Verein "Wiechert'sche Erdbebenwarte"

In Göttingen ist der Geburtsort der Geophysik - Kugel löst Mini-Erdbeben aus

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Die Macher: Trägervereinsvorsitzender Wolfgang Brunk (rechts) und sein Stellvertreter Dr. Udo Wedeken im „alten Erdbebenhaus“ vor dem 1904 gebauten Seismographen, der mit seinem 17 Tonnen schweren Pendel zu den weltweit größten zählt.

Die „Wiechert’sche Erdbebenwarte“ mit ihrem weltweit ältesten, noch voll funktionsfähigen Seismografen ist ein Anziehungspunkt für Wissenschaftler und Touristen.

Göttingen – Vor 15 Jahren rettete ein Verein den Ort, der in Göttingen zu den größten Anziehungspunkten für Wissenschaftler und Touristen aus aller Welt zählt, vor dem Abriss.

„Hauptanliegen unseres Vereins ist es, den wissenschaftlichen Betrieb und die wissenschaftliche Begleitung der Göttinger Erdbebenwarte und der nahe gelegenen historischen Forschungseinrichtungen sowie deren Darstellung in der Öffentlichkeit zu verwirklichen“, sagt Wolfgang Brunk, seit der Gründung am 11. April 2005 Vorsitzender des Vereins Wiechert’sche Erdbebenwarte Göttingen.

Über 2000 Gäste im vergangenen Jahr

Um das zu realisieren, sei ein erheblicher finanzieller Aufwand, vor allem aber viel ehrenamtliches Engagement nötig. „Allein im vergangenen Jahr gab es bei uns 118 Führungen, bei denen 2300 Besucher von nah und fern das alte und neue Erdbebenhaus sowie das berühmte Gaußhaus besuchten“, so Brunk. 

Die Macher: Trägervereinsvorsitzender Wolfgang Brunk (rechts) und sein Stellvertreter Dr. Udo Wedeken im „alten Erdbebenhaus“ vor dem 1904 gebauten Seismographen, der mit seinem 17 Tonnen schweren Pendel zu den weltweit größten zählt.

Um diesen Andrang zu bewältigen, der der Erdbebenwarte Platz zwei in der Reihe touristischer Attraktionen in Göttingen einbringt, und den Gästen jeden Alters Geophysik auf möglichst amüsante und lebendige Art begreif- und erlebbar zu machen, stehen dem Verein gerade einmal ein halbes Dutzend ehrenamtlich Tätige Führer zur Verfügung. „Mit etwa 75 fördernden Mitgliedern sind wir finanziell zwar einigermaßen vernünftig aufgestellt, aber wir sind immer auf der Suche nach Menschen, die sich aktiv an der Warte engagieren und bestenfalls auch Führungen übernehmen“, sagt Brunk.

Areal sollte damals verschrottet werden

Dass es den Verein Wichchert’sche Erdbebenwarte überhaupt gibt, sei „dem Nachhall eines Aufschreis“ aus dem 2004 zu verdanken. „Damals wurde bekannt, dass die Universität das gesamte Areal mit allen Gebäuden und voll funktionsfähigen Messinstrumenten abreissen und verschrotten wollte“, sagt Wolfgang Brunk. Dieser Aufschrei habe nicht nur Wissenschaftler und Unternehmer aus Göttingen und der Region erreicht, sondern auch solche, die weltweit tätig waren und sich mit der Universität und der historischen Erdbebenwarte verbunden fühlten. „Der Weg vom Aufschrei bis zur Rettung war gar nicht so einfach, am Ende aber erfolgreich“, so der Vorsitzende.

Die ehemalige Uni-Präsidentin Prof. Ulrike Beisiegel habe vor einiger Zeit eingeräumt, dass es einer der größten Fehler der Universität gewesen sei, die Warte aufgeben zu wollen. „Es hat sogar Bestrebungen von der Uni gegeben, das Areal zurückzukaufen“, berichtet Brunk. Dieses Angebot habe der Verein aber dankend angelehnt.

Laufende Kosten für Betrieb der Anlage liegen bei 10 000 Euro im Jahr

Die historische Erdbebenwarte verursacht pro Jahr laufende Kosten von etwa 10 000 Euro, berichtet Wolfgang Brunk, Vorsitzender des Trägervereins. Darüber hinaus hat der Verein in den vergangenen 15 Jahren rund 100 000 Euro in Sanierungsmaßnahmen investiert. Außerdem kostet der Betrieb viel Arbeit. „Die Sache ist Sache allemal wert“, sagt Brunk. „Hier wird schließlich Wissenschaft und Technik zum Anfassen präsentiert und die Besucher verstehen, was sie sehen.“ Genau das sei es, was „richtig Spaß“ mache und weshalb er auch schon so lange mit Freude dem Verein als Vorsitzender vorstehe. Anlässlich des 15-jährigen Bestehens des Vereins „Wiechert’sche Erdbebenwarte Göttingen“ gibt es einen besonderen Tag der offenen Tür am Sonntag, 14. Juni. Weitere Informationen gibt es im Internet.

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