Forschergruppe untersuchte Gestaltung der Smartphone-Programme

Göttinger Forscher: Corona-Apps müssen Nutzer überzeugen

Smartphone mit Corona-Warn-App
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Die Akzeptanz der Corona-Warn-Apps ist ihren Erfolg der entscheidende Schlüssel.

Corona-Warn-Apps sind zentraler Bestandteil nationaler Strategien zur Lockerung von Kontaktbeschränkungen. Doch wie müssen die kleinen Programme gestaltet sein, damit möglichst viele Menschen sie nutzen?

Göttingen – Damit hat sich ein internationales Forscherteam unter der Leitung von Göttinger Wissenschaftlern beschäftigt. Sie haben herausgefunden: Für den Erfolg entscheidend ist, dass die Smartphone-Programme von möglichst vielen Nutzern akzeptiert werden. Dabei ist unter anderem besonders wichtig, dass der Nutzen der App der Bevölkerung kommuniziert wird.

Von den Nutzern werden laut der Forschungsergebnisse vor allem gesellschaftliche begründete Argumente akzeptiert – zum Beispiel „Schützen Sie die Bevölkerung“. Individuelle Argumente für die Warn-App-Nutzung („Schützen Sie sich selbst“) verpuffen hingegen oder können sogar das Gegenteil bewirken. Überraschenderweise finden wir diesen negativen Effekt auch, wenn beide Vorteile gemeinsam kommuniziert werden“, berichtet Co-Autor Dr. Welf Weiger, Juniorprofessor für Digital Marketing an der Universität Göttingen. Daher empfehlen die Forscher eine zielgerichtete Kommunikationsstrategie, die den gesellschaftlichen Nutzen der Warn-Apps hervorhebt – anders als es in vielen Ländern gehandhabt wird.

„Unsere Ergebnisse liefern eine Erklärung für das Scheitern von existierenden Contact-Tracing-Apps wie beispielsweise in Frankreich und Norwegen“, macht Prof. Dr. Simon Trang, Juniorprofessor für Informationssicherheit an der Uni Göttingen deutlich.

Gleichzeitig bieten die Ergebnisse aus Sicht der Forscher Entscheidungsträgern in Ländern wichtige Hinweise. welche Punkte bei der Gestaltung dieser Apps zentral sind, sagt Trang. Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift „European Journal of Information Systems“ erschienen.

Weitere Ergebnisse der Studie: Während das Thema Datenschutz sowohl für Kritiker der App als auch für unentschlossene Menschen von Bedeutung ist, scheint ein geringer Batterieverbrauch oder eine besonders einfache Bedienung, besonders für unentschlossene Menschen wichtig zu sein.

Professor Dr. Simon Trang

„Die große Herausforderung beim Entwurf einer Contact-Tracing-App im Vergleich zu klassischen Konsumenten-Apps besteht weniger in der Umsetzung der technischen Kernfunktionalitäten“, hat Professor Trang mit der Studie herausgefunden. Vielmehr gehe es darum, eine Smartphone-App zu präsentieren, die von der breiten, heterogenen Masse der Bevölkerung angenommen wird. Weitere Infos gibt es hier. (Von Bernd Schlegel)

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