Betrugsserie

Göttinger Amtsgericht verhängt Bewährungsstrafe für gefälschten Unfall

Göttingen. Vor dem Amtsgericht Göttingen ist jetzt ein weiterer Prozess um eine Betrugsserie mit gefälschten Verkehrsunfällen zu Ende gegangen.

Das Gericht verurteilte einen bereits mehrfach vorbestraften 48-jährigen Kaufmann aus Duderstadt wegen Betruges zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde.

Als Bewährungsauflage muss er 1800 Euro an die Stiftung Opferhilfe zahlen. Ein 44-jähriger Mann aus Nordhausen erhielt eine Geldstrafe von 150 Tagessätze zu je 20 Euro – insgesamt 3000 Euro. Das Gericht war aufgrund einer Vielzahl von Indizien überzeugt, dass der 48-Jährige im April 2012 mit dem Wagen des 44-Jährigen absichtlich in Göttingen einen geparkten Pkw gerammt hatte. Der 44-jährige Mitangeklagte habe gewusst, dass sein Auto für einen fungierten Unfall genutzt werden sollte. Das Gericht entsprach mit seinem Urteil im Wesentlichen dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger hatten dagegen auf Freispruch plädiert.

Der 48-Jährige hatte angegeben, dass er aufgrund eines Niesanfalls die Kontrolle über das Fahrzeug verloren und deshalb das geparkte Auto gerammt habe. Dies nahm ihm das Gericht vor allem aus einem Grund nicht ab: Das beschädigte Auto gehörte zum „Pool“ eines erheblich vorbestraften 63-Jährigen, der wegen Bandendiebstählen und Drogenhandels bereits mehrere Jahre in Haft gesessen hat und als Drahtzieher der Betrugsserie gilt. Der 63-Jährige ist in einem gesonderten Verfahren wegen 15 Fällen des gewerbsmäßigen Betruges angeklagt.

Hoher Schaden

Der gefälschte Unfall in Göttingen war nach Überzeugung der Ermittler nur einer von vielen mutmaßlich absichtlich herbeigeführten Unfällen. Ziel sei es gewesen, Kfz-Versicherungen zu betrügen. Diese seien um mehrere hunderttausend Euro geschädigt worden. Im aktuellen Fall ging es um einen Schaden von 22 000 Euro.

Die Angeklagten hatten bestritten, den 63-Jährigen näher zu kennen. Der Richter war allerdings überzeugt, dass sie zu dessen „Netz“ gehörten. Die Angeklagten seien allerdings nur „kleine Fische“, während der 63-Jährige „ganz oben“ angesiedelt sei.

Für den 48-Jährigen sei Betrug „nichts Unbekanntes“, sagte der Richter. Der Angeklagte hatte Mitte der 1990er Jahre mit einem Komplizen zweimal einen vollbeladenen Lkw vom Hof einer Spedition entwendet und anschließend die aus Küchen-, Haushalts- und Elektrogeräten bestehende Ladung an Abnehmer im Eichsfeld verkauft.

Kurz vor dem gefälschten Unfall hatte ihn das Amtsgericht Duderstadt wegen eines anderen Betruges zu einer 14-monatigen Freiheitsstrafe verurteilt.

Rubriklistenbild: © Kopietz

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