Nach Gerichtsurteil zur Luftbelastung in Städten

Göttingen: Vorerst keine Verbote für Dieselfahrzeuge

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Gehört zum Netz mit 20 Messstationen in Niedersachsens Großstädten: die Station an der Bürgerstraße in Göttingens Innenstadt.

Göttingen. Seit drei Jahren keine Grenzwertüberschreitung: Autofahrern, gleich, ob mit Diesel- oder Benzinfahrzeugen unterwegs, drohen in der Innenstadt keine Fahrverbote.

Nach Aussage von Stadt-Sprecher Detlef Johannson ist es seit 2015 an der Messstation Bürgerstraße nicht mehr zu Überschreitungen des Stickstoffoxid-Grenzwertes gekommen. 2015 war diese Grenze knapp überschritten worden.

Deshalb überarbeitet die Stadt ihren Luftreinhalteplan. Die neue Fassung, auch mit geeigneten Maßnahmen im Fall einer Überschreitung von Grenzwerten, geht in Kürze in die politische Beratung. Johannson plädiert zunächst für eine generelle Zurückhaltung bei der Bewertung des Urteils von Dienstag: Man müsse die Begründung in allen Einzelheiten kennen, bevor eine Aussage getroffen werden könne.

2015 hatte die Göttinger Messstation an der Bürgerstraße im Hochsommer und im Winter Überschreitungen des Grenzwertes für Stickoxide registriert.

Seitdem ist Göttingen zwar nicht clean, was die Luftbelastung durch Stickoxide angeht, aber übertrifft nicht wie fünf Städte in Niedersachsen – Hannover, Hildesheim, Oldenburg, Osnabrück und Hameln im Jahr 2017 – den Stickoxid-Grenzwert.

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler reagierte deshalb in einem HNA-Bericht im November auch mit Unverständnis darauf, dass das Gewerbeaufsichtsamt Hildesheim Göttingen aufgrund von Hochrechnungen über die Jahre 2013 bis 2017 als schmutzige Stadt bezüglich der Luftbelastung mit Stickoxiden einstufte.

Köhlers Unverständnis gründete auf harte Daten, die rund um die Uhr die Messstation gegenüber der ehemaligen Vogt-Schule an der Bürgerstraße – das ist der viel befahrene Innenstadtring – liefert.

Die Daten sagen laut Köhler, dass der Grenzwert von 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft weder 2016 noch 2017 überschritten worden ist.

Aber: Einen Handlungsbedarf im Sinne der Bürger, und um die Schadstoffbelastung in der Luft zu senken, sieht Köhler dennoch: „Wir müssen etwas tun, um die Luft zu verbessern.“

Maßnahmen, die allerdings auch meist erst mittelfristig greifen würden, wären der Einsatz von Elektro-Bussen in der Innenstadt. Die Technik aber ist noch nicht so weit. Dennoch wird der E-Bus angestrebt, was Göttingen auch im 2011 im Stadtrat verabschiedeten „Masterplan 100 % Klimaschutz“ verankert hat.

Mit diesem Werk sei man nicht nur gedanklich weiter als andere Städte, sagt Köhler, der auch die blaue Plakette nicht als „mögliches Mittel“ ausschließt.

Ebenso wichtig sei aber auch die natürliche Belüftung der Kernstädte, die durch eine entsprechende Bebauung zu beeinflussen sei.

Und: Göttingen will den Individualverkehr reduzieren. Bei der Planung von Stadtteilen und großen Bauprojekten wie im Bereich Süd-Ost-Stadt/Ebertal wird das bei der reduzierten Bereitstellung von Parkplätzen und möglichen E-Fahrzeugen sowie ÖPNV-Anbindungen angestrebt.

Der Masterplan sieht bis 2050 vor, dass Göttingen dann klimaneutral ist – die Treibhausgasemissionen fast auf Null sinken, der Energiebedarf halbiert wird und der Restenergiebedarf aus erneuerbaren Energien besteht.

Bis 2020 sollen die CO2-Emissionen um 40 Prozent gesenkt werden – im Vergleich zum Basisjahr 2010. Gelingt das, wären auch Fahrverbote sowohl für Diesel- als auch für Benzin-Fahrzeuge kaum mehr nötig.

Luft-Überwachungssystem

Das Lufthygienische Überwachungssystem Niedersachsen ist ein Netz aus 25 Messpunkten für Luftschadstoffe in Niedersachsen.

20 Messpunkte befinden sich in größeren Städten Niedersachsens wie Hannover, Braunschweig und Göttingen, fünf Messpunkte in ländlichen Gebieten und Ökosystemen, wie auf dem Wurmberg im Harz, auf den Ostfriesischen Inseln und an der Elbmündung.

Es werden neben meteorologischen Daten Messwerte erhoben zu: Feinstaub, Stickoxide, Ozon, Schwefeldioxid, Kohlenmonoxid und Benzol.

Diese Messwerte werden automatisch gemessen und an die Messnetz-Zentrale gesendet. Nach der Datenaufbereitung werden sie an das Umweltbundesamt übermittelt und stehen im Internet zur Verfügung.

Die Werte werden auch genutzt für: den Ozonwarndienst des Landes, Überwachung der Werte entsprechend den EU-Luftqualitätsrichtlinien, Überwachung Kfz-typischer Emissionen, Umweltüberwachung, Ermittlung der Langzeitentwicklung von Emissionen und der Luftschadstoffverteilung. Information der Öffentlichkeit.

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