Sensationelle Entdeckung im All

Göttinger Forscher finden ein "faules" Schwarzes Loch

+
Hubble Space Teleskop: Foto des Sternenhaufens NGC 3201 im südlichen Bereich des Sternbilds Vela. Blau umkreist ist der Stern, mit dessen Hilfe das inaktive Schwarze Loch entdeckt wurde. Foto: ESA/NASA

Göttingen. Aktive Schwarze Löcher sind bekannt, nun entdeckten Astrophysiker - auch von der Uni Göttingen - inaktive Schwarze Löcher, die nicht sichtbar sind.

Schwarze Löcher sind Materie verschlingende Gebilde im Weltall. Alles was von der enormen Gravitation angesaugt wird – auch Licht- und Radiosignale – kommen nicht mehr heraus. Jetzt haben Forscher, auch der Uni Göttingen, erstmals ein nicht aktives Schwarzes Loch entdeckt. Dazu Fragen und Antworten:

Wo wurde das nicht aktive Schwarze Loch gefunden?

Mit Hilfe des MUSE-Instruments der Europäischen Südsternwarte (ESO) in Chile entdeckten das internationale Forscherteam In einem Kugelsternhaufen NGC 3201 im südlichen Sternbild Vela.

Was sind eigentlich Kugelsternhaufen?

Kugelsternhaufen sind riesige, kugelförmige Ansammlungen von Zehntausenden von Sternen, die die meisten Galaxien umkreisen. Sie gehören zu den ältesten bekannten Sternsystemen im Universum und gehen auf den Beginn des Wachstums von Galaxien zurück. Aktuell sind 150 Kugelsternhaufen bekannt, die zur Milchstraße gehören.

Was haben Kugelsternhaufen mit Schwarzen Löchern zu tun?

Nun, weil sie so alt sind, gehen die Astrophysiker davon aus, dass diese Sternhaufen viele Schwarze Löcher erzeugen. Sie entstehen durch die explosion sehr massereicher Sterne, deren Reste in sich zusammenfallen. Aber: Die Experten dachten bisher, „dass fast alle Schwarzen Löcher aber wieder aus den Sternhaufen verschwinden und das solche Systeme letztlich gar nicht existieren“, schildert Benjamin Giesers, Astrophysiker der Universität Göttingen.

Wie fanden die Astrophysiker das nicht aktive Schwarze Loch?

Den Forschern der Europäischen Südsternwarte in Chile fiel auf, dass sich einer der Sterne merkwürdig verhielt und noch verhält: Er wird mit Geschwindigkeiten von mehreren hunderttausend Kilometern pro Stunde hin und her geschleudert, wobei sich dieses Muster alle 167 Tage wiederholt. Und: „Der Stern umkreiste etwas vollkommen Unsichtbares, das eine Masse hatte, die mehr als vier Mal so groß war wie die Sonne – das konnte nur ein Schwarzes Loch sein“, schildert Benjamin Giesers.

Was bedeutet die neue Entdeckung des inaktiven Schwarzen Lochs?

Die hilft, die Entstehung von Kugelsternhaufen und die Entwicklung von Schwarzen Löchern nachzuvollziehen. „Das ist auch für das Verständnis der Quellen von Gravitationswellen unerlässlich ist“, sagt Giesers.

Welchte Beobachtungen sind durch das MUSE-Instrument, an dessen Konstruktion die Uni Göttingen, gefördert vom Bundesministerium für Forschung, beteiligt war?

Es bietet den Astronomen die einzigartige Möglichkeit, die Bewegungen von tausenden von weit entfernten Sternen gleichzeitig zu messen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.