Noch bis Sonntagabend

Fernweh Festival in Göttingen: Reiselustige leben ihre Sehnsüchte aus

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Fernwehfestival Göttingen 2018: Die Initiative "EinDollarBrille" zeigte eine wertvolle Hilfe für Menschen in armen Ländern - die Brille kann dort gefertigt werden und kostet in de Herstellung nur einen US-Dollar.

Göttingen. So voll ist das Zentrale Hörsaalgebäude an Wochenenden selten: Samstag und Sonntag kamen tausende Reiseinteressierte zu Vorträgen und Info-Ständen. 

Eine Handvoll Sonnenstunden im Dezember in Göttingen. Kurze Tage. Das ist eine Basis für den Erfolg des Göttinger Fernwehfestivals, das seit 15 Jahren immer im Januar im Zentralen Hörsaalgebäude (ZHG) der Uni.

Erschreckende Info: Jondalar Kuß von Greenpeace zeigt an einem Globus, wo Menschen weltweit flüchten mussten. 

Tausende Beuscher

Das Fernweh-Festival ist enorm beliebt: Rund 3500 Besucher werden an diesem Wochenende kommen, um ihrem grauen Alltag zu entfliehen und neue Inspirationen für Urlaubsreisen zu sammeln. Bei 15 Multivisionsshows wurden sie mitgenommen, auch nach Südafrika, Island, ins Baltikum, nach Südtirol, Neuseeland, Nepal und Spitzbergen. Ein Stargast Rüdiger Nehberg, Überlebens-Experte und Aktivist für Menschenrechte. „Wir hatten Rüdiger Nehberg zwar schon viermal in Göttingen, jedoch noch nie zum Fernwehfestival“, sagt Matthias Hanke, vom Veranstalter, dem Verein Lichtblicke. „Der jetzt 82-Jährige war sonst immer in Afrika oder Südamerika unterwegs. Seine Lagerfeuergeschichten sind spannend, skurril, aberwitzig, berührend, aufrüttelnd, authentisch und selbstironisch. Gäbe es die vielen Bilder davon nicht, manche wären einfach nicht zu glauben“, sagt Hanke.

Besucherin Petra Weidner aus Göttingen hat sich schon den Vortrag über Papua-Neuguinea angehört. „Die Shows bieten immer eine subjektive Sicht auf die Länder“, sagt sie. „Ich bin Fan von Rüdiger Nehberg und habe auch die meisten seiner Bücher gelesen.“ Heute möchte sie ihn zum ersten Mal live erleben. „Ich reise selber sehr gerne, allerdings nicht auf Nehbergs Art.“

Dschungelprüfung

Nur die Mehlwürmer und Heuschrecken hat Petra Weidner nicht probiert, „weil ich weiß, wie die schmecken.“ Beim Stand von Dr. Bob´s konnten die Besucher eine Dschungelprüfung ablegen. So gab es Heuschrecken in Kräuteröl und Knoblauch, Mehlwürmer an Meersalz und Limette, Insektenlutscher oder Wodka mit Mehlwurm.

Greenpeace und Flucht

Am Stand von Greenpeace zeigte ein großer Globus, wie viele Menschen aus diversen Ländern wo ihre Heimat verlassen mussten. „Die meisten Menschen müssen ihre Heimat nicht wegen Konflikten, sondern wegen Naturkatastrophen verlassen“, sagt Jondalar Kuß von Greenpeace Göttingen. So mussten 2016 allein in Indien über 2,4 Millionen Menschen wegen des Monsuns fliehen, über 1000 starben. „Unser Kernanliegen ist es, klarzumachen, dass der Klimawandel heute die Lebensgrundlagen bedroht. Die einzige Möglichkeit, Fluchtursachen zu bekämpfen, ist ein engagierter Klimaschutz“, sagt Jondalar Kuß.

Ein-Dollar-Brille

Gleich nebenan wurde gezeigt, wie einfach eine so genannte „EinDollarBrille“ hergestellt werden kann. „Mehr als 150 Millionen Menschen auf der Welt brauchen eine Brille, können sich aber keine leisten“, sagt Sibylle Oesterlin von der Initiative. Die Brille werde von den Menschen in Entwicklungsländern selbst hergestellt und verkauft, die Materialkosten belaufen sich auf nur einen US-Dollar.

Tolle Satellitenfotos

Der ehemalige Geograf Claudius Diemer aus Köln hat früher professionell Satellitenbilder ausgewertet. Das Hobby Fotografie brachte ihn in einen neuen Beruf: Er zieht sich Fotos der Weltraumorganisationen ESA und NASA, strickt dann aus vielen Einzelbildern fantastische Fotos von Ländern, Regionen und gar Erdteilen – in herausragender Qualität. Sie waren als Poster und gerahmte Drucke zum Messepreis zu kaufen.

Spende für Target

Matthias Hanke übergab eine Spende über 500 Euro an den Verein Target von Rüdiger Nehberg. Aufgabe des Vereins ist der Einsatz gegen die Beschneidung weiblicher Genitalien und die Unterstützung der Oiampi-Indianer im Amazonas-Regenwald.

Der Termin für das nächste Fernwehfestival steht bereits fest: Es sind der Samstag, 12. und Sonntag, 13. Januar 2019. 

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