Sie hat noch immer nicht genug

Göttinger Blumenmarkt: Seit 60 Jahren bietet Brunhilde Kuska Pflanzen an

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Gärtnerin mit Leib und Seele: Brunhilde Kuska verkauft seit sechs Jahrzehnten Blumen auf dem Göttinger Blumenmarkt.

Göttingen. Brunhilde Kuska steht seit 60 Jahren auf dem Göttinger Blumenmarkt unweit des Gänseliesels und verkauft bei Wind und Wetter ihre Blumen. Sie hat noch lange nicht genug. 

„Es war ein Dienstag, da war ich mit meiner Chefin Frieda Kuska da, die später meine Schwiegermutter wurde.“ Brunhilde Kuska erinnert sich noch ganz genau an den 1. April 1958. Erster Ausbildungstag in der Gärtnerei – sofort ging’s mit 14 auf den Göttinger Blumenmarkt. Dass sie dort auch noch 60 Jahre später steht und Blumen verkauft, stört die 74-Jährige nicht. Im Gegenteil: „Das mache ich doch gerne. Ich habe hier doch liebe, treue Kunden.“

Und die lassen nicht lange auf sich warten. „Alles Gute zu deinem Jubiläum“, ruft ihr Stammkunde Erwin Meyer zu und schüttelt der Gärtnerin herzlich die Hand. Kurz zuvor ließ es sich der städtische Marktmeister Norbert Niedzwiecki auch nicht nehmen, Kuska mit einem Blumenstrauß zu gratulieren. „60 Jahre – bei Wind und Wetter – das ist schon eine Leistung“, meint ihr Mann Manfred, mit dem sie seit 52 Jahren verheiratet ist. Lange Jahre hat er die Gärtnerei geführt, bis Sohn Michael vor zehn Jahren das Geschäft übernahm.

Die Konkurrenz im Blumenverkauf ist gewachsen

Dass sie an diesem Dienstag der einzige Blumenstand am Markt sind, führt der 76-Jährige vor allem auf die größer gewordene Konkurrenz durch die Supermärkte zurück. „Das ist hier immer so. Nur an den Samstagen kommen zwei weitere Stände hinzu“, erklärt der Senior-Chef, während sein Blick in Richtung Gänseliesel schweift. Seine Frau winkt ab.

Mit der Konkurrenz möchte sie sich gar nicht erst beschäftigen. Zwei weitere Stammkunden kommen, die natürlich auch schon gehört haben, dass dieser Markttag für die Frau mit der bunten Mütze ein ganz besonderer ist.

Das Markttreiben hat sich verändert

„Irgendwie ist es jammerschade, dass das Ganze mit der Zeit verloren geht“, meint Kuska nach einem kurzen Plausch, „früher kannte hier jeder jeden. Heute gibt es immer mehr Anonymität.“ Das Markttreiben habe sich ohnehin verändert. Früher, als noch die Busse über den Marktplatz fahren durften, seien natürlich auch mehr Kunden gekommen.

Doch die Kuskas lassen sich nicht unterkriegen. In ihrem Betrieb in der Goßlerstraße wird noch immer selbst angebaut und auch den Stand auf dem Blumenmarkt möchte niemand in dem zehn Mann starken Familienbetrieb missen. „So lange ich fit bin, möchte ich das auch noch machen“, bekräftigt Brunhilde Kuska, als sich der Vormittag so langsam dem Ende zuneigt.

„Ich verbinde mit der Tätigkeit viele schöne Erinnerungen: Vor allem natürlich die an den Kontakt mit den Kunden.“ Sie stockt kurz – und fügt lächelnd hinzu: „Auch die Doktoranden, die aufs Gänseliesel klettern, werde ich wohl nicht vergessen.“

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