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Göttinger Edith-Stein-Kreis verleiht 2023 wieder Preis

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Von: Michael Caspar

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Wollen dem Göttinger Edith-Stein-Kreis neuen Schwung verleihen: (von links) Heinrich Detering, Elke Lahmann und Heiner J. Willen.
Wollen dem Göttinger Edith-Stein-Kreis neuen Schwung verleihen: (von links) Heinrich Detering, Elke Lahmann und Heiner J. Willen. © Michael Caspar

Der Göttinger Edith-Stein-Kreis startet durch. Im kommenden Jahr soll wieder der bekannte Preis verliehen werden.

Göttingen – Neu durchstarten will der Edith-Stein-Kreis in Göttingen, der kurz vor dem Aus gestanden hat. Literaturprofessor Heinrich Detering, der auch Diakon der katholischen Paulus-Gemeinde ist, gehört nun dem Vorstand an.

„Macht eine Weiterarbeit überhaupt noch Sinn“, fragte sich der dreiköpfige Vorstand 2019, als außer ihm niemand zur Jahreshauptversammlung erschienen war. „Dann kam die Pandemie und machte Aktivitäten weitgehend unmöglich“, erinnert sich der Vorsitzende des 40 Mitglieder starken Vereins, der ehemalige Akademiedirektor Heiner J. Willen. So konnte der mit 5000 Euro dotierte Preis, der seit 1995 alle zwei Jahre verliehen wird, 2021 nicht vergeben werden.

Nun ist es Willen und seiner Vorstandskollegin, der Lehrerin Elke Lahmann, gelungen, Detering für eine Mitarbeit zu gewinnen. Die Mitgliederversammlung, an der in diesem Jahr immerhin 14 Personen teilnahmen, wählte den Professor zum stellvertretenden Vorsitzenden. Willen, der sein Amt eigentlich aus Altersgründen abgeben wollte, bleibt nun weitere vier Jahre dabei.

„2023 soll der Preis erneut vergeben werden“, kündigt Schatzmeisterin Lahmann an. Die Internetseite des Kreises muss neu gestaltet werden. Ein Veranstaltungsprogramm ist in Arbeit. Eventuell wird die Heilige im kommenden Jahr in der Paulus-Gemeinde an sechs Sonntagen jeweils nach dem Gottesdienst Thema des dortigen Gesprächskreises sein.

„Stein, die von 1913 bis 1916 in Göttingen Philosophie studiert hat, ist keine leicht vermittelbare Heilige“, betont Professor Detering. Die gebürtige Breslauerin sei Zeit ihres Lebens eine Grenzgängerin gewesen. Die Kämpferin für Frauenrechte habe sich 1922 der katholischen Kirche angeschlossen, die Frauen bis heute alle Weiheämter verwehre. Begeistert von der Mystik der heiligen Teresa von Ávila sei die „extrem intelligente“ Doktorin 1933 Mitglied des von Ávila gegründeten Ordens der Unbeschuhten Karmeliterinnen geworden. Aufgrund ihrer jüdischen Herkunft, die sie nie verleugnet habe, empfänden sie einige Katholiken als „nicht katholisch genug“.

Auf jüdischer Seite tue man sich mit ihrer Konversion schwer. Steins Warnungen vor dem Dritten Reich, die sie früh in einem persönlichen Brief an den Papst geäußert habe, sei nicht durchgedrungen. Weder ihr Orden noch die Kirche habe sie 1942 vor der Ermordnung im Vernichtungslager Auschwitz schützen können.

Von Michael Caspar

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