Markus Gerhardy löst Hubert Kellner als der Spitze des Landvolks ab

Göttingens erster Bauer geht

Abschied von der Spitze des Göttinger Landvolks: Hubert Kellner war 16 Jahre Vorsitzender des Kreisbauernverbandes mit mehr als 1500 Mitglieder. Er erhielt ein Erinnerungsgeschenk.
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Abschied von der Spitze des Göttinger Landvolks: Hubert Kellner war 16 Jahre Vorsitzender des Kreisbauernverbandes mit mehr als 1500 Mitglieder. Er erhielt ein Erinnerungsgeschenk.

Generationswechsel beim Kreisbauernverband Landvolk Göttingen: Hubert Kellner, der 16 Jahre lang an der Spitze stand und damit mehr als 1500 Landwirte vertrat, hat sich von seinen Mitgliedern verabschiedet.

Rosdorf – Kellner (Jahrgang 1954) übernahm den Verband 2004 in schwierigem Fahrwasser. Aus den zuvor eigenständigen drei Verbänden (Duderstadt, Göttingen, Hann. Münden) musste ein gemeinsamer Verband mit eigener Identität geschaffen werden, was Kellner offenbar auch gelang: Mit einem Organisationsgrad von 80 Prozent ist der Großteil der Landwirte in der Region heute vertreten und verlässt sich auf die dort geleistete Arbeit zum Beispiel in der Fachberatung, Steuerberatung und Interessenvertretung.

Wegweisende Entscheidungen

In Kellners Amtszeit fielen wegweisende Entscheidungen, etwa die Digitalisierung der Facharbeit im Landvolkhaus, die Verhandlung von Rahmenverträgen für die Landwirte für neu geplanten Stromtrassen der Region, den Aufbau eines Arbeitskreises für Nebenerwerbslandwirtschaft, der Bau einer eigenen Solarstromanlage sowie die Beteiligung des Landvolks Göttingen am Bau der gemeinschaftlichen Biogasanlage Rosdorf, was dem Verband finanzielle Freiräume verschaffte. Außerdem der starke Ausbau der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit mit eigenem Infoanhänger, dem Blühstreifenpatenprojekt, den Agrarscout-Schulungen, koordiniert vor allem von Landvolk-Geschäftsführer Achim Hübner, der seit 1999 dabei ist.

Aber auch durch einen weiter einschneidenden Strukturwandel war die Zeit geprägt: Die Landwirtschaftskammer zog sich beispielsweise aus dem Grünen Zentrum Rosdorf zurück und konzentrierte sich ab 2011 auf die Bezirksstelle Northeim. Auch gaben viele Höfe auf, die Tierhaltung verschwand aus vielen Teilen der Region komplett – da konnte auch ein vom Landvolk angestoßener „Veredlungstag“ nichts ausrichten.

In den vergangen beiden Jahren entstand zudem parallel zur Organisation des Landvolks die Bauernbewegung „LsV Land-schafft-Verbindung“, bei der überwiegend junge, gute vernetzte Landwirte spontane Demos organisieren, wie kürzlich am Aldi-Lager Hedemünden. Und weiter: Landwirtschaft und Gesellschaft hätten sich trotz aller Öffentlichkeitsarbeit zudem weiter voneinander entfernt, so Kellner. Man habe viel erreicht, manchmal auch nur Schlimmeres verhindert und es gebe auch noch viel zu tun. (Von Christian Mühlhausen)

Hintergrund

Ein Leben für das landwirtschaftliche Ehrenamt

Ein Leben für das landwirtschaftliche Ehrenamt – so bezeichneten Redner das Engagement Hubert Kellners für seinen Berufsstand. Er wuchs in Desingerode bei Duderstadt auf und übernahm 1983 den elterlichen Hof mit Gastwirtschaft, die noch bis 1991 betrieben wurde. Kellner spezialisierte den Hof von einem Gemischtbetrieb auf Sauenhaltung und gründete 2004 mit seinem Neffen Christian Wollborn eine Betriebsgemeinschaft, die 150 Sauen hält, Ferkelaufzucht betreibt und 100 Hektar Ackerland bewirtschaftet.

Ab 1995 war Kellner im Vorstand des damals selbstständigen Landvolks Duderstadt. Nach der Fusion übernahm der Eichsfelder 2004 den Vorsitz des Landvolks Göttingen und war ab 2009 auch Kreislandwirt. Seit 2018 ist Kellner stellvertretender Vorsitzender der Landvolk-Bezirksarbeitsgemeinschaft Hildesheim und seit 2019 stellvertretender Vorsitzender der niedersächsischen Realverbände. Seit 1979 ist er mit seiner Frau Rosemarie verheiratet, die ihm bei den vielen Terminen den Rücken freigehalten hat. (phl)

Markus Gerhardy, Vorsitzender des Landvolks

Rosdorf – Das ist ein Spitzenergebnis: 95 Prozent der Delegiertenstimmen erhielt Markus Gerhardy aus Gieboldehausen bei seiner Wahl zum neuen Vorsitzenden des Landvolks Göttingen.

Der 49-jährige Ackerbauer möchte die bewährte Arbeit von Hubert Kellner fortsetzen, aber auch neue Akzente setzen: Er versprach, weiter die Interessen der Mitglieder, der Landwirte zu vertreten und dabei setze er, machte Gerhardy deutlich, auf den sowohl finanziell auch personell „solide aufgestellten“ Kreisverband. Vor dem Hintergrund des weiter gehenden Strukturwandels – in einigen Dörfern gibt es keine Bauern mehr –, kündigte Gerhardy nach seiner Wahl an, bei der Organisation nach neuen Wegen zu suchen. Ziel ist es dabei, auch künftig flächendeckend in der Region vertreten zu sein.

Er wolle sich auch dafür einsetzen, die Vielfalt der landwirtschaftlichen Betriebstypen –, ob öko oder konventionell, Marktfrucht- oder Direktvermarktungsbetrieb – zu erhalten.

Am Ende müssten die Rahmenbedingungen aber so gestaltet sein, dass sich die tägliche Arbeit für jeden dieser Betriebe auch rechne und der Bauer nicht nur Subventionsempfänger sei, der am Tropf der Gesellschaft hänge, so Gerhardy.

Zu neuen stellvertretenden Vorsitzenden wurden Claus Baumgärtel aus Hann. Münden-Hilwartshausen sowie Sandra Mahn aus Erbsen gewählt. Bestätigt oder neu gewählt in den Vorstand wurden zudem Gerald Henze (Mengershausen) und Andreas Nolte (Westerode). (phl)

Kontakt: Landvolk Göttingen, Götzenbreite 10, 37124 Rosdorf, Tel. 05 51/7 89 04 50, E-Mail: info@landvolk-goe.de

Weitere Infos gibt es auch beim Landvolk im Internet.

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