Gremium wird neu gewählt

Göttinger Beirat will Behinderte noch stärker unterstützen

Sitzt seit einem Unfall, den sie mit 23 Jahren erlitt, im Rollstuhl: Marie Habben, die Vorsitzende des Göttinger Beirats für Menschen mit Behinderungen.
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Sitzt seit einem Unfall, den sie mit 23 Jahren erlitt, im Rollstuhl: Marie Habben, die Vorsitzende des Göttinger Beirats für Menschen mit Behinderungen.

Jobs für Schwerbehinderte auf dem ersten Arbeitsmarkt, Kampf gegen kreuz und quer abgestellte Elektroroller sowie Hilfestellung bei persönlichen Anliegen: Viel zu tun hat Göttingens Beirat für Menschen mit Behinderungen.

Göttingen – „Am Sonntag, 14. November, wird er neu gewählt“, kündigt die Beiratsvorsitzende, Marie Habben, an.

„Die Barrieren in den Köpfern müssen fallen.“, fordert die Medizinstudentin. Viele Arbeitgeber stellten keine Schwerbehinderten ein – aus Furcht, dass diese nicht ausreichend Leistung brächten. Dabei zeigten Studien, dass sie im Gegenteil besonders motiviert seien „Wir wollen in der kommenden Wahlperiode im persönlichen Gespräch mit Personalverantwortlichen großer Göttinger Unternehmen für unser Anliegen werben“, kündigt die Vorsitzende an.

Das Leben schwer machen Behinderten die wachsende Zahl Elektroroller, die mitten auf dem Bürgersteig stehen oder liegen – eine Stolperfalle für Blinde und ein, zum Teil unüberwindbares Hindernis für Rollstuhlfahrer. Die lautlosen E-Fahrzeuge gefährden zudem Blinde, die sich im Straßenverkehr oft auch auf ihren Gehörsinn verlassen.

Mehr Achtsamkeit wünscht sich der Beirat von Autofahrern. Diese parken zum Teil abgesenkte Bordsteine zu. Rollstuhlfahrer, aber auch Sehbehinderte haben dann das Nachsehen. Mehr getan muss nach Einschätzung von Habben bei der Sicherung von Baustellen. Blinde würden sie oft erst spät bemerken.

„Ein Dauerbrenner“, so die Studentin, ist der noch immer nicht überall in Göttingen gegebene barrierefreie Zugang zu Gaststätten und Geschäften. Dabei lassen sich Stufen mittels Rampen leicht passierbar machen. Bei Lokalen finden sich die Toiletten oft – für Rollstuhlfahrer unerreichbar – im Keller. „Einzelhändler und Gastwirte bringen sich so um Einnahmen“, bedauert die Vorsitzende.

„Ziemlich mau“ findet Habben das Freizeitangebot für Menschen mit Behinderungen. Vereinzelt würden Sportvereine Hockergymnastik, Tanzschulen Rollstuhltanz anbieten. „Der Beirat kümmert sich auch persönlichen Anliegen“, betont die Vorsitzende. So sorgte das Gremium dafür, dass für einen Gehbehinderten eine Sitzbank zwischen einem Seniorenheim und dem Göttinger Kiessee aufgestellt wurde. In einem anderen Fall half es einem psychisch Kranken, der mit den Mietzahlungen in Verzug geraten war, eine Kündigung abzuwenden.

Präsenz zeigen die Beiratsmitglieder in den Ratsausschüssen, Habben etwa im Ausschuss für Personal, Gleichstellung und Inklusion oder Alain Pierre im Bau- und im Finanzausschuss. „Unsere Anregungen finden Berücksichtigung“, freut sch die Vorsitzende. Elf Mitglieder hat der Beirat. Derzeit sind jedoch nur noch sechs aktiv. „Einige sind weggezogen, andere beruflich stark eingespannt“, berichtet Habben. So bekam der Unternehmer Jonas Morgenroth eine Stelle als Projektleiter beim Duderstädter Healthcare-Unternehmen Ottobock und legte daher sein Mandat nieder. (Michael Caspar)

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