Interview

Göttingens neuer Superintendent Frank Uhlhorn: „Wir werden engagierter“

Dr. Frank Uhlhorn (55) ist Göttingens neuer Superintendent.
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Dr. Frank Uhlhorn (55) ist Göttingens neuer Superintendent.

Für seine Aufgabe als neue Superintendent des Kirchenkreises Göttingen hat sich Dr. Frank Uhlhorn viel vorgenommen.

Göttingen – Wir haben mit dem Geistlichen gesprochen.

Herr Uhlhorn, in welche Richtung wird sich die evangelische Kirche in der Region Göttingen in den nächsten Jahren entwickeln?
Wir werden kleiner und engagierter. Das bedeutet, dass die Zahl der Gläubigen weiter sinken wird. Gleichzeitig werden sich die dann verbliebenen Mitglieder mehr für die Kirche einsetzen.
Welche Schwerpunkte muss aus Ihrer Sicht die kirchliche Arbeit haben?
Der wichtigste Bereich ist die Seelsorge und die Begleitung der Menschen. Da werden wir nicht sparen. Damit einher geht auch die Verkündigung in den Kirchen. Deswegen werden auch Gottesdienste weiterhin zentraler Bestandteil des kirchlichen Angebots bleiben. Allerdings werden es nicht nur Pastoren sein, die Gottesdienste halten.
Wer wird diese Aufgabe mit übernehmen?
Prädikanten, also speziell ausgebildete Laien, werden zukünftig verstärkt in den Kirchen predigen. Neu hinzu kommt, dass diese Gruppe auch das Recht bekommen soll, Taufen, Beerdigungen und Trauungen vornehmen zu können. Das war in der Hannoverschen Landeskirche bislang nur in Ausnahmefällen möglich. Ich sehe das als Bereicherung für das kirchliche Leben in den Gemeinden. Die Prädikanten, deren Ausbildung wir stark fördern werden, setzen sich vor Ort in besonderem Maße für ihre Gemeinden ein.
Wird es den „Pastor auf dem Land“ auch noch in zehn oder 20 Jahren geben?
Ja, aber eben nicht mehr allein. Außerdem werden die Pastoren für mehrere Dörfer beziehungsweise kleine Regionen zuständig sein. Ich wünsche mir, dass die Pastoren Engagierte finden, die sich dann zu Prädikanten ausbilden lassen, die der Kirche vor Ort ein Gesicht geben.
Mit dem Forum „Kirche und Diakonie“ am Groner Tor rückt die Kirche mit vielen ihrer Einrichtungen mitten in die Großstadt. Ist das der richtige Weg?
Ich finde ja. Ich wünsche mir, dass dort Begegnung und Ansprache ähnlich wie auf einer Plaza möglich sind. Der Bereich am Groner Tor war bislang nicht unbedingt eine Visitenkarte für Göttingen. Die Kirche will dort zukünftig zentraler Teil des öffentlichen Lebens sein. Deshalb soll es dort auch ein Café geben, das von Menschen mit Handicap geführt wird.
Wie wollen Sie erreichen, dass die Fusion mit dem Kirchenkreis Münden eine Erfolgsgeschichte wird?
Für die Kirche ist das eine echte Herausforderung. Die Fusion hilft uns, das Problem schärfer zu fassen, wie Kirche im ländlichen Raum präsent bleiben kann. Wir sind oft die letzten Vertreter des öffentlichen Lebens in ganz kleinen Dörfern. Zusammen mit engagierten Gläubigen, wie den Prädikanten, müssen wir Lösungen finden.
Was wäre ein Ansatz für die Arbeit in den Dörfern?
Wir wollen das Gespräch mit allen Akteuren vor Ort suchen, um die Kirche als Raum nicht nur für Gottesdienste zu nutzen. Warum sollte nicht auch ein Vereinstreffen in einer Kirche stattfinden? Ziel ist, dass auch Nichtmitglieder der Kirche etwas für ihr Gotteshaus vor Ort tun – zum Beispiel finanziell.
Im Bereich Göttingen gibt es noch weitere Kirchenkreise. Wird es weitere Fusionen geben?
Derzeit ist das noch kein Thema. Aber wir alle wissen, dass das in zehn oder 20 Jahren kommen könnte, da durch den Bevölkerungswandel die Zahl der Mitglieder automatisch abnimmt.
Göttingen hat eine renommierte Theologen-Ausbildung an der Universität. Würden Sie jungen Leuten raten, sich für dieses Studium zu interessieren?
Uneingeschränkt ja. Pastor zu sein, ist einer der schönsten Berufe, die es gibt. Man kann Menschen begleiten und sie an unterschiedlichen Stationen im Leben unterstützen. Ich empfinde dies bis heute als bereichernd für mich selbst. Wir steuern auf ein Nachwuchsproblem zu. Wer heute studiert, kann mit hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgehen, eine Stelle bekommen zu können. Außerdem wurden die Verdienstmöglichkeiten wieder verbessert. (Bernd Schlegel)

Zur Person: Dr. Frank Uhlhorn

Dr. Frank Uhlhorn (55) ist in Hannover geboren und aufgewachsen. Er studierte Theologie in Hamburg, Marburg und Göttingen. Uhlhorn war Pastor in zwei Dörfern im Landkreis Nienburg und in der Stadt Osnabrück. Er hat seit vielen Jahren Lehraufträge an den Unis in Rostock und in Osnabrück. Uhlhorn ist verheiratet und hat vier Kinder. (bsc)

Einführungsgottesdienst wird im Internet übertragen

Dr. Frank Uhlhorn wird als Superintendent des Kirchenkreises Göttingen am Sonntag, 9. Januar, durch Regionalbischöfin Dr. Adelheid Ruck-Schröder offiziell eingeführt. Wegen der Pandemie wird der Gottesdienst ab 16 Uhr auf dem Youtube-Kanal des Kirchenkreises übertragen. Zum Jahreswechsel 2022/23 werden die Kirchenkreise Göttingen und Hann. Münden fusionieren. Dann wird Uhlhorn auch für diesen Bereich mit zuständig sein. (bsc)

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