Gevensleben 200 Jahre älter als bisher angenommen

Göttinger Archäologen haben frühmittelalterlichen Friedhof bei Helmstedt freigelegt

Archäologischer Fund im Landkreis Helmstedt: Wissenschaftler der Universität Göttingen haben dort bislang 50 Gräber von Frauen, Männern und Kindern freigelegt. Foto: Heske/Uni Göttingen/nh

Göttingen/Helmstedt. Archäologen der Universität Göttingen haben im Landkreis Helmstedt die Überreste eines frühmittelalterlichen Friedhofs freigelegt.

Die Funde sprechen dafür, dass der Ort Gevensleben 200 Jahre älter ist als bislang bekannt. Die Knochen waren bei der Umgestaltung eines Grundstücks zu Tage gekommen, bislang konnten die Archäologen gut 50 Gräber aus der Zeit um 800 bis 1000 nach Christus freilegen. Die älteste bekannten Urkunde stammt aus dem Jahr 1018. Jetzt ist klar, dass der Ortschaft 200 Jahre älter ist.

Die Grabung erfolgt in Kooperation mit der Kreisarchäologie Helmstedt und dem Niedersächsischen Landesamt für Denkmalpflege, Stützpunkt Braunschweig.

150 bis 200 Gräber 

„Unsere Funde fügen sich sehr gut in das bekannte Bild des Frühmittelalters im Braunschweiger Land ein“, erläutert Dr. Immo Heske vom Seminar für Ur- und Frühgeschichte der Universität Göttingen. „Der Friedhof umfasste schätzungsweise ursprünglich 150 bis 200 Gräber, die charakteristisch auf einer Anhöhe in west-östlicher Richtung und wahrscheinlich in Familienarealen angelegt waren.“

Bei den bislang freigelegten Gräbern handelt es sich um überwiegend schlichte Erdbestattungen von Frauen, Männern und Kindern. Von den größtenteils gut erhaltenen Knochen erhoffen sich die Wissenschaftler zahlreiche Rückschlüsse auf Alter, Geschlecht, Gesundheit und medizinische Versorgung der damaligen Menschen.

Der Ursprung des Friedhofs um das Jahr 800 nach Christus herum liegt nach dem Ende der Sachsenkriege und damit in einer Zeit, die einen tiefgreifenden politischen und religiösen Wandel mit sich brachte. Das Christentum begann, sich durchzusetzen, und die Toten wurden nach christlich-fränkischer Sitte auf den neu angelegten Friedhöfen beigesetzt. Beigaben für die Toten gelangten jetzt nur noch vereinzelt mit ins Grab. Eine Besonderheit sind die Überreste der so genannten Schulzenstäbe, die vermutlich ein Würdezeichen für die Vorsteher der Dörfer gewesen sind.

„In dieser frühen Zeit hielten sich allerdings noch viele Elemente des alten heidnischen Glaubens“, so Dr. Heske. „Erst um 1000 nach Christus kam es im Braunschweiger Land mit der Gründung der Dorfkirchen und der Anlage der Friedhöfe in ihrem Schatten zu einer grundlegenden Durchsetzung des Christentums und damit zur Aufgabe der alten Reihengräberfriedhöfe.“

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