Schneller ist keiner

Der Göttinger Forscher Claus Ropers erhält heute einen Leibnitz-Preis

+
Forschung am schnellsten Transmissions-Elektronenmikroskop der Welt: Als solches beschreibt es der Feststoffphysiker Claus Ropers von der Uni Göttingen. Für seine Forschungsarbeiten erhält er den Leibniz-Preis 2018.

Göttingen. Claus Ropers ist mit seine 40 Jahren ein hochdekorierter Forscher, gewann bereits einige Preise. Heute steht in Berlin der Höhepunkt in der Karriere an: Der Feststoffpyhsiker erhält einen Leibniz-Preis.

Der ist vergleichbar mit der deutschen Meisterschaft im Fußball. Der Vergleich zum Mannschaftssport drängt sich förmlich auf, denn Claus Ropers ist alles andere als ein Einzelsportler: Immer wieder verweist er darauf, dass dieser Preis „eine Auszeichnung für die Arbeit es gesamten Teams ist“. Der Kader, den er sich in Göttingen zusammenstellen durfte, ist 20 Personen stark –„so groß wie eine kleine Schulklasse“. Ähnlich jugendlich wie seine Mannschaft, die größtenteils seit neun Jahren zusammenarbeitet, wirkt auch Teamchef Ropers.

Deutlich aufstocken wird er sein Team trotz der 2,5 Millionen Euro Preisgeld nicht. „Aber ich kann nun Wünsche erfüllen, und davon haben meine Mitarbeiter einige für ihre Arbeit“, sagt der Ropers. Das Geld nimmt finanziellen Druck aus der Forschungsarbeit im Physikalischen Institut der Uni.

Am Nordcampus kooperiert das Ropers-Team mit anderen Instituten der Physik, der Chemie und den Max-Planck-Instituten am Fassberg. Uni-Präsidentin Ulrike Beisiegel nennt das den Göttingen-Spirit am Göttingen-Campus, das erfolgreiche Zusammenspiel der Spitzenforscher von Uni und außeruniversitären Forschungseinrichtungen. Nobelpreisträger Stefan Hell forscht mit dem stärksten Lichtmikroskop der Welt, um die Ecke am MPI, die Leibniz-Preisträgerin Irina Rodnina ebenfalls, und bis zum Chemie-Preisträger Lutz Ackermann ist es nur einen Steinwurf weit.

Spielmacher am Campus

Ropers ist als Leibniz-Preisträger einer der Spielmacher im System, das Göttingen wieder zur Exzellenz-Universität machen soll. Und Ropers wirbt dafür: „Der Campus bietet hervorragende Möglichkeiten, die ich anderswo nicht hätte.“ Auch deshalb ist der Vater von drei Töchtern noch da, trotz lukrativer Angebote aus dem Ausland. In Göttingen hat man ihm seit 2011 optimale Forschungsmöglichkeiten gegeben – dazu Zeit und Freiraum. Also bastelte er sich als junger Forscher „sein“ Team, wurde so zu einem der führenden Wissenschaftler in der Festkörperphysik.

Dafür sorgt auch die selbstentwickelte Technik, wie das drei Millionen Euro teure schnellste Elektronenmikroskop der Welt. Es liefert die unfassbare Menge von elf Billionen Bildern pro Sekunde. Mit ihm sind die Forscher ultra-schnellen Prozesse auf den Fersen, etwa wenn Körper durch Hitze ihren Zustand wechseln. Sie wollen wissen, was an der Oberfläche passiert, sehen, welche Prozesse und Kopplungen ablaufen. „Grundlagenforschung ist das, manchmal schwer verständlich.“ Losgelöst vom Alltag aber ist sie nicht. „Die Erkenntnisse werden wichtig sein“, prophezeit der Forscher. Für Anwendungen in der Energieumwandlung in Solarzellen, der Nano-Elektronik und bei schnellen magnetischen Schaltprozessen. Technischer Fortschritt eben, ermöglicht durch das Team Ropers. Und dafür gibt es manchmal auch den Nobelpreis.

Wissenschaftsstandort Göttingen

Göttingen setzt in der Forschung stark auf Vernetzung der Forschungsdisziplinen. Am Göttingen Campus arbeiten Forscher der Uni, der Uni-Medizin und der außeruniversitären Einrichtungen wie aus fünf Max-Planck-Instituten eng zusammen, auch mit Firmen. Damit will Göttingen in der Exzellenz-Initiative erfolgreich sein. Die ersten Schritte sind zurückgelegt: Vier Forschungscluster sind in der Endausscheidung. Dabei vernetzen sich zum Beispiel Biologen, Physiker, Chemiker, Mediziner und Verhaltensforscher. In der Traditions-Uni-Stadt Göttingen können mehr als 40 Nobelpreisträger mit der Universität in Verbindung gebracht werden.

Stichwort: Leibnitz-Preis

Der Leibniz-Preis ist der renommierteste und höchstdotierte deutsche Wissenschaftspreis, vergeben von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). 2018 waren 136 Forscher nominiert, ausgezeichnet werden elf Wissenschaftler für herausragende Arbeiten. Der Physiker Claus Ropers setzt die Göttinger Erfolgsserie fort: 2015 gewann der Hörforscher Tobias Moser, 2016 Marina Rodnina vom MPI für Biophysikalische Chemie und 2017 der Chemiker Lutz Ackermann. Preisträger seit 2004 waren auch Stefan Hell, Heinrich Detering, Stefan Treue und Konrad Samwer.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.