Zuspruch für deutsch-iranischen 26-Jährigen

Göttinger landete Twitter-Hit mit Tweet gegen rechte Hetze

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Hat mit seinem Tweet bei dem Kurznachrichtendienst Twitter für Aufsehen in den sozialen Netzwerken gesorgt: der gebürtige Göttinger Ssaman Mardi.

Göttingen/Regensburg. Der gebürtige Göttinger Ssaman Mardi hat mit einem Tweet beim Kurznachrichtendienst Twitter kürzlich für Furore gesorgt.

„Seit #Silvester haben mich schon drei Leute dazu aufgefordert in meine #Heimat zurückzukehren. Was soll ich denn bitte in #Göttingen?“ - diese Worte schrieb Mardi am 11. Januar, wenige Tage nach den Übergriffen auf zahlreiche Frauen am Kölner Hauptbahnhof. Der 26-Jährige bekommt seitdem in den sozialen Netzwerken Twitter und Facebook viel Zuspruch. „Nach den Übergriffen wurde ich mehrfach von Leuten dumm angemacht. Mit dem Tweet wollte mir den Groll von der Seele schreiben, statt ihn in mich hineinzufressen“, erklärt Mardi, dessen Vater aus dem Iran und seine Mutter aus Deutschland stammt.

Dass seine Geburtststadt Göttingen bei dem Tweet nicht gut wegkomme, ist laut Mardi nicht so gemeint gewesen: „Ich habe nichts gegen Göttingen. Mein Vater und meine Schwester wohnen noch dort, deshalb bin ich ab und zu in der Stadt. Viele Twitterer haben mir angeboten, mir die Stadt zu zeigen. Das werde ich bei der nächsten Gelegenheit gerne annehmen.“

Göttingen ist Mardis Heimatstadt, dort ist er geboren und in den Kindergarten gegangen: „Ich war als kleines Kind mit meinen Eltern oft an der Uni und kann mich an zahlreiche Mensa-Besuche erinnern.“ Als er fünf Jahre alt war, zog Mardi mit seiner Mutter nach Landshut in Bayern. „Anfangs habe ich unsere Nachbarn wegen des Dialektes nicht verstanden“, erinnert sich der 26-Jährige, der seit 2009 Informationswissenschaft in Regensburg studiert.

Von den zahlreichen Reaktionen auf seinen Tweet sei er überrascht gewesen. „Es gab zwar auch Hasskommentare, aber 95 Prozent der Rückmeldungen waren positiv“, freut sich der Regensburger. Erfahrungen mit Fremdenhass hat Mardi bereits mehrfach gemacht, zum Glück bisher nur verbal. „Doch seit Silvester hat das zugenommen“, erzählt er. Auf der Straße und in Internetforen wird er verbal angegriffen. „Früher wurde nur hinter vorgehaltener Hand gegen Ausländer gehetzt. Doch seit Pegida und der AfD ist das anders“, sagt Mardi. Für die Zukunft wünscht er sich eine offene und tolerante Gesellschaft.

Ssaman Mardi bei Twitter.

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