Horst Werner ist der Jubilar / Klimaschutz-Beirat fordert viele weitere Anlagen im Stadtgebiet

Göttingens 1000. Solaranlage installiert

Göttingens 1000. Solarstromanlage am Fliederweg: (von links) Sebastian Niebur, Nils König, Horst Werner, Gerd Rappenecker, Armin Schülbe und Doreen Fragel.
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Göttingens 1000. Solarstromanlage am Fliederweg: (von links) Sebastian Niebur, Nils König, Horst Werner, Gerd Rappenecker, Armin Schülbe und Doreen Fragel.

In Göttingen stehen auf gerade einmal vier Prozent geeigneter Dachflächen Fotovoltaikanlagen.

Göttingen – Darauf hat Doreen Fragel, Vorstandsmitglied des Klimaschutz-Beirats Göttingen, hingewiesen. Sie ehrte Dr. Horst Werner, der die 1000. Solaranlage der Universitätsstadt installiert hat.

„Es ist noch Platz für viele 1000 solcher Anlagen“, erklärte Fragel. „Wir müssen zügig voranschreiten“, ergänzte Nils König, ebenfalls Vorstand des Klimaschutz-Beirats. Anderenfalls verfehle die Stadt ihr Ziel, bis zum Jahr 2050 kein Klimagas Kohlendioxid mehr auszustoßen.

„Das Netz der EAM ist in der Lage, ein Vielfaches an dezentral erzeugtem Strom zusätzlich aufzunehmen“, versicherte Armin Schülbe, Regionalleiter Nord des Netzbetreibers. Derzeit speisten im gesamten EAM-Gebiet, das weit über Südniedersachsen hinausreiche, 44.000 Anlagen erneuerbare Energie ein. Die 1000 Göttinger Fotovoltaikanlagen hätten eine Leistung von 17.000 Kilowatt.

„Das Solardachkataster Südniedersachsen bewertet sämtliche Dachflächen Göttingens hinsichtlich ihrer Eignung“, führte Fragel aus. Die von ihr geleitete Energieagentur Region Göttingen biete Hausbesitzern eine Beratung an. „Fotovoltaikanlagen rechnen sich, wenn der erzeugte Sonnenstrom weitgehend selbst verbraucht wird“, betonte Sebastian Niebur, Geschäftsführer der Rosdorfer Firma Perlutec. Er hat Werners Anlage am Fliederweg 14 errichtet, die zudem über einen Stromspeicher verfügt.

„Mit Fotovoltaikanlagen, deren Preis in den vergangenen Jahren deutlich gefallen ist, lässt sich heute Strom für zehn bis zwölf Cent pro Kilowattstunde produzieren“, erläuterte Niebur. Auf dem Markt seien dagegen durchschnittlich 30 Cent pro Kilowattstunde zu zahlen. Mit der Ersparnis refinanziere sich eine Fotovoltaikanlage innerhalb von zehn bis 20 Jahren. Das sei vielen privaten Bauherren nicht bewusst. Zum Vergleich: Für nicht genutzten Strom, den Hauseigentümer ins Netz einspeisten, erhielten sie neun Cent pro Kilowattstunde.

„Bei Unternehmern ist das Problem, dass sie ihre Gewerbeimmobilien möglichst günstig bauen wollen und deshalb auch bei der Statik sparen“, wusste Dr. Gerd Rappenecker, Vorstand der Stadtwerke Göttingen. Auf solchen Gebäude lasse sich hinterher aufgrund fehlender Standsicherheit keine Solaranlage mehr installieren.

„Vor diesem Hintergrund bringen wir als Beirat nun im Rat der Stadt einen Antrag ein“, führte König aus. Danach sollen Personen, die einen Bauantrag stellen, grundsätzlich eine Solarberatung in Anspruch nehmen müssen. Bei städtebaulichen Verträgen und dem Verkauf städtischer Baugrundstücke soll zudem eine Solarnutzung – oder alternativ eine Dachbegrünung – vorgeschrieben werden.

„In Göttingen liegt der Anteil der regenerativ gewonnenen Energie derzeit bei niedrigen elf Prozent“, führte Schülbe von der EAM aus. Der mit 67,5 Prozent größte Anteil entfalle auf Biogasanlagen. Die Sonnenenergie komme auf 28,5 Prozent. Windenergie mache 2,5 Prozent, die Wasserkraft 1,5 Prozent aus.

Von Michael Caspar

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