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Göttinger Yoga-Lehrer wegen sexueller Übergriffe auf Studentinnen bei Massagen angeklagt

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Von: Heidi Niemann

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Ein Yoga-Lehrer ist wegen sexueller Übergriffe auf zwei Studentinnen angeklagt. Der Göttinger soll die Frauen bei Ganzkörpermassagen gegen ihren Willen im Intimbereich berührt haben.

Göttingen – Ganzkörpermassagen sind gut für Körper und Seele. Diese Erwartung hatten auch zwei junge Frauen, als sie das Angebot eines Göttinger Yoga-Trainers annahmen, der ihnen eine Ganzkörpermassage empfohlen hatte. Es kam anders: Entspannung wurde zu Schockstarre.

Seit dieser Woche muss sich der 65-Jährige vor dem Amtsgericht Göttingen verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, gegen den Willen der Frauen sexuelle Handlungen an ihnen vorgenommen zu haben.

Göttingen: Yoga-Lehrer wegen Übergriffe auf zwei Studentinnen angeklagt

Der Eingangsbereich einer Massagepraxis mit Massageliege.
Ein Yoga-Lehrer muss sich am Amtsgericht Göttingen wegen sexueller Übergriffe verantworten. Der 65-Jährige soll Studentinnen gegen ihren Willen bei Ganzkörpermassagen intim berührt haben. (Symbolbild) © Eibner-Pressefoto/EXPA/Feichter/imago

Laut Anklage sollen die sexuellen Übergriffe im Dezember 2019 und im Oktober 2021 in der jeweiligen damaligen Privatwohnung des Yoga-Trainers in der Göttinger Innenstadt stattgefunden haben. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, bei den mehrstündigen Massagen entgegen vorheriger Absprache und gegen deren Willen die Frauen auch im Intimbereich berührt zu haben, um sich sexuell zu erregen.

Die betroffenen Frauen – zwei heute 25 Jahre alte Studentinnen – hatten zuvor an Yoga-Kursen des 65-Jährigen teilgenommen. Eine Studentin hatte einen seiner Kurse im Rahmen des Hochschulsports an der Uni Göttingen besucht, die andere hatte bei einer Yoga-Gruppe am Göttinger Kiessee mitgemacht.

Sie habe sich bei den Treffen am Kiessee sehr wohl gefühlt, sagte die 25-Jährige bei ihrer Zeugenvernehmung. Bereits beim ersten Termin habe der Trainer sie darauf hingewiesen, dass sie sehr verspannt sei, und ihr eine Massage angeboten. Beim zweiten Mal habe er sie erneut angesprochen, beim dritten Treffen habe er ihr seine Visitenkarte gegeben.

Angeklagtem werden sexuelle Übergriffe bei Ganzkörpermassage vorgeworfen

Später sei ihr aufgefallen, dass er die Massagen nie vor der Gruppe offeriert habe, sondern gezielt einzelne Frauen eingeladen habe. Sie habe ihm zu der Zeit jedoch vertraut und einen Termin vereinbart. Sie wollte sich etwas Gutes tun und einen Tag vor einer Prüfung den Kopf frei bekommen.

An einem Sonntag fand sie sich zu dem vereinbarten Termin in seiner Wohnung ein. Zunächst gab es Tee. Nach rund einer Stunde habe er sie zu der Massageliege geführt, die sich zu ihrer Überraschung in seinem Schlafzimmer befand. Sie habe erklärt, dass sie bei der Massage ihren Slip anbehalten möchte. Auf seine Bemerkung, dass er auf Wunsch auch ihre Brüste massieren könnte, sei sie nicht eingegangen.

Am Amtsgericht Göttingen (Foto) muss sich ein 57-jähriger Fahrlehrer nun wegen sexueller Belästigung junger Frauen verantworten.
Der Eingangsbereich des Amtsgerichts Göttingen. (Archivbild) © Bernd Schlegel

Er habe dies während der Massage dann aber doch getan. Als sie sagte, dass sie das nicht möchte, habe er damit aufgehört. Irgendwann habe sie auch bemerkt, dass er ihren Slip herunterzogen hatte und sich seine Finger immer weiter in Richtung Genitalbereich bewegten. Als sie ihm sagte, dass er nicht intimer werden sollte, habe er dies jedoch ignoriert und seine Finger in ihren Intimbereich gelegt.

Opfer fielen bis zu Stunden in Schockstarre

Die 25-Jährige war nach eigenen Angaben darüber so schockiert, dass sie erstarrte: „Ich konnte gar nichts mehr machen, mich nicht bewegen, nichts sagen.“ Sie habe erst gar nicht richtig verstanden, was da passierte, erklärte die noch sichtlich aufgewühlte Zeugin vor Gericht. „Ich habe danach Schuldgefühle gehabt, weil ich dachte, dass ich die Grenzen nicht richtig gesetzt habe.“ Erst später sei ihr klar geworden, wie viele Grenzen sie gesetzt habe, die der Angeklagte überschritten habe.

Ich habe Schuldgefühle gehabt, weil ich dachte, dass ich die Grenzen nicht richtig gesetzt habe.

betroffene Studentin und Zeugin

Auch die andere Studentin, die den Angeklagten vom Hochschulsport her kannte, bemerkte irgendwann, dass er bei der Massage ihren Slip herunterzog. Als sie auf dem Rücken lag, habe er ihr ein Päckchen auf die Augen gelegt, so dass sie nichts sehen konnte, berichtete sie. Zum Schluss habe er sie aufgefordert, die Beine weiter auseinander zu spreizen. Er sei dann über den Innenbereich der Oberschenkel immer weiter in ihren Intimbereich vorgedrungen und habe angefangen, ihre Schamlippen zu massieren.

Ich habe gemerkt, wie ich mich auf einmal nicht mehr bewegen und nichts mehr sagen kann.

Zeugin

Auch sie schilderte unter Tränen ihre Schockstarre: „Ich habe gemerkt, wie ich mich auf einmal nicht mehr bewegen und nichts mehr sagen kann.“ Schließlich habe sie sich aber aufgesetzt und erklärt, dass es nun reiche. Sie habe dann einen Schreck bekommen, als sie feststellte, dass mehr als drei Stunden verstrichen waren. Auch die andere Zeugin war völlig überrascht, dass die Massage mehrere Stunden gedauert hatte. „Ich hab‘ mich gefragt, was ich dort für einen Tee getrunken habe.“

Der Yoga-Lehrer bestreitet, die Frauen im Schambereich berührt zu haben. Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt. (Heidi Niemann)

Mehr zu ähnlichen Themen: Nach Handlungen von sexueller Belästigung auf einer Uni-Party in Göttingen standen zwei Männer vor Gericht. In Göttingen hat ein Fahrlehrer seine Lizenz wegen sexueller Belästigung von Fahrschülerinnen verloren.

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