Coronakrise an den Unis

Göttinger Asta fordert 3000 Euro Soforthilfe und ein Solidarsemester

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Studierende der Georg-August-Universität in Göttingen gehen am an der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek vorbei.

Göttingen - Corona trifft Universitäten und Studierende gleichermaßen. In Göttingen und Niedersachsen gibt es Ideen, wie Studis und Unis durch die Krise kommen können.

Der Asta Göttingen fordert 3000 Euro Corona-Soforthilfe für Studierende von Bund und Ländern. „Viele der Studierenden sind geringfügig beschäftigt und fallen bei einem Jobverlust infolge der Krise durch die Raster des Sozialsystems“, so Hauke Bruns vom Göttinger Asta.

Der Bundestag hatte einen Nachtragehaushalt beschlossen. Das Hilfspaket gegen die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise sieht 156 Milliarden Euro Neuverschuldung vor. Studierende seien in den Plänen nicht bedacht, kritisiert der Asta Göttingen. „In Zeiten der Corona-Pandemie darf es nicht nur darum gehen, die Wirtschaft zu retten, sondern den Lebensunterhalt der Menschen zu gewährleisten. Wir machen uns für die Studierendenschaft, die besonders betroffen ist, stark“, so Asta-Mitglied Paul Rouven Kiel.

Die Arbeitsgemeinschaft Niedersächsische Studentenwerke (ARGE) fordert vom Land einen Nothilfefond. Jeder Studierende solle mit 385 Euro finanziell unterstützt werden. Der Asta Göttingen setzt sich für eine deutliche Erhöhung ein.

Der Grund: Die Summe von 385 Euro reiche maximal für notwendige Zahlungen wie die Miete. Die Hochschulorganisation fordert eine Soforthilfe von 3000 Euro für drei Monate, um „langfristig existenzielle Bedrohungen konsequent abzuwenden“, heißt es in einer Pressemitteilung. Zudem dürfe es für die Zahlungen keine vorherige Bedürftigkeitsprüfungen geben – denn jetzt zähle die Zeit. Die Ämter seien mit Anträgen ausgelastet.

Solidarsemester gegen den Leistungsdruck

Der Allgemeine Studierendenausschuss (AStA) der Uni Göttingen schließt sich bundesweiten Forderungen nach einem Solidarsemester an. Angesichts der Corona-Pandemie hat sich ein Bündnis großer Studierendenorganisationen gebildet, das zu einem Sommer der Solidarität an den deutschen Hochschulen aufruft. Lehrende und Studierende sollten gemeinsam die Herausforderungen der Krise angehen, strukturelle Entlastung solle gewährt und der Leistungsdruck ausgesetzt werden, meldet der AStA Göttingen.

Gefordert wird ein leichterer Zugang für mehr Studierende zum Bafög, eine Verlängerung der Förderhöchstdauer um ein Semester, Soforthilfen aus einem Bund-Länder-Fond für Studierende, die kein Bafög bekommen sowie ein Zugang zu Hartz IV für die Dauer der Krise. „Durch die aktuelle Krisensituation wird nochmals deutlich, in welch prekärer Lage sich viele Studierende befinden“, sagt Hauke Bruns vom AStA Göttingen. „Zwei Drittel aller Studierenden gehen einem Nebenjob nach, vielen von ihnen bricht jetzt ihre finanzielle Grundlage zusammen.“

HAWK: Markt der Möglichkeiten

Mit einem „Markt der Möglichkeiten“ wendet sich die Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst (HAWK) Hildesheim/Holzminden/Göttingen zum Semesterstart üblicherweise an alle, die gerade ins Studium starten oder dies für die kommenden Semester planen. Wegen der Corona-Pandemie wurde die Veranstaltung diesmal nicht nur auf den 16. April verschoben, sondern findet erstmals auch nur online statt. Anstelle von Infoständen auf dem Campus hat die HAWK-Studienberatung ein virtuelles Angebot entwickelt. In zwei Stunden sollen so die wichtigsten Anlaufstellen rund um das Studium zu erkunden sein.

Uni untersucht Sozialkontakte

Mit einer bundesweiten Studie will die Universität Hildesheim erforschen, wie sich das Coronavirus auf soziale Kontakte auswirkt. Ein Forschungsteam wolle die Bedeutung persönlicher Beziehungen in einer Zeit untersuchen, in der Menschen zu räumlicher Distanz zu anderen angehalten sind, teilte die Universität mit.

Dazu würden Studienteilnehmer im Alter ab 18 Jahre gesucht. Mit der Studie „Soziale Kontakte & Corona“ des Instituts für Sozial- und Organisationspädagogik wolle das Forschungsteam unter anderem herausfinden, wie die Menschen die momentane Situation einschätzen, hieß es. Auswirkungen auf das Sozialleben stünden ebenso im Fokus wie die Frage, mit welchen Personen Menschen über welche Kommunikationswege in Kontakt stünden.

Land will Forschung unterstützen

Weil Forschungsprojekte oft zeitlich befristet sind, stellen die Einschränkungen der Arbeit durch die Corona-Pandemie aktuell viele Wissenschaftler vor Probleme. Niedersachsens Wissenschaftsminister Björn Thümler will nun durch eine flexible Verlängerung von Projekten helfen, die Forschung an den Universitäten zu sichern. 

Die Einschnitte durch die Corona-Pandemie träfen auch die projektorientierte Forschung an den Universitäten hart, so Thümler. „Umso wichtiger ist es, dass die Forschung zügig wieder Fahrt aufnehmen kann, sobald die Beschränkungen gelockert werden.“ Niedersachsen setze deshalb auf möglichst unkomplizierte Änderungen von Projektanträgen. 

Die Laufzeit von Projekten, die wegen der aktuellen Beschränkungen nicht oder nur verlangsamt bearbeitet werden können, sollen auf Antrag per E-Mail verlängert werden. Projekte, die noch nicht begonnen haben, können durch einen Bescheid verschoben werden.

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