Göttinger Forscher entdecken Landegerät "Philae" auf Kometen Tschuri

Da ist er! Das Landegerät der Raumsonde Rosetta wurde nach vielen Monaten auf dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko, kurz „Tschuri“, wiederentdeckt. Die Fotos wurden in Göttingen am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung bearbeitet. Foto: ESA/nh

Göttingen. Einen spannenden, ja unvergesslichen Abend am Bildschirm erlebten die Forscher der Raumsondenmission Rosetta.

Sie entdeckten am Sonntag auf aktuellen Fotos nach mehrfacher Bearbeitung die viele Monate vermisste Landeeinheit „Philae“ auf dem Kometen „67P/Churyumov-Gerasimenko“, kurz „Tschuri“ genannt.

Während andere vor dem Fernseher saßen und „Tatort“ schauten, bearbeiteten die Forscher am Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung (MPS) zunächst pechschwarze Fotos, auf denen nichts zu erkennen war. Die Bilder stammten von der Spezialkamera „Osiris“, die auf der Raumsonde installiert ist und regelmäßig den Kometen „Tschuri“ abfotografiert. Die Daten der Fotos vom Freitag hatten die 600 Millionen Kilometer durchs All am Sonntag zurückgelegt – und konnten dann bearbeitet werden.

Bei der ersten Sichtung fiel den Forschern etwas am rechten Bildrand auf. Nach stundenlanger Arbeit und starken Überbelichtungen war klar: Dort, im Tiefschatten einer Felswand lag das, wonach sie seit Monaten gesucht hatten, der kühlschrankgroße Lander „Philae“. Sofort ging die Nachricht an die für das Programm verantwortliche europäische Raumfahrtagentur ESA: „Wir haben Philae gefunden!"

„Philae“ liegt schräg in einer Schlucht im Schatten einer Felswand. Neben dem Korpus sind zwei der drei Landefüße zu erkennen. Zum Vorschein kam „Philae“ nun, weil die Aufnahmen aus näherer Entfernung, etwa 2,7 Kilometern, gemacht wurden. Fotos der Gegend gab es schon, aber nicht so detaillierte. Glück war, dass der Lander gerade noch ins Sichtfeld der Kamera gelangte. „Das ist ein Highlight, wir sind superglücklich“, freut sich der Leiter des Osiris-Projekts, Holger Sierks, über den Fund.

„Philae“ war im November 2014 bei der Landung auf dem Kometen von der Oberfläche abgeprallt und nach Hüpfern zum jetzigen Standort gelangt. Weil im Schatten die Solarzellen nicht genügend Energie für die Batterien bereitstellen konnten, musste „Philae“ für die Experimente und Datenübertragungen mit einer Batteriefüllung auskommen. Folge: Nach drei Tagen herschte Funkstille.

Wichtig für die Weltraumforscher war es aber, den Aufenthaltsort zu erkennen. Nun können die Ergebnisse der Messungen besser zugeordnet werden, sagte ein ESA-Forscher am Montag. Das Ende der vor zwölf Jahren gestarteten Mission steht bevor. Rosetta wird am 30. September auf „Tschuri“ abstürzen. Den kontrollierten Absturz wird die Osiris-Kamera festhalten und so Fotos aus nächster Nähe von „Tschuris“ Oberfläche schießen. Danach wird auch sie durch den Aufprall die Arbeit für immer einstellen, um mit „Philae“ auf dem Kometen weiter in Ruhe durch das Sonnensystem zu fliegen.

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