Stadtverwaltung in Göttingen betroffen

Griff in die Rathauskasse - Verwaltungsmitarbeiter erschwindelt sich 70.000 Euro

Göttingen: Verwaltungsmitarbeiter soll sich 70.000 Euro ausgezahlt haben 
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Zwei brisante Fälle sorgen derzeit für reichlich Gesprächsstoff im Neuen Rathaus in Göttingen.

In Göttingen gab es erneut einen Fall von Untreue: Ein Verwaltungsmitarbeiter soll sich 70.000 Euro ausgezahlt haben.

  • Erneuter Fall von Untreue in Göttingen
  • Mitarbeiter der Stadtverwaltung gesteht Taten
  • Bereits dritter Untreuefall im Fachbereich Soziales innerhalb weniger Jahre

Göttingen - In der Göttinger Stadtverwaltung ist es offenbar zum wiederholten Mal zu finanziellen Unregelmäßigkeiten gekommen. Wie Verwaltungssprecher Dominik Kimyon auf Anfrage bestätigte, soll sich ein Mitarbeiter durch die Manipulation von Zahlungsanweisungen für Kunden des Fachbereichs Soziales insgesamt 70.000 Euro verschafft haben.

Der Mitarbeiter habe diese Taten zwischen März 2018 und März 2020 begangen. Die Unregelmäßigkeiten waren erst nach zwei Jahren aufgeflogen, als Bedienstete der Stadtkasse Zahlungsjournale kontrollierten.

„Die Stadtverwaltung hat unmittelbar nach Vorliegen aller Beweise reagiert, den Mitarbeiter sofort freigestellt und den Vorfall zur Anzeige gebracht“, teilte Kimyon mit. Der Mitarbeiter habe die Taten gestanden, ein Schuldanerkenntnis beurkundet und einen Auflösungsvertrag unterschrieben.

Staatsanwaltschaft Göttingen befasst sich mit Fall

Inzwischen ist auch die Staatsanwaltschaft Göttingen mit dem Fall befasst. Die Strafverfolgungsbehörde ermittele gegen den 44-Jährigen wegen des Verdachts der gewerbsmäßigen Untreue, teilte Behördensprecher Andreas Buick mit. Nach den bisherigen Ermittlungen soll der 44-Jährige wiederholt im internen Computersystem Geldkarten für Empfänger von Sozialleistungen aufgeladen haben.

Mit solchen Chipkarten können sich Hilfeberechtigte ihre Unterstützung an einem Geldautomaten im Foyer des Neuen Rathauses in bar auszahlen lassen. Der 44-Jährige habe für insgesamt 36 Personen derartige Karten jeweils mit einem Betrag von 2000 Euro aufgeladen, teilte Buick mit. Anschließend sei er mit der auf eine andere Person ausgestellten Karte zum Automaten gegangen und habe dort selbst die 2000 Euro abgehoben.

Rathaus Göttingen: Weiterer Untreuefall im Fachbereich Soziales 

Das neue Strafverfahren ist auch deshalb bemerkenswert, weil es bereits der dritte Untreuefall im Fachbereich Soziales innerhalb weniger Jahre ist. 2015 hatte das Amtsgericht Göttingen eine Verwaltungsfachangestellte wegen gewerbsmäßiger Untreue zu einer Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt.

Die 23-Jährige war als Sachbearbeiterin für die Auszahlung von Sozialleistungen zuständig gewesen und hatte dies ausgenutzt, um unberechtigten Empfängern mehr als 4200 Euro zu verschaffen. Laut Anklage soll sie ebenfalls Geldkarten aufgeladen haben, ohne dass die betreffenden Sozialhilfeempfänger dies gewollt oder beantragt hatten.

Die aufgeladenen Karten habe sie an Dritte weitergegeben, die dann damit die entsprechenden Beträge abhoben. Drei Jahre zuvor stand ein anderer Sachbearbeiter der Sozialbehörde in Göttingen vor Gericht, weil er über einen Zeitraum von vier Jahren hinweg knapp 54.000 Euro auf private Konten umgeleitet hatte.

Gericht rügt mangelnde Kontrollmechanismen innerhalb der Stadtverwaltung in Göttingen

Auch in anderen Fachdiensten der Göttinger Stadtverwaltung gab es Untreuefälle. 2011 verurteilte das Landgericht Göttingen einen früheren Mitarbeiter des Jugendamtes, der jahrelang insgesamt 140.000 Euro von Konten der von ihm betreuten Kinder und Jugendlichen veruntreut hatte.

Einige Jahre zuvor stand ein Mitarbeiter des Einwohnermeldeamtes in Göttingen vor Gericht, weil er über mehrere Jahre hinweg die Gebühren für Pässe und Ausweise in Höhe von umgerechnet rund 125.000 Euro für sich einbehalten hatte. Beide Male hatte das Gericht in seiner Urteilsbegründung ausdrücklich die mangelnden Kontrollmechanismen innerhalb der Stadtverwaltung gerügt.

Göttingen: Mitarbeiter soll unsittliche Fotos von Kolleginnen gemacht haben

Neben dem Untreuefall in der Sozialbehörde sorgt derzeit auch das Fehlverhalten eines anderen Mitarbeiters der Stadtverwaltung für Gesprächsstoff. Nach Angaben von Verwaltungssprecher Dominik Kimyon wurde dem Mitarbeiter fristlos gekündigt, weil er heimlich unsittliche Fotos von mehreren Kolleginnen gemacht haben soll.

Zuvor hatte die Polizei im Rahmen anderer Ermittlungen dessen Mobiltelefon ausgewertet und war dabei auf diese Bilder gestoßen. Der Bedienstete habe das Vergehen zugegeben, sagte Kimyon. Nach derzeitigem Kenntnisstand seien die Fotos seit 2018 angefertigt und nicht veröffentlicht worden. Die betroffenen Frauen prüften, ob sie rechtliche Schritte gegen den Mann unternehmen wollen.

Von Heidi Niemann

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