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Göttinger Fairtrade-Händler Contigo hilft Zulieferern in Übersee

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Von: Michael Caspar

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Contigo-Geschäftsführer Ralph Wüstefeld und Corinna Rehwald vom Förderverein Contigo im Lager des Fair-Handelsgeschäfts in Göttingen.
Unterstützen Lieferanten in Übersee: Contigo-Geschäftsführer Ralph Wüstefeld und Corinna Rehwald vom Förderverein Contigo im Lager des Fair-Handelsgeschäfts in Göttingen. © Michael Caspar

Krisenzeiten: Unternehmen kämpfen mit Sperren, Rohstoffmangel und Logistikkapazitäten. Hilfe kommt vom Fairtrade-Händler Contigo aus Göttingen.

Göttingen– Nach zwei schweren Coronajahren hofft der Göttinger Fairtrade-Händler Contigo mit seinen deutschlandweit 200 Mitarbeitenden neun Millionen Euro Umsatz zu erwirtschaften – das sind aber zehn bis 15 Prozent weniger als 2019. Gleichzeitig unterstützt das Unternehmen unter Problemen leidende Zulieferer in Übersee.

Mit Produktneuheiten will das Unternehmen punkten, kündigt Geschäftsführer Ralph Wüstefeld an. Contigo setzt auf detaillierte Informationen zu den Arbeitsbedingungen seiner Lieferanten, die besondere Atmosphäre in den 25 Ladengeschäften, in denen es nach frischgeröstetem Kaffee aus eigener Herstellung duftet.

Göttinger Händler unterstützt unter Problemen leidende Zulieferer

Einfach wird es nicht, weiß Wüstefeld. Die Transportkosten haben sich seit Pandemiebeginn vervielfacht. Er ist froh, wenn er überhaupt freie Kapazitäten findet. Das Zentrallager an der Wilhelm-Lambrecht-Straße 3 in Göttingen ist nur halb so voll wie vor dem Coronaausbruch. Hinzu kommt, dass der Krieg in der Ukraine und die Inflation die Contigo-Kundschaft verunsichern.

„Wir haben in den vergangenen zwei Jahren viele Rücklagen aufgelöst“, sagt der Geschäftsführer. Während der beiden Lockdowns waren die Läden geschlossen, insgesamt neun Monate lang. Die Mietkosten, monatlich knapp 200.000 Euro, liefen weiter.

Der deutlich gewachsene Umsatz des Onlineshops, derzeit zwei Millionen Euro im Jahr, konnte das nicht wett machen. Hart und lange musste das Unternehmen um die staatlichen Soforthilfen und Überbrückungsgelder kämpfen.

Fairtrade-Händler Contigo: Langer und harter Kampf um staatliche Soforthilfen

Ralph Wüstefeld will aber nicht allzu laut klagen. Er weiß, dass die Pandemie seinen Zulieferer in Afrika, Asien und Lateinamerika noch viel mehr zu schaffen macht.

In vielen Ländern liegt die Impfquote unter zehn Prozent. Kommt es zu Coronafällen im Betrieb, bleiben ganze Belegschaften zuhause. Die Regierungen vieler Staaten versuchen, die Situation vor allem mit Lockdowns im Griff zu behalten. Oft setzen Polizei und Militär Ausgangssperren mit Gewalt durch.

Weitere Herausforderungen: Den Lieferanten brechen massiv Aufträge weg. Zwei Jahre lang lag der Tourismus in ihren Ländern am Boden, womit eine wichtige Kundengruppe für die Kunsthandwerksartikel fortfiel. Wenn produziert werden kann, fehlen Rohstoffe oder Logistikkapazitäten für den Transport der Ware nach Europa.

„Wir haben ein großes Interesse daran, dass unsere Zulieferer durchhalten“, betont Wüstefeld. Oft beständen die Geschäftskontakte bereits viele Jahre. Die Beziehungen seien eingespielt. Um in Notfällen unbürokratisch zu helfen, hat der Contigo-Förderverein in den ersten beiden Coronajahren Spenden gesammelt, berichtet die Vorsitzende, Corinna Rehwald.

Händler sammelt Spenden, um Mitarbeitende in anderen Ländern während Pandemie zu unterstützen

Insgesamt 16.500 Euro hat der Verein ausgeschüttet. Mitarbeitende erhielten Geld, damit sie ihre Familien ernähren konnten. In den meisten Ländern gibt es keine Sozialleistungen wie in Deutschland.

Über Konferenzprogramme wie Zoom halten die Göttinger unterdessen den Kontakt nach Übersee. „Das klappt besser als innerhalb von Deutschland“, staunt Ralph Wüstefeld. (Michael Caspar)

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