Göttinger Forscher enträtseln Überlebenstrick der Mausmakis

Grauer Mausmaki auf Madagaskar: Die nur etwa 60 Gramm schweren Tiere leben in den Wäldern der Insel. In der Trockenzeit zwischen Juni und September wird bei den Tieren durch Nahrungsmittelknappheit eine Hungerstarre ausgelöst. Foto: Huchard/DPZ/nh

Göttingen. Göttinger Forscher haben herausgefunden, mit welchem Trick Mausmakis auf Madagaskar Dürreperioden überleben.

Mitten im europäischen Hochsommer ist das gerade schwer vorstellbar: Affen, die Winterschlaf halten, in tropischen Regionen? Es klingt unwahrscheinlich, aber die Grauen Mausmakis (Microcebus murinus) überstehen so auf Madagaskar die Dürreperiode zwischen Juni und September.

Peter Kappeler

In dieser Zeit kann es im Lebensraum der nur 60 Gramm schweren Grauen Mausmakis Tiefsttemperaturen zwischen 5 und 10 Grad Celsius geben und Nahrung wird knapp. Graue Mausmakis ernähren sich unter anderem von Früchten und Insekten.

Indem die nachtaktiven Tiere entweder in den „Torpor“, eine dem Winterschlaf ähnliche kurzfristige Hungerstarre, oder in einen echten ausgedehnten Winterschlaf fallen, erhöhen sie ihre Überlebenschancen. Die Mausmakis fahren dazu ihren Stoffwechsel herunter und verringern damit Herzfrequenz und Körpertemperatur. So verbrauchen sie weniger Energie, die in Form von Nahrung in der Trockenzeit schwierig zu bekommen ist.

Aber was ist tatsächlich der Auslöser dafür, dass Torpor oder Winterschlaf beginnen? Bei den Grauen Mausmakis hat das ein Forscherteam des Nationalen Naturhistorischen Museums in Frankreich und der Abteilung Verhaltensökologie und Soziobiologie des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) Göttingen auf Madagaskar untersucht.

Pauline Vuarin, Melanie Dammhahn, Peter Kappeler vom DPZ sowie Pierre-Yves Henry gingen von zwei Hypothesen aus: Entweder, der Auslöser ist der Jahreszeitenwechsel, also die Tatsache, dass weniger Regen fällt und es kälter wird. Oder der Winterschlaf beginnt erst dann, wenn tatsächlich weniger Nahrung zur Verfügung steht.

DAS EXPERIMENT

Um das herauszufinden, haben die Forscher im Experiment zwei Bedingungen getrennt, die üblicherweise für die Makis gleichzeitig auftreten: Jahreszeit und die Verfügbarkeit von Nahrung. Zwei Gruppen Mausmakis mit je etwa 20 Tieren, die im Westen der Inseln leben, verglichen die Forscher.

Für beide Gruppen wurden natürlich die Tage kürzer und der Regen seltener, aber die Wissenschaftler versorgten die eine Gruppe zusätzlich mit deutlich mehr Nahrung. Das Ergebnis war eindeutig: Die gefütterten Grauen Mausmakis begannen ein bis zwei Monate später mit der Hungerstarre, verbrachten im Vergleich zur Kontrollgruppe nur ein Viertel der Zeit im Torpor und hatten eine um sechs Grad Celsius höhere minimale Körpertemperatur.

Dies werten die Wissenschaftler als deutlichen Hinweis darauf, dass die Verfügbarkeit von Nahrung der maßgebliche Faktor beim Beginn des Torpors bei vielen wechselwarmen Tierarten sein könnte. Damit können die Tiere sich flexibel und optimal an klimatische Schwankungen zwischen den Jahren anpassen. Diese Ergebnisse, schreiben die Autoren, seien eine Voraussetzung, um zu untersuchen, wie wechselwarme Tiere wie die Makis beispielsweise dem Klimawandel trotzen können.

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