Langzeitprojekt der Deutschen Forschungsgemeinschaft

Göttinger Buchreihe über Andreas Rudolff Bodenstein: Der kaum beachtete Reformator

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Die Schlosskirche in Wittenberg: Karlstadt brachte vor 500 Jahren wie Luther Thesen an der Kirche an.

Göttingen/Wittenberg. Andreas Rudolff Bodenstein von Karlstadt brachte vor 500 Jahren wie Luther Thesen an der Schlosskirche in Wittenberg an. Jetzt erscheint in Göttingen eine Gesamtausgabe des kaum beachteten Reformators.

Karlstadt lebte von 1485 bis 1541: Im Unterschied zu Martin Luther wurde er aber nicht berühmt. Nun bekommt die Wissenschaft ein Grundlagenwerk über den Theologen: Das Forschungsprojekt „Karlstadt-Edition“ der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen hat die ersten zwei Bände einer Gesamtausgabe der Schriften und Briefe des Theologen, die die Zeit von 1507 bis 1518 beleuchten, herausgebracht.

Die Edition, die als Langzeitvorhaben von der Deutschen Forschungsgemeinschaft seit 2012 gefördert, unter dem Dach der Göttinger Akademie realisiert und von dem Kirchenhistoriker Prof. Thomas Kaufmann geleitet wird, stellt die wichtigste noch ausstehende Reformatoren-Edition dar, heißt es in einer Mitteilung der Göttinger Akademie.

Karlstadt nahm früher als jeder andere öffentlich für Martin Luther Partei, ging in seinen Reformationen aber deutlich weiter als dieser, so dass es zwischen den beiden zu einem tiefgreifenden Zerwürfnis kam. Der Konflikt gipfelte in Luthers Ausspruch, Karlstadt sei sein „höchster feynd der lere halben“.

Diesen Konflikt sieht Kaufmann als Ursache für die Nichtbeachtung des ebenfalls einflussreichen Reformators. „Die Edition soll den langen Schatten, der auf Karlstadt liegt, aufhellen“, sagt Kaufmann.

Dazu beitragen möchte auch der Karlstadt-Experte und Kirchenhistoriker Prof. Ulrich Bubenheimer, der die Editoren seit etwa drei Jahren unterstützt. Bei der Buchpräsentation vor 50 Experten aus dem In- und Ausland zeigte Bubenheimer am Beispiel von Karlstadts und Luthers Thesenanschlägen des Jahres 1517, welcher Forschungsgewinn erzielt werden kann, wenn man die Texte der beiden Theologen im Kontext liest.

Neuerscheinung: Kritische Gesamtausgabe der Schriften und Briefe Andreas Bodensteins von Karlstadt, Teil I (1507–1518), herausgegeben von Thomas Kaufmann, 1152 Seiten, Gütersloher Verlagshaus, ISBN 978-357905844-3, 224 Euro.

www.karlstadt-edition.org

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