Uneinigkeit

Göttinger Forscher zum Thema sicherer Unterricht

Unterricht in einer Klasse
+
Wie geht es mit dem Schulunterricht weiter? Darüber gibt es nach wie vor heftige Diskussionen. (Symbolbild)

Ja zur Verlängerung des Lockdowns, nein zur Verschärfung der Einschnitte: Mit diesen Vorgaben geht Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Dienstag in die Video-Runde mit seinen Länderkollegen und Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Hannover – Man wolle keine weiteren Beschränkungen der Kontaktregeln, erklärte der Chef der Staatskanzlei, Jörg Mielke (SPD), am Montag in einer Sondersitzung des Sozialausschusses.

Dagegen steht das umstrittene Wechselmodell mit halben Klassen in Niedersachsens Grundschulen auf der Kippe. CDU-Sozialpolitiker Volker Meyer forderte im Ausschuss, dass auch die ersten vier Jahrgänge in den nächsten zwei Wochen Unterricht nur noch von zu Hause aus bekommen dürften. „In die Schulen wird das Virus genauso hineingetragen wie überall sonst“, sagte Meyer mit Rückendeckung seiner CDU-Fraktion und ihrer Bildungspolitiker. Solange es keine gesicherten Erkenntnisse über die Infektionsrisiken durch Lehrer, Eltern und Mitschüler gebe, sollte vorerst an keiner Schulart mehr Präsenzunterricht stattfinden. Ministerpräsident Weil hatte noch am Sonntag im ZDF-Interview die Teilöffnungen der Grundschulen mit Blick auf die Bildungschancen der Kinder vehement verteidigt. Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) bezeichnete am Montag den ersten Tag Wechselunterricht für den Primarbereich als „geglückt, aber herausfordernd“. Sozialer Kontakt und gemeinsames Lernen seien vor allem für die Kleinen wichtig.

Der Göttinger Max-Planck-Forscher Eberhard Bodenschatz aber hatte in Briefen an Weil, Tonne und Gesundheitsministerin Carola Reimann nach Luftmessungen und -Berechnungen in Klassenräumen am Freitag in Göttingen über die Aerosolbelastung der Luft und eine Ansteckungsgefahr in Klassenräumen informiert und aufgezeigt, „was notwendig ist, um einen sicheren Unterricht zu gewährleisten“. Die Ansteckungsgefahr sei unter bestimmten Bedingungen zu groß, sagte Bodenschatz gegenüber unserer Zeitung. Er plädierte für intensives Lüften mit Unterstützung wie Ventilatoren und Luftreinigungsgeräten.

Die Physikerin Viola Priesemann vom selben MPI für Dynamik und Selbstorganisation warnte vor überall lauernden Ansteckungsgefahren und Virus-Mutationen. Im Sozialausschuss forderte sie daher einen kurzen, aber sehr harten Lockdown unter Einschluss der Schulen, um die Corona-Fallzahlen schnell nach unten zu drücken. Minister Tonne will nach Informationen unserer Zeitung noch in dieser Woche mit den Lehrerverbänden das weitere Vorgehen beraten. Darüber hinaus sind härtere Kontakteinschränkungen aber wohl vom Tisch. Sonst drohten nämlich Akzeptanzprobleme, meinte Staatssekretär Mielke. Aus diesem Grund lehne Niedersachsen auch eine nächtliche Ausgangssperre ab. Eine Verlängerung der Schließung von Geschäften, Restaurants und Kultureinrichtungen bis Mitte Februar werde das Land aber mittragen.

Gleiches gelte für die Rufe nach einer Regelung zum Homeoffice. Denkbar ist laut Mielke, Arbeitgebern die Ablehnung entsprechender Wünsche ihrer Angestellten zu erschweren. Als Alternative kämen schärfere Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz wie verpflichtende Tests oder Maskenausstattungen in Betracht. Der harten Linie Bayerns mit einer generellen Pflicht zum Tragen von FFP2-Masken wolle man aber nicht folgen. Sie böten zwar einen besseren Virenschutz, seien aber nicht für alle Personen und in allen Lebenssituationen geeignet. So könnten aber in Bus und Bahn oder beim Besuch von Altenheimen zumindest OP-Masken vorgeschrieben werden. Stoffmasken und die weniger wirksamen selbst genähten Stoffmasken dort zu verbannen. (Peter Mlodoch Und Thomas Kopietz)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.