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Virologe Hendrik Streeck spricht in Göttingen über das Wunderwerk Immunsystem

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Von: Thomas Kopietz

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Professor Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uni-Klinik Bonn.
Forscher, Buchautor, Kommunikator – Professor Hendrik Streeck, Direktor des Institut für Virologie an der Uni-Klinik Bonn, sitzt in einem Labor. Er kommt am Freitag zum Literaturberbst. © Federico Gambarini/dpa

Virologe Hendrik Streeck ist eines der medialen Gesichter der Corona-Pandemie. Nun kommt er zum Göttinger Literaturherbst und liest aus seinem Buch.

Göttingen – „Ich komme gerne zurück nach Göttingen!“ Hendrik Streeck freut sich auf die Stadt, in der er fast 20 Jahre gelebt hat. Er, der zu einem medialen Gesicht der Corona-Pandemie geworden ist, häufig Stellung zu neuen Entwicklungen bezogen hat, kommt zurück - diesmal zum Göttinger Literaturherbst. Er wird am Freitag, 4. November, ab 19 Uhr im Asklepios Fachklinikum Tiefenbrunn lesen.

Dabei dreht es sich nur ganz am Rande um das Corona-Virus SARS-CoV-2 und die Pandemie, sondern vor allem um sein 2022 erschienenes Buch „Unser Immunsystem“.

Virologe Hendrik Streeck liest in Göttingen aus seinem Buch „Unser Immunsystem“

Von diesem Wunderwerk Immunsystem ist Professor Hendrik Streeck, Direktor des Instituts für Virologie der Uni-Klinik Bonn, seit Beginn des Medizinstudiums fasziniert, wie er im Gespräch sagt. „Es sichert unser Überleben, ist dauernd in Alarmbereitschaft und im Kampf gegen Eindringlinge und Krankheiten.“ Doch wie funktioniert es, was passiert unbemerkt in unserem Körper: Fragen, die Streeck schon seit der Studienzeit umtreiben.

Das Immunsystem ist extrem schlagkräftig, geht planvoll vor, führt einen sehr koordinierten Kampf

Hendrik Streeck

Fasziniert ist der Virologe auch, dass es gar keinen Ort hat, und dafür verantwortlich ist, dass „wir das fortwährende Befeuern des Körpers mit Bakterien und Viren gar nicht mitkriegen. Dafür sorgt eine unheimliche Kommunikation im Körper, ein extremes Feintuning – ja, das ist faszinierend.“

Als er in den USA arbeitete, hatte er durch einen Umzug im Jahr 2012 viel freie Zeit, begann, an einem Buch über das Immunsystem zu arbeiten: einem Kinderbuch mit Zeichnungen. Das war der Ursprung. „Ja, ich wollte dieses Buch schon lange schreiben“. Er hat es getan, es ist fertig geworden. „Das hat gedauert, aber es ist auf dem Markt.

Hendrik Streeck: Arbeit an seinem Buch begann bereits 2012 in den USA

Streeck liest gerne aus seinen Büchern, sucht den Kontakt zum Publikum, spielt gerne eine „Ping-Pong-Unterhaltung“: „Ich mag es einfach, zu kommunizieren“, sagt er.

Und er wird gehört: Der Professor, der einst als Postdoktorand an der Harvard Medical School arbeitete und dort 2009 Instructor in Medicine, 2011 dann Assistant Professor wurde, ist heute Mitglied des Expertinnenrates der Bundesregierung.

Gerne kommunizieren wird er auch am Freitag in Göttingen, in der Asklepios-Klinik Tiefenbrunn. Zu der hat die Familie Streeck einen ganz besonderen Bezug. „Ich werde dort lesen, wo die Abschiedsfeier für meinen Vater Ulrich und meine Mutter Annette gewesen ist, beide haben in Tiefenbrunn gearbeitet, leben noch heute in Göttingen“, erzählt Streeck, der einst mit dem Fahrrad vom Wohnort Herberhausen am „Elefantenklo“ (Bismarckstein) vorbei zum Theodor-Heuss-Gymnasium fuhr, wo er sein Abitur machte.

Virologe Streeck: Abi am THG, Eltern leben noch heute in Göttingen

Dort hat der heutige Mediziner, der scheinbar auch einen Impuls für das Zeichnen mitbekommen. Denn Streeck schmückt sein Buch mit eigenen Bleistiftzeichnungen. Die NK-Killerzellen sehen so ganz niedlich aus. „Es gibt auch welche, die böse ausschauen“, wirft Streeck ein. Die Makrophagen, Fresszellen, können da nicht gemeint sein, sie wirken auf den Betrachter als gemütliche keksverzehrende Monster.

„Ich habe während Sitzungen oder Telefonaten immer gerne mitgekritzelt“, sagt der 45-Jährige. Ein ausgesprochenes Zeichen-Talent will er sich aber nicht zuschreiben. Die Bilder sind Mittel zum Zweck, sollen zum Verständnis des Buches, das ohnehin allgemeinverständlich ist, dienen.

Zum Verständnis dient auch die griffige Sprache, die der Autor und Mediziner Streeck verwendet, sie ist kriegerisch: „In unserem Körper wird ständig ein Schlachtplan entwickelt um Erreger abzuwehren oder zu bekämpfen, sie zu besiegen“, sagt er und fügt an: „Das Immunsystem ist extrem schlagkräftig.“ Die Anleihe aus der Militärsprache sei angebracht und nicht überzogen: „Das Immunsystem geht planvoll vor, führt einen sehr koordinierten Kampf.“

Das gesamte Immunsystem sei auch so faszinierend für einen Mediziner und Forscher, weil es extrem vielschichtig ist, „quasi jede Zelle des Körpers eingebunden ist und die neuronalen Zusammenhänge oft noch unbekannt sind. Da muss noch sehr viel geforscht werden“, erzählt der engagierte Mediziner.

Über all das wird Hendrick Streeck detailliert und unterhaltsam auch am Freitag im Gespräch mit Moderatorin Sybille Bertram berichten, bei seiner Rückkehr zu den eigenen Wurzeln - in Göttingen.

Hendrik Streeck, „Unser Immunsystem“, Piper, 202 Seiten, 22 Euro. Literaturherbst: Freitag, 4. November, Fachklinikum Tiefenbrunn, 19 Uhr.

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