E-Bikes und Technik neben der HNA-Redaktion Göttingen auch bei der Werkstatt-Schule Northeim und Einbeck, bei der Firma Eckold in St. Andreasberg sowie bei Hoff-Kaffeesysteme in Osterode.

Uni-Forschungsprojekt PedShare in Göttingen: Kombination aus E-Bike und Handy-App

Viele Nutzer überzeugte die einfache und problemlose Handhabung der Handy-App, sowohl bei der Buchung als auch im Zusammenspiel mit dem E-Fahrrad. Die App, die von den Göttinger Wissenschaftlern programmiert wurde, liegt jetzt in einer fünften Variante vor.

Sie ist so weit entwickelt, dass auch der Quellcode in der Version 3.0, der derzeitigen Endversion, von Interessiertem aus dem Internet heruntergeladen werden kann. Online verfügbar ist auch der Umsetzungsleitfaden, der praktische Empfehlungen gibt.

Uni-Forschungsprojekt PedShare als Grundlage für zukünftige professionelle Angebote

Denkbar ist, dass ein Unternehmen auf dieser professionellen Grundlage PedShare-Angebote für Firmennutzer in kleineren und mittleren Unternehmen entwickelt. Die Plattform bietet dafür beste Voraussetzungen. Die Forscher haben nämlich herausgefunden: „PedShare muss als All-inclusive-Dienst angeboten werden, um für den Einsatz in Unternehmen attraktiv zu sein.“

Als alltagstauglich erwies sich auch die Diebstahlsicherung der E-Bikes. Die meldeten ihre jeweilige Position über GPS und ein eingebautes Mobilfunk-Modul alle zehn Sekunden an die Projektverantwortlichen. Mit Erfolg: Keines der 16 Räder wurde während der knapp zweijährigen Projektphase gestohlen.

Das gilt auch für die teuren Akkus. „Es kann sich lohnen, beim Neukauf eines E-Bikes eine solche Technik einbauen zu lassen“, sagt Christine Harnischmacher, die ebenfalls für das Projekt mitverantwortlich ist.

Ziel ist es, das System langfristig auszuweiten. Harnischmacher: „Wir würden uns freuen, wenn sich Unternehmen melden.“ Und: Ein noch junges, nachhaltiges Göttinger Logistikunternehmen hat just Interesse bekundet. Mehr Informationen finden Sie hier. (Bernd Schlegel)

Kommentar: Mit E-Bike-Sharing könnten Auto-Flotten schrumpfen

Die Geschäfte mit Dienstwagen, gerne auch mit grünem Anstrich, also Hybrid-Autos, boomen weiterhin. Die Flotten sind teils riesig, die Autos letztlich oft auch Symbole für Position und Status eines Mitarbeiters im Unternehmen.

Doch es geht auch anders: Statt der selbst im Klein- und Großstadtverkehr genutzten Leasing-Dienstautos satteln Unternehmen und Verwaltungen um: Lastenräder, E-Bikes, Pedelecs werden angeschafft oder geleast, teils auch von den Mitarbeitern über spezielle Leasing-Angebote. Bestenfalls bleiben dann die Betriebsautos oder dienstlich genutzte Privat-Pkw stehen. Der Weg zur Arbeit und für den Job wird umweltfreundlich und gesundheitsfördernd per Rad zurückgelegt.

Genau das hat das Forschungsprojekt PedShare der Uni-Göttingen erfolgreich geschafft: Menschen stiegen vom Auto aufs Rad um. Dienstfahrten per Pkw wurden oft reduziert – besonders die extrem unwirtschaftlichen Kurzstreckentouren.

Dabei wurden die Pedelecs von mehreren Mitarbeitern genutzt, eine praktikable Buchungsapp sorgt für stressfreie Reservierung und Absprache. Und so bleibt das Vorurteil ein Vorurteil: Ein von mehreren genutztes Rad wird nicht gepflegt. Die professionelle Wartung übrigens sollte in einem Sharing-Angebot dennoch unbedingt enthalten sein, ebenso die GPS-Datenübertragung, die die begehrten E-Räder zum riskanten Diebesgut machen.

Das Uni-PedShare-Projekt könnte eine Blaupause für viele Unternehmen sein. Schade, dass die Vermarktung über ein Start-Up nicht vorgesehen ist. Die geleasten Dienstauto-Flotten könnten nämlich weiter schrumpfen – und das wäre gut so. (tko)

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