Maskenpflicht

Göttinger Pandemieforscherin warnt vor hoher Ansteckungsgefahr ohne Maske

Der Göttinger Forscherin Viola Priesemann zufolge kann eine Maske eine Menge Corona-Infektionen bereits verhindern.
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Der Göttinger Forscherin Viola Priesemann zufolge kann eine Maske eine Menge Corona-Infektionen bereits verhindern.

Laut einer Virologin aus Göttingen kann die Maskenpflicht eine große Anzahl an Corona-Infektionen verhindern. Daher fordert sie, dass diese ausgeweitet wird.

Göttingen – Aus Sicht der renommierten Göttinger Pandemieforscherin Dr. Viola Priesemann muss eine weitreichende Maskenpflicht her – sowohl in öffentlichen Räumen, am Arbeitsplatz als auch an Schulen.

Eine aktuelle Studie an ihrem Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation (MPIDS) in Göttingen zeige, wie gut entsprechende Mund-Nase-Bedeckungen helfen würden, die Verbreitung des SARS-Cov-2-Virus einzudämmen.

Corona-Forscherin aus Göttingen fordert strikte Maskenpflicht in Innenräumen

Noch weiter geht diesbezüglich ihr Kollege am MPIDS, Prof. Dr. Eberhard Bodenschatz, der zu der Aerosolverteilung und Belastung – auch in Klassenräumen und Konzertsälen – forscht. „Wenn ich ein paar Minuten lang den verwirbelten Atem einer mit Delta infizierten Person einatme, die keine Maske trägt, und ich trage keine, ist die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich anstecke, sehr hoch.“

Dabei spiele es keine Rolle, ob man sich im Freien oder in geschlossenen Räumen aufhalte, sagt Bodenschatz. „Jeder muss für sich selbst entscheiden, welchem Risiko er sich aussetzen will. Mit Masken ist das Risiko einer Ansteckung sehr gering.“ Bodenschatz hat dazu weitere Forschungen angestellt. In Kürze wird er ein Paper dazu veröffentlichen. Bodenschatz widerspricht damit auch Kollegen in Deutschland, die Besuche und Treffen mit Menschen im Freien ohne Maske für unbedenklich halten:

Minimierte Corona-Infektionen: Forscherin aus Göttingen über Nutzen der dritten Impfung

Kürzlich hatte Viola Priesemann in einem Papier einer von ihr mitinitiierten Corona-Expertenrunde zügige Auffrischungsimpfungen gegen SARS-Cov-2 gefordert. Tenor: Diese könnten die Zahl der Ansteckungen und Übertragungen bei diesen „geboosterten“ Personen noch einmal auf ein Zehntel reduzieren.

Dass sich zu viele Menschen gar nicht impfen lassen wollen, könnte aus epidemiologischer Sicht durch eine dritte Impfung für 50 Prozent der Menschen, die bereits doppelt gegen das Coronavirus Sars-CoV-2 geimpft sind, teilweise wettgemacht werden, so die Wissenschaftler um Priesemann, die auch betonen: Die Boosterimpfung frischt zum einen den Schutz der doppelten Impfung auf, die bereits nach etwa fünf Monaten nachlässt und auch die Übertragung des Virus nicht mehr so wirksam verhindert wie anfangs. Eine dritte Impfung verstärkt den Impfschutz zum anderen noch zusätzlich.

Allerdings müsste die Kampagne der Drittimpfungen schneller vonstattengehen als die der Erst- und Zweitimpfungen, bei der in diesem Sommer pro Tag maximal ein Prozent der Bevölkerung geimpft wurde. Geschieht das nun schneller, dann könne „der erhöhte Schutz der dreifach Geimpften den rasanten Anstieg der Neuinfektionen rasch bremsen und damit die Belastung von Intensivstationen durch Covid-19-Erkrankte bald reduzieren“.

Omikron: Göttinger Forscherin besorgt über neue Corona-Variante

Wie das Autorenteam schreibt, könnte jetzt eine Booster-Impfung nicht nur die Ausbreitung des Coronavirus bremsen, sondern auch den Anteil der Personen, die bei einem Impfdurchbruch intensivmedizinisch behandelt werden müssen, im Vergleich zu den Menschen mit doppelter Impfung auf etwa ein Zehntel reduzieren – und zwar in allen Altersgruppen.

Ob eine generelle Impfpflicht für alle die erwartete Wirkung entfalten würde, halten die Autoren dagegen nicht für garantiert. Für eine deutliche Wirkung müsste diese flächendeckend durchgesetzt und eine Missachtung mit empfindlichen Strafen geahndet werden müsse. Andernfalls bestehe die Gefahr, dass eine generelle Impfpflicht zögerliche Menschen eher abschrecke und zudem überzeugte Impfgegner nicht erreiche – weil diese dann lieber die Strafe bezahlten als sich impfen zu lassen.

Viola Priesemann äußerte sich jetzt in einem Interview mit der Rheinischen Post auch besorgt angesichts der neuen Corona-Variante, die erstmals in Südafrika aufgetaucht ist. Die Südafrika-Variante Omikron habe sich um ein Vielfaches schneller ausgebreitet als die Delta-Variante. „Wir wissen bisher nicht, ob sie vermehrt zu schweren Verläufen führt oder vielleicht mildere Verläufe verursacht.“ Zum Glück sei die Variante mittels des PCR-Tests einfach nachzuweisen, sagte Priesemann. (Thomas Kopietz)

Die Virologin Dr. Viola Priesemann aus Göttingen wurde erst vor Kurzem mit einem Wissenschaftspreis ausgezeichnet.

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