Bundestagswahl 2021

Göttinger Demokratie-Aktivist entwickelt Wahl-O-Meter: Kandidaten-Suche via App

Marius Krüger, ein junger Mann mit Brille, hält ein Werbeplakat für seine Democracy-App in die Kamera.
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Will für mehr Transparenz bei der Wahlwerbung sorgen: Der Göttinger Marius Krüger mit einer Democracy-Ecke.

Mit der „Democracy App“ sollen Widersprüche zwischen Wahlversprechen und Abstimmungsverhalten aufgedeckt werden. Entwickelt wurde sie von einem Göttinger.

Göttingen – Widersprüche zwischen Wahlversprechen und dem tatsächlichen Abstimmungsverhalten von Fraktionen und Abgeordneten im Deutschen Bundestag deckt der Göttinger Demokratie-Aktivist Marius Krüger auf. Seine „Democracy App“ macht das möglich.

An den Taten, nicht an den Worten will der Gründer und Vorsitzende des politisch unabhängigen Vereins Democracy Deutschland Parlamentarier messen. Krüger weiß, dass es in der Politik oft um Kompromisse geht. Um ein Ziel zu erreichen, machen Parteien Abstriche. Manchmal stimmen sie aus taktischen Gründen sogar für das Gegenteil von dem, für das sie eigentlich eintreten.

So trug die SPD den Vorstoß der Linken, den Mindeslohn auf zwölf Euro zu erhöhen nicht mit, weil das den Fortbestand der Großen Koalition gefährdet hätte. Ein Widerspruch zwischen Gesagtem und Getanem bedeutet daher nicht zwangsläufig Wählertäuschung.

Göttinger Demokratie-Aktivist entwickelt Wahl-O-Meter: App hilft bei der Entscheidung

Dem versucht Krüger mit seinem Wahl-O-Meter, der Teil der App ist, Rechnung zu tragen. Für 22 Politikfelder, darunter etwa Energiewende, Digitalisierung, Corona oder Mobilität, hat er jeweils drei von insgesamt rund 4.500 Gesetzesabstimmungen der vergangenen Legislaturperiode ausgewählt.

App-Nutzer stimmen über sie ab. Der Wahl-O-Meter verrät ihnen dann, welche Partei mit ihnen am stärksten übereinstimmt. Je mehr Abstimmungen der Nutzer macht, um so differenzierter wird die Wahlhilfe.

Noch bessere Ergebnisse erhalten Bürger, die die Democracy App regelmäßig nutzen. Sie können bei allen Gesetzesabstimmungen des Bundestags ihr Votum abgeben. Zur Orientierungshilfe hat der Verein auch die diesjährigen Wahlprogramme der fünf im Parlament vertretenen Parteien kritisch gesichtet.

Göttinger entwickelt Wahl-App: Die Idee hatte Krüger während der vergangenen Bundestagswahl

Im eigenen Blog listet Democracy Deutschland die auffälligsten Widersprüche auf. Die Idee zur App hatte Krüger während der vergangenen Bundestagswahl. Er schrieb ein Konzept, warb Gelder ein und konnte die App – unterstützt von zwei Entwicklern – im Oktober 2018 erstmals zum Download anbieten.

250.000 Mal ist sie seither heruntergeladen worden. 584 Demokratiepaten unterstützen die Arbeit des Vereins mit monatlichen Spenden in Höhe von zusammen 6974 Euro. Mit dem Geld finanziert Democracy Deutschland derzeit sieben 450-Euro-Jobs. Einen davon hat Krüger. Hinzu kommen vier Ehrenamtliche.

20 000 Euro steckte der Verein im Vorfeld der Bundestagswahl in eine große Werbekampagne. In sozialen Netzwerken, aber auch auf der Straße macht er seither auf die App aufmerksam.

„Wir versehen in Großstädten wie Berlin, Hamburg und München, aber unter anderem auch in Frankfurt, Leipzig oder Göttingen an zentralen Plätzen Wahlplakate mit wieder entfernbaren Democracy-Ecken“, erzählt Krüger – Ecken, die sich scheinbar lösen und den Schriftzug „Finde die Taten hinter den Worten“ zusammen mit dem Hinweis auf den Wahl-O-Meter sichtbar machen. 30.000 neue Nutzer hat der Verein so bisher gewonnen.

Politisch gibt es aber noch mehr Neuigkeiten aus Göttingen. Der Wahlausschuss der Stadt hat in einer öffentlichen Sitzung entschieden, dass die abgegebenen Stimmen zur Oberbürgermeisterwahl vom 12. September 2021 neu ausgezählt werden sollen. Die Kommunalwahl Niedersachsen fand am 12. September 2021 statt. (Michael Caspar)

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