Wunsch nach Normalität

Göttinger Einzelhandelskunden finden Maskenpflicht „sicher sinnvoll“, aber „total nervig“

+
Mit Abstand und Maske: An diese Bilder beim Einkaufen haben sich die Göttinger mittlerweile gewöhnt.

Göttingen – Vor zwei Wochen durften die meisten Geschäfte unter strikter Einhaltung der Hygiene- und Abstandsregelung wieder öffnen. Seit einer Woche muss beim Einkaufen nun auch noch eine Mund- und Nasenmaske getragen werden. In Göttingen kommt das nicht bei jedem gut an.

„Das mit der Maske ist total nervig“, sagt Hannelore Schmitz, nachdem sie gerade im gut besuchten, aber keineswegs überfüllten Kaufpark ihre Einkäufe erledigt hat. „Ich war in dieser Woche zweimal in Geschäften unterwegs und das war alles andere als angenehm“, sagt die 72-Jährige. Ihr Problem: Sobald sie einen Laden betritt, sorgt die nach oben aus der Maske austretende Atemluft dafür, dass ihre Brille beschlägt. „Da ich ohne Brille aber kaum noch etwas sehe, kann ich sie nicht einfach absetzen“, meint Schmitz.

Natürlich sei ihr klar, dass die Maßnahme „sicher sinnvoll“ sei und gerade ältere Menschen wie sie, die zur Risikogruppe zählen, schützen soll. „Trotzdem hoffe ich inständig, dass diese Vorschrift nicht von allzu langer Dauer sein wird“, so Schmitz.

Zutritt nur mit bedecktem Gesicht: Die Besucher des Kaufparks werden auf die Regeln hingewiesen.

„Ich freue mich, dass wir überhaupt wieder in anderen Geschäften als den Supermärkten bummeln und einkaufen können“, sagt Konrad Steinbauer. Auch wenn das Tragen einer Maske natürlich „ziemlich lästig“ sei, nehme er diese Maßnahme gerne in Kauf. „Schließlich wollen wir doch alle, dass sich das Virus nicht weiter verbreitet und wir so möglichst bald wieder zur Normalität übergehen können“, sagt Steinbauer.

„Die Menschen sind generell sehr einsichtig und 99 Prozent haben auch eine Schutzmaske dabei“, sagt der Security-Mitarbeiter eines großen Göttinger Innenstadt-Kaufhauses, der namentlich nicht erwähnt werden möchte. Zu Beginn der Tragepflicht vor einer Woche sei das noch ganz anders gewesen. „Da mussten wir immer wieder Kunden darauf hinweisen, ihre Maske aufzusetzen oder sie richtig über Mund und Nase zu tragen“, sagt er.

Dabei seien er und seine Kollegen hin und wieder auch auf Unverständnis gestoßen und hätten einige Betroffene sogar des Kaufhauses verweisen müssen. „Jetzt scheinen sich die Menschen aber auch an die Maskenpflicht gewöhnt zu haben, sodass so etwas jetzt kaum noch passiert“, so der Sicherheitsmann.

Abstand garantiert: Auch Absperrbänder und Bodenmarkierungen gehören mittlerweile zu einem gewohnten Anblick in Einkaufscentern.

Für den Leiter eines Supermarktes, der namentlich ebenfalls nicht erwähnt werden möchte, gehen die aktuellen Corona-Regelungen deutlich zu weit. „Ich habe es erlebt, dass gerade die älteren Menschen, die zur Risikogruppe zählen und für die das alles in erster Linie gemacht wird, sich am striktesten gegen die Sicherheitsmaßnahmen verwehren“, sagt er. Dass jetzt alle anderen „dafür büßen“ müssten, halte er für einen Skandal. „Ich denke, dass die jetzt getroffenen Lockerungen noch nicht weit genug gehen“, meint er vor allem mit Blick auf die Gastronomie. „Dabei baue ich dabei, dass die Menschen aus den Erfahrungen der vergangenen Wochen gelernt haben und von sich aus alles dafür tun werden, dass es nicht zu einer zweiten Infektionswelle kommt.“

„Es ist schon ein ziemlich beängstigender Anblick, wenn man hier durch die Stadt läuft und so viele Menschen auch außerhalb der Geschäfte eine Maske vor dem Gesicht tragen“, findet Sigrun Volkers. Wie viele sehnt sich die Studentin danach, „endlich wieder einmal ganz normal durch die Fußgängerzone zu bummeln, und nicht permanent an Corona erinnert zu werden“. Darauf wird man wohl noch eine Weile warten müssen.

Von Per Schröter

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.