Giftinformationszentrum-Nord

Göttinger-Experten: Rheuma-Präparat MTX führte öfter zu Vergiftungen

Stark nachgefragter Service: Auf dem Gelände der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) ist das Giftinformationszentrum-Nord untergebracht. Das GIZ verzeichnet steigende Anruferzahlen und hilft konkret bei Vergiftungsverdacht. Foto: Kopietz

Göttingen. Das Gift-Informationszentrum-Nord hilft bei Vergiftungen. 2016 fielen den Experten auch häufige Fälle mit dem Präparat Methotrexat (MTX) auf.

Das auch in der Krebs-, MS- und Rheuma-Therapie oft eingesetzte Medikament Methotrexat (MTX) hat 2016 verstärkt zu Vergiftungen geführt, wie das in Göttingen ansässige Gift-Informationszentrum (GIZ) Nord in seiner Jahresstatistik aufführt.

Besorgt betrachten die GIZ-Experten die zunehmende Zahl von Vergiftungen mit MTX. Man habe deshalb die Arzneimittelüberwachungskommission eingeschaltet.

Rheumatiker nehmen meistens eine Methotrexat-Tablette pro Woche, manchmal aufgrund von Unachtsamkeit auch mehr als eine. Bei erhöhter Dosis kann es zu Vergiftungen mit drastischen Folgen kommen: Das Knochenmark kann sich verändern, ebenso das Immunsystem.

Leiter GIZ-Nord in Göttingen: Dr. Martin Ebbecke. 2 Fotos: umg/nh

In solchen gravierenden Fällen vermitteln die GIZ-Experten die Anrufer sofort an behandelnde Ärzte weiter. Generell beantworten sie Fragen aus Medizin, Pharmazie und Chemie, zu akuten Vergiftungen und Drogennotfällen sowie zu gefährlichen Inhaltsstoffen von Produkten. Außerdem helfen sie bei Fragen zu Medikamenten in der Schwangerschaft und Stillzeit sowie zu Wechsel- und Nebenwirkungen von Arzneimitteln.

Für viele Menschen sind die 36 GIZ-Mitarbeiter folglich lebenswichtige, ja sogar lebensrettende Helfer. 2016 erhielten sie im Schnitt etwa 105 Anrufe und Nachfragen zu Vergiftungen pro Tag: 38.623 waren es insgesamt. Darunter waren 35.590 tatsächliche oder vermutete Vergiftungsfälle. Etwa 12.300 mal davon waren Kinder im Alter von ein bis vier Jahren betroffen.

59 Prozent aller Nachfragen an das GIZ-Nord, das in Container-Büros auf dem Gelände der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) untergebracht ist, kamen von Privatpersonen, 41 Prozent von Medizinern oder medizinischem Fachpersonal, so die UMG.

„Die Resonanz belegt, wie gut das GIZ in der Bevölkerung und bei Ärzten bekannt und akzeptiert ist“, sagen die Leiter Dr. Martin Ebbecke und Prof. Dr. Andreas Schaper unisono.

24 Stunden pro Tag steht das Team zur Verfügung. Angebunden sind im Notdienst auch zwei weitere Giftinformationszentren. Die Göttinger arbeiten mit Kollegen in Freiburg (Baden-Württemberg) und Erfurt (Thüringen) zusammen. Die eingehenden nächtlichen Anfragen werden jeweils in einem der Zentren gebündelt, von den anderen per Rufumleitung weitergeleitet. Ein Gift-Experte übernimmt dann den Nachtdienst.

Hintergrund

In Deutschland gibt es acht Gift-Informationszentren. Das GIZ-Nord ist zuständig für etwa 13 Millionen Menschen in Niedersachsen, Hamburg, Bremen, und Schleswig-Holstein. Beteiligt ist das GIZ-Nord auch an wissenschaftlichen Studien und informiert auf Tagungen, in Kliniken und Kommissionen. Das GIZ-Nord ist seit 2005 mit dem Klinisch-Toxikologischen Labor zum Pharmakologisch-Toxikologischen Servicezentrum (PTS, www.pt-servicezentrum.de) der UMG zusammengefasst. (tko)

• Gift-Informationszentrum-Nord (GiZ-Nord); Robert-Koch-Straße 40, 37075 Göttingen, Tel. 0551/19240; Internet: www.giz-nord.de; E-Mail: giznord@giznord.de

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