Göttinger Ernährungsberaterin gibt Tipps zum Umgang mit Essstörungen

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Keine Lust zu essen: Viele Menschen, die unter einer Essstörung leiden, hungern so lange, bis sie völlig abgemagert sind.

Göttingen. Viele erkranken bereits mit zwölf Jahren, sie hungern, erbrechen sich oder treiben übermäßig Sport: Die Ausprägungen einer Essstörung sind vielfältig.

Wie Freunde und Familien die Krankheit erkennen und wie sie helfen können, erklärt Ernährungsberaterin Silke Kröger.

Anzeichen 

Obwohl Essstörungen überwiegend bei Mädchen vorkämen, gebe es immer mehr Männer, die auf ihren Körper fixiert seien und in eine Essstörung rutschen, sagt Kröger. „Das Leben der Menschen dreht sich nur noch um Ernährung.“

Gewichtsverlust in einer kurzen Zeit sei ein Anzeichen für eine Essstörung. Ständiges Wiegen, extreme Veränderungen im Essverhalten, übermäßiger Sport, aber auch Ausreden, die dazu führen, dass Betroffene sich von Freunden abkapseln, gehörten dazu, sagt Kröger. „Eine Essstörung kann ein schleichender Prozess sein. Manche halten das über ein bis zwei Jahre durch.“

Schwerer als eine Magersucht sei eine Bulimie (Ess-Brech-Sucht) zu erkennen, erklärt Kröger. Betroffene würden nicht direkt abnehmen. „Nach außen sind das Menschen, die gesund aussehen.“

Auslöser 

Auslöser für eine Essstörung sei inzwischen auch der Fitness-Kult, sagt Kröger. „Der Körper muss optimiert werden.“ Oft seien auch Menschen mit einem geringen Selbstwertgefühl betroffen. Krisen, neue Lebensabschnitte, Leistungsdruck und Überforderung könnten aber ebenso in eine Essstörung führen, erklärt die Ernährungsberaterin. „Das sind keine Menschen, die ihr Leben mögen.“

Hilfe 

Haben Familie und Freunde den Verdacht, dass eine Essstörung bestehen könnte, sei es immer wichtig, das Problem feinfühlig anzusprechen. Gespräche könnten mit der Frage „Geht es dir gut, du siehst in letzter Zeit so blass aus“ eingeleitet werden. Denn viele Betroffene schämen sich für ihr Problem. „Man sollte Hilfe anbieten, gemeinsam zu Beratungsstellen oder zum Arzt gehen“, sagt Kröger.

Folgen 

Bei einer Ernährungstherapie lernen Menschen mit Essstörung dann vor allem wieder richtig zu essen. Bezeichnet werde die Therapie auch als strukturiertes Esstraining. Die Betreuung durch einen Psychotherapeuten sei aber wichtig, sagt Kröger. Denn Folgen von Essstörungen könnten auch Depressionen sein. „Die kann ich aber nicht behandeln.“

Ratgeber 

Im Buch "Essstörungen. Gemeinsam wieder entspannt essen" geben Silke Kröger und Psychologe Günter Reich Tipps für den Umgang mit Essstörungen. Gedacht ist es vor allem für Betroffene nach dem Klinikaufenthalt. Aber auch für Eltern sei der Ratgeber eine Hilfe. Zusätzlich enthält das Buch Rezeptideen für gesunde und ausgewogene Mahlzeiten. Erschienen ist das Buch im Trias-Verlag und kostet 19,99 Euro.

Zur Person 

Silke Kröger stammt aus der Nähe von Hamburg. Seit 1999 lebt sie in Göttingen, seit 15 Jahren ist sie als Ernährungsberaterin in Göttingen tätig. Bei ihrer Arbeit kümmert sie sich sowohl um Kinder als auch um Erwachsene.

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