Hoher Schaden durch kriminelle Masche

Prozesse am Göttinger Amtsgericht: Unfälle vorgetäuscht und abkassiert

Göttingen. Die Masche zog: Sie sollen im Landkreis Göttingen Unfälle organisiert, Versicherungen betrogen und so mehrere hunderttausend Euro ergaunert haben. Jetzt stehen acht Angeklagte deshalb vor Gericht.

Die Männer, von denen einige bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten sind, müssen sich wegen Betruges und Beihilfe zum Betrug verantworten. 

„Gearbeitet“ haben die acht Männer für einen 63-jährigen Mann, der bereits wegen Bandendiebstählen und Drogenhandels mehrere Jahre in Haft gesessen hat und in einem gesonderten Verfahren in 15 Fällen des gewerbsmäßigen Betruges angeklagt ist.

Laut Ermittlungen der Staatsanwaltschaft soll der aus dem Raum Duderstadt stammende 63-jährige Drahtzieher Ende 2009 beschlossen haben, vorsätzlich Verkehrsunfälle zu organisieren. Rechtsanwälte sollten dann die Versicherungen zur Schadensregulierung veranlassen. Der 63-Jährige trat dabei nicht selbst in Erscheinung, sondern habe andere Personen als „Scheinhalter“ von Kraftfahrzeugen eingesetzt, die ihren Versicherungen die Schadensfälle gemeldet hätten.

Neben Autofahrern sollen auch Abschleppunternehmen und Werkstätten an dem Geschäftsmodell beteiligt gewesen sein. Im Zuge der Ermittlungen hatte die Polizei auch eine Rechtsanwaltskanzlei in Göttingen durchsucht.

Die Polizei war den Betrügereien nach einer Anzeige wegen des Verdachts der Geldwäsche auf die Spur gekommen. Als die Ermittler das Bankschließfach des 63-Jährigen durchsuchten, fanden sie zahlreiche Fahrzeugbriefe, Autoschlüssel und 200.000 Euro Bargeld.

Bei der Auswertung der Dokumente stellten sie fest, dass einige Fahrzeuge in Unfälle verwickelt waren. Auffällig war, dass es stets keine anderen Zeugen und keine Verletzten gab und die vermeintlich Geschädigten bereits kurz nach dem Unfall Rechtsanwälte und Gutachter beauftragten.

Versicherungen zahlten nach Unfall

Während der „Drahtzieher“ für die Inszenierung der Autounfälle noch nicht vor Gericht steht, aber angeklagt ist, haben die Prozesse gegen seine Zuarbeiter bereits begonnen.

In einem der laufenden Prozesse müssen sich ein 44-jähriger Mann aus Nordhausen und ein 48-jähriger Mann aus Duderstadt verantworten. Der 48-Jährige soll im April 2012 mit dem Wagen des 44-Jährigen in Göttingen einen geparkten Wagen gerammt haben, angeblich wegen eines Niesanfalls. Die Halterin des beschädigten Autos machte über einen Rechtsanwalt einen Haftpflichtschaden geltend, die Versicherung zahlte mehr als 17.000 Euro.

Der 48-jährige Angeklagte ist bereits einschlägig vorbestraft. So hatte er Mitte der 1990er Jahre mit einem Komplizen zweimal einen vollbeladenen Lastwagen vom Betriebshof einer Spedition entwendet und anschließend die aus neuwertigen Küchen-, Haushalts- und Elektrogeräten bestehende Ladung an zahlreiche Abnehmer im Eichsfeld verkauft.

Vor einer Woche hat ein weiterer Prozess um zwei mutmaßlich getürkte Verkehrsunfälle in Heiligenstadt und Göttingen begonnen. Bei beiden Unfällen zahlten die Versicherungen im Rahmen der Schadensregulierung jeweils rund 20.000 Euro. Zu den insgesamt vier Angeklagten gehören auch ein 44-jähriger Restaurantbetreiber aus Göttingen und einer seiner Angestellten.

Ein beteiligtes Auto soll einem 43-jährigen Handwerker gehört haben, der vor einigen Jahren in den Betrugs- und Korruptionsfall beim Duderstädter Orthopädietechnik-Unternehmen Otto Bock verwickelt gewesen war. Er hatte damals mit überhöhten und frei erfundenen Rechnungen unrechtmäßig mehr als eine Million Euro kassiert.

Ein weiterer Prozess gegen zwei weitere Angeklagte wegen eines mutmaßlich absichtlich herbeigeführten Unfalls in Göttingen ist aus Termingründen geplatzt, er soll im Sommer neu aufgerollt werden.

Rubriklistenbild: © Kopietz

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