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Göttinger documenta-15-Projekte starten

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Von: Thomas Kopietz

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Kunstwerke aus Papier: Tüten mit humanitären und politischen Botschaften liefert Künstlerin Sofia Karim im Kunsthaus Göttingen, beim documenta 15 Projekt.
Kunstwerke aus Papier: Tüten mit humanitären und politischen Botschaften liefert Künstlerin Sofia Karim im Kunsthaus Göttingen, beim documenta 15 Projekt. © Thomas Kopietz

Göttingen ist erstmalig an der Weltkunstausstellung documenta beteiligt. Im neuen Uni-Museum Forum Wissen und im Kunsthaus finden Partnerprojekte statt.

Göttingen – Zwei Gebäude, die während ihrer jahrelangen Bau- oder Umbauzeit teils heftig in der Kritik standen, sorgen nun mit dafür, dass Göttingen erstmalig Projektstandtort der Weltkunstausstellung documenta ist. Die Ausgabe „fifteen“ hat Partnerprojekte im neuen Uni-Museum Forum Wissen und im Kunsthaus an der Düsteren Straße. Am Samstag (18.06.2022) werden beide Ausstellungen eröffnet.

Davon hat Gerhard Steidl (70) seit Jahrzehnten geträumt, auch wenn er das so offensiv nicht sagen würde: Göttingen als Kunstraum der großen Kasseler documenta. Nun ist es soweit. Anteil daran hat auch Steidl und sein nie ganz ruhendes Bemühen um ein herausragendes Galeriehaus. Die Stadt Göttingen hat ebenfalls massiv und finanziell dazu beigetragen, das beides – Kunsthaus – und documenta-Partnerschaft entstehen konnten.

Partnerprojekte der documenta 15 in Göttingen starten

Ein finanzieller Kraftakt für die Universität ist auch das Forum Wissen, das nun in einem 360-Quadratmeter-Ausstellungsraum im Erdgeschoss eine bemerkenswerte Sonderausstellung, die weit mehr hält, als der Titel verspricht: „Saujana Membumi – Nachhaltigkeit erkunden/Exploring Sustainability“. Wissenschaft, Kunst und Kultur treffen dort zusammen.

Göttinger Forstwissenschaftler aus dem Sonderforschungsbereich (SFB) 990 um den Bioklimatologen Prof. Alexander Knohl forschen seit 2012 in Indonesien. Sie untersuchen die Möglichkeiten nachhaltiger Nutzung von Ölpalm- und Kautschuck-Plantagen in der Provinz Jambi auf Sumatra, auch die Auswirkungen dieser Monokulturen auf die Ökosysteme und Atmosphäre. Sie beziehen sowohl negative Folgen wie Artensterben als auch positive wie Einkommen für die dort lebenden Menschen ein.

Mit eben diesen dort lebenden Menschen agieren Wissenschaftler und Künstler der indonesischen Gruppe „Rumah Budaya Sikukeluang“ sowie „ruangrupa“ (documenta 15) im Forum Wissen und dem Projekt zusammen – und das auf Augenhöhe, wie die Projektleiterin Forum Wissen und Leiterin der Zentralen Kustodie, Dr. Marie Luisa Allemeyer, sagt. „Wir lernen sehr viel voneinander“, sagt Knohl und meint die Künstler und in seinem Forschungsfeld in Indonesien lebenden Menschen.

documenta 15: Partnerprojekte im neuen Museum Forum Wissen und im Kunsthaus Göttingen

Die Künstler liefern zu spannenden Filmen und Objekten der Forscher den künstlerischen Rahmen, bauen aus Alltagsgegenständen, Werkzeuge und Müll per Upcycling großartige Instrumente, die auch zum Fruchtpflücken dienen könnten. „Wir fällen keine Bäume, das kennen wir nicht“, beschreibt Adhari Donara die Intention, das in Pflückwerkzeugen auszudrücken. Geschaffen hat die Ausstellung die Agentur „TheGreenEyl“ aus Berlin.

Stattfinden wird am Forum Wissen auch ein Rahmenprogramm mit Kinder-Uni, Open-Science-Day, Performance, Musik oder freien Angeboten im Hang-Out-Space vor dem Eingang. Was dort alles passieren wird, ist nicht sicher. Das ist es auch nicht im Kunsthaus, wo elf internationale Künstler zeitweise oder komplett während der 100 Tage ein Zuhause, einen eigenen Arbeitsraum finden.

Wie Thereus Chan aus Singapore, der mit seiner Ausrichtung dem Thema der documenta 15 entspricht: Was in seinem Atelier entstehen wird, weiß er „nicht so genau“. Einen exakten Plan hat er nicht. Aus Büchern und Buchdeckeln schafft er Installationen, an der Wand, auf dem Boden. „Die Besucher werden mir helfen“, sagt er schmunzelnd. In Göttingen fühlt er sich super-wohl: „Es gibt so gute Luft, gutes Wasser, viel Grün, mein Kopf ist frei.“

Partnerprojekt documenta 15: Papiertüten mit humanitären und politischen Botschaften

Weiter ist derweil schon Sofia Karim aus England. Sie hat Papiertüten kreiert – mit klaren humanitären und politischen Botschaften, gefangene Menschen frei zu lassen. An die Wand schreibt sie Namen. Maya Mercer ist schüchtern. Die Amerikanerin mit dem Wuschelkopf hat Fotografien aufgehängt, rot coloriert, Landschaften, Häuser und vor allem junge Frauen bildet sie ab – aus einem Kaff irgendwo im Nirgendwo des kalifornischen Hinterlandes.

Einst reiche Goldgräber-Stadt, heute Synonym für Perspektivlosigkeit. Maya taucht dort immer wieder ein. „Hängt auch nur mit den Jugendlichen ab“, die so Vertrauen zu ihr gewonnen haben. Zu den beklemmend-schönen Fotografien liefert Albert Ostermeier poetische Texte. Alles soll sich am Ende wiederfinden – in von Gerhard Steidl gemachten Büchern. (Thomas Kopietz)

documenta-Partnerprojekte in Göttingen

Forum Wissen (Berliner Str. 28) und Kunsthaus (Düstere Str. 7) liegen in Bahnhofsnähe. Eintritt frei. Kunsthaus Mi - So ab 11 Uhr; Forum-Wissen, Di - So von 10 – 18 Uhr. Umfangreiches Rahmenprogramm. Infos: kunsthaus-goettingen.de und forum-wissen.de

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