Göttinger Ex-Großmarkt wird Unterkunft für 400 Flüchtlinge: Kritik an Projekt

Protest gegen „Massenunterkunft“: Aktivisten starteten vor dem neuen Flüchtlingswohnheim eine Aktion. Foto: Schlegel

Göttingen. Ein ehemaliger Großmarkt am Anna-Vandenhoeck-Ring in Göttingen wird ab kommender Woche zur Flüchtlingsunterkunft. Gegen die „Massenunterkunft“ regt sich Widerstand.

Vorstellung des Projekts

Am Dienstag wurde die Unterkunft, die Platz für mehr als 400 Geflüchtete bietet, den Mitgliedern des Sozialausschusses der Stadt vorgestellt. Flüchtlings-Aktivisten protestierten gegen diese Art von Sammelunterkunft und verteilten rote Farbe im Eingangsbereich zu dem Gelände.

Keine genauen Zahlen

Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler verteidigte die neue Flüchtlingsunterkunft. Er bedauerte, dass man ehrenamtliche Helfer nicht rechtzeitig informiert habe. Gleichzeitig machte er deutlich, dass alle Flüchtlingsunterkünfte in der Stadt bestehen bleiben, da noch nicht klar sei, wie sich die Zahlen entwickeln.

Helfer sind sauer

Unter ehrenamtlichen in der Flüchtlingsarbeit hat die neue Großunterkunft für Verstimmung gesorgt, sie sind zum Teil sauer, vor allem Helfer, die sich in Weende – wie in der Unterkunft Große Breite – engagieren. Dort und in Weende sei die Integration einiger Flüchtlinge weit fortgeschritten. Sauer sind auch Sozialarbeiterinnen, weil die Informationen so knapp, erst am Montag, kamen: Die Stadtverwaltung zieht sich aus der Kritik, weil sie den Träger der ambulanten Betreuung in Weende benachrichtigt habe, in der „Erwartung, dass die Information vor Ort an die Ehrenamtlichen weitergegeben wird“, sagt Stadt-Sprecher Detlef Johannson.

Politische Abstimmung

Es sei bedauerlich, dass die Information so spät, „aber immerhin zwei Wochen vor Umzug“ erfolgte. Termin sei Montag, 23. Mai. Im Übrigen seien alle Entscheidungen politisch abgestimmt worden, sagte Johannson auf Anfrage. Alle Beschlüsse seien mitgetragen worden.

Fünf Jahre Mietdauer

Unterbringung: Die Flüchtlinge wohnen in abgeschlossenen Bereichen, die oben offen sind. Fotos: Schlegel

Die neue Unterkunft in dem Ex-Großmarkt ist für fünf Jahre bis Ende Januar 2021 angemietet. Die Unterbringung erfolgt für maximal drei bis acht Monate in abgeschlossenen und nach oben offenen Bereichen mit jeweils acht bis bis Personen – in der Regel in Doppelstockbetten. In dreieinhalb Monaten der Umbau, der 2,5 Millionen Euro kostet, geplant und realisiert.

Marktplatz

Neben dem Wohnbereich gibt es einen Marktplatz mit Aufenthaltsmöglichkeiten, Fernsehraum, Fitnessangeboten und Unterrichtsräumen für Kurse sowie drahtlosem Internetzugang. Für die Verpflegung der Bewohner wird vor Ort von der Firma Goldkorn gekocht. Im Sanitärbereich gibt es 40 Duschen. Außerdem stehen ab kommender Woche 35 Waschmaschinen und 17 Trockner bereit.

Außenbereich

Voraussichtlich noch bis Ende Mai im Bau ist der Außenbereich mit Kinderspielplatz, Fußballfeld, Volleyballfeld, Basketballkörben, überdachten Sitzgelegenheiten und einem Grillplatz.

Stadtbus-Anbindung

Köhler betonte, dass die Unterkunft gut über den Stadtbus an die Innenstadt angebunden sei. Gleich zwei Haltestellen seien in unmittelbarer Nähe zu finden. So könne man auch leicht nach Weende gelangen, wo Flüchtlinge schon soziale Kontakte aufgebaut haben, sagt Johannson.

DRK ist Betreiber

Betreiber der neuen Unterkunft ist das Deutsche Rote Kreuz. Außerdem ist ein Sicherheitsdienst vor Ort. 20 Beschäftigte werden dort arbeiten. Frank Beckmann vom DRK lobte die Einrichtung und ihre vorbildliche Ausstattung.

Unterkunft für Frauen

Im ersten Schritt werden etwa 30 Personen aus dem Hagenweg sowie 27 aus der Großen Breite dort einziehen. Nach einer Grundreinigung im Hagenweg wird dort eine Unterkunft für Flüchtlingsfrauen und ihre Kinder entstehen.

Schädlingsbekämpfung

In der Flüchtlingsunterkunft an der Großen Breite haben sich nach Angaben von Köhler Kakerlaken ausgebreitet, die in einem mehrstufigen Verfahren, das bis in den Juli dauert, bekämpft werden müsen. Außerdem sollen weitere Unterkünfte auf Schädlingsbefall untersucht werden.

Göttinger Ex-Großmarkt wird Unterkunft für 400 Flüchtlinge

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