Pandemie

Corona-Mutationen in Tieren: Forscher aus Göttingen warnen - „Es können resistente Varianten entstehen“ 

Seit Pandemiebeginn in der Corona-Forschung etabliert: Prof. Stefan Pöhlmann (links) und Dr. Markus Hoffmann, hier mit Hannah Kleine Weber, alle vom Deutchen Primatenzentrum Göttingen (DPZ).
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Seit Pandemiebeginn in der Corona-Forschung etabliert: Prof. Stefan Pöhlmann (links) und Dr. Markus Hoffmann, hier mit Hannah Kleine Weber, alle vom Deutchen Primatenzentrum Göttingen (DPZ).

Welche Folgen die Übertragung von Coronaviren von Menschen auf Tiere und zurück haben können, zeigen Untersuchungen von Forschern am Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen.

Göttingen – Coronaviren wie Sars-CoV-2 und andere können in Tieren, speziell auch im Nerz, Mutationen bekommen. Das wiederum kann die Bekämpfung des Virus und der Mutationen durch das Immunsystem des Menschen erschweren.

Das haben Forschende des Deutschen Primatenzentrums (DPZ) Göttingen herausgefunden. Sie konnten zeigen, dass ein für die Covid-19-Therapie eingesetzter Antikörper nicht in der Lage ist, Sars-CoV-2 mit einer in Nerzen erworbenen Mutation wirksam zu hemmen, wie das DPZ mitteilt.

Studie aus Göttingen: Antikörper können Nerz-Mutation schlechter hemmen

Das wirkt sich auch nachteilig auf die die Hemmung des Virus durch Antikörper aus, die nach einer Corona-Infektion im menschlichen Körper gebildet wurden.

Im April 2020 hatten Nerze in niederländischen Nerzfarmen Atemwegserkrankungen entwickelt, Ursache war die Infektion mit Sars-CoV-2. Eingefangen hatten sich die Pelztiere das Virus nachweislich von infizierten Farmarbeitern. Das Virus mutierte dann in den Körpern der Nerze, verschiedene Virusvarianten entstanden. Diese wiederum wurden wieder zurück auf die Farmarbeiter übertragen und dann auch von Mensch zu Mensch weitergegeben. Auch in Dänemark wurde diese Übertragung beobachtet – Millionen von Nerzen wurden getötet, um die Übertragung neuer Virusvarianten auf den Menschen zu verhindern. In Deutschland wurde die Nerz-Mutation des Coronavirus im Januar in Bayern nachgewiesen, nachdem die Variante bereits als ausgerottet gegolten hatte.

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Gefahr durch Tier-Mutationen: Virus wird „nicht mehr effizient gehemmt“

Die DPZ-Forscher um Markus Hoffmann und Stefan Pöhlmann haben Mutationen untersucht, die im Spike-Protein von Sars-CoV-2 aus Nerzen nachgewiesen wurden, so auch die Mutation Y453F. Die Forschenden wollten herausfinden, welche Auswirkungen diese Mutation auf die Hemmung des Virus durch Antikörper hat, die für die Covid-19-Therapie eingesetzt werden oder in Patienten gebildet werden. „Unsere Ergebnisse zeigen, dass einer von zwei Antikörpern aus einem für die Covid-19-Therapie eingesetzten Antikörpercocktail die Virusvariante mit der Y453F-Mutation nicht mehr effizient hemmt.“ Die Studie zeige auch, dass die Y453F-Mutation die Hemmung des Virus durch Antikörper reduziert, die von Patienten gebildet wurden. „Das bedeutet, dass Menschen, die eine Sars-CoV-2-Infektion durchgemacht haben, einen reduzierten Schutz gegen die Nerz-Virus-Varianten aufweisen könnten“, sagt Markus Hoffmann.

Pöhlmann ergänzt: „In der Zwischenzeit ist die Y453F-Mutation auch im Menschen aufgetreten, aber nicht durch eine Infektion mit einer der Nerz-Varianten. Aber: Wenn sich das Virus längere Zeit in Menschen mit einem schwachen Immunsystem vermehrt, dann können resistente Varianten entstehen. (Thomas Kopietz)

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