Urintest könnte helfen

Göttinger Expertenteam: Entzündete Nieren als frühes Warnzeichen für Covid-19

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Prof. Simone Scheithauer, Dir ektorin UMG-Institut für Krankenhaushygiene und Infektiologie.

Göttingen – Ein einfacher Urintest soll dem ärztlichen Fachpersonal helfen, früh Warnzeichen für einen bevorstehenden schweren Verlauf der COVID-19-Erkrankung zu erkennen.

Die Ergebnisse könnten eine Nierenentzündung belegen, die ein Indikator für eine spätere schwere COVID-19-Erkrankung sein könnte. Das hat ein Expertenteam der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) herausgefunden und daraus einen Handlungspfad entwickelt.

Todesfälle verhindern

Anhand weniger Parameter kann so, noch Tage bevor Lunge und andere Organe schwer versagen, mit der Behandlung drohender Komplikationen begonnen werden, teilen die UMG-Wissenschaftler mit. Damit ließen sich bei vielen Erkrankten lebensbedrohliche Verschlechterungen und Todesfälle verhindern.

Schnellere Prognose

„Wenn sich die Befunde des Ärzteteams der UMG bestätigen, hätte dies einen nachhaltigen Effekt. So könnte künftig im Vorfeld die Notwendigkeit einer kommenden Behandlung auf Intensivstation vorhergesagt werden“, sagt die Senior-Autorin der Publikation, Prof. Dr. Simone Scheithauer, Direktorin des Instituts für Krankenhaushygiene und Infektiologie der UMG. „Zudem könnten Patienten früher und zutreffender für spezielle Therapien zugeordnet werden – auch bei Medikamentenstudien. Durch das frühe Erkennen des Capillary-leak-Syndroms könnten symptomatische präventive Therapien eingeleitet werden und vielleicht sogar lebensbedrohliche Verläufe verhindert werden“, sagt Scheithauer.

Prof. Oliver Gross, Oberarzt Klinik für Nephrologie und Rheumatologie der UMG.

Nieren früh geschädigt

Bei der stationären Behandlung von COVID-19 Infektionen war den UMG-Experten aufgefallen, dass gerade bei den Schwerstkranken – neben Lunge und Herz – schon früh die Nieren mit betroffen sind. Daraufhin hatten die Ärzte begonnen, ihre Befunde mit Experten aus dem Uni-Klinikum Hamburg-Eppendorf und anderen deutschen Uni-Kliniken zu evaluieren und zu diskutieren, sowie sich zudem mit Fachleuten aus Italien, China, England und den USA ausgetauscht.

Gewebeuntersuchung

Gewebeuntersuchungen an Verstorbenen unterstützen die Vermutung, dass aufgrund der Dramatik der Erkrankung der anderen Organe die frühe Nierenbeteiligung bisher vernachlässigt wurde.

Drei wichtige Werte

Die drei Parameter – Albumin im Blut, Albumin im Urin und Antithrombin III – dienen mit dem Urinbefund dazu, das „Capillary leak Syndrom“ zu diagnostizieren, einen lebensbedrohlichen Verlust von Blutbestandteilen und Eiweiß aus dem Blut in das (Lungen-)Gewebe durch ein vom Virus ausgelöstes generelles Leck der kleinen Blutgefäße. Anhand der drei Parameter erfolgt die Risikoeinstufung der Patienten.

„Ist auch nur einer von drei Parametern schwer verändert, besteht ein hohes Risiko, dass sich die Erkrankten auf Normalstation zeitnah verschlechtern, auf die Intensivstation verlegt werden müssen oder sich der Verlauf auf Intensivstation noch verschlechtert“, erläutert der Erst-Autor der Publikation, Prof. Dr. Oliver Gross, Oberarzt in der Klinik für Nephrologie und Rheumatologie der UMG.  tko

Originalveröffentlichung: The Lancet, https://doi.org/10.1016/S0140-6736(20)31041-2

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