Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung

Göttinger Forscher identifizieren riesige Wirbel auf der Sonne

Entdeckung von Rossby-Wellen auf der Sonne: Das sind wirbelförmige Wellen, die sich entgegengesetzt zur Rotationsrichtung der Sonne bewegen. Die Amplituden und die Ausprägung der Wellen sind gigantisch. Grafik MPS/NASA/Hormes Design/nh

Göttingen. Es ist zurzeit verdammt heiß bei uns. Mit dafür verantwortlich ist die Sonne.  Göttinger Forscher haben dort fantastische Vorgänge entdeckt und nachgewiesen.

Die Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung haben nach jahrelanger Datenauswertung gigantische Wellen, die in Wirbeln auf der Sonne unterwegs sind, identifiziert.

Das Außergewöhnliche: Die solaren Rossby-Wellen breiten sich entgegengesetzt zur Rotationsrichtung der Sonne aus. Und sie rotieren lange – mehrere Monate bis sie verebben. Hinzu kommt, dass sie vom Äquator der Sonne ausgehend extrem große Amplituden haben – also die Schwingungsbreite.

Dass es diese Riesenwirbel auf der Sonne geben könnte, darüber spekulierten Weltraumforscher seit gut vier Jahrzehnten, auch, weil es sie auf allen vorkommenden, fluiden Systemen geben sollte. Jetzt aber wurden sie eindeutig identifiziert.

Geholfen dabei hat die NASA-Sonnensonde Solar Dynamics Observatory, die die Geschehnisse auf der Sonne sechs Jahre lang unter die Lupe genommen hatte.

Ihren Namen bekamen die solaren Rossby Wellen übrigens, weil es auch auf der Erde Rossby-Wellen gibt und sie gut sichtbar sind: Sie erscheinen auf der Wetterkarte als Mäander im Jetstream, der kalte Polarluft im Norden von wärmerer Luft weiter südlich trennt. Manchmal erreichen diese Wellen sogar die äquatorialen Zonen der Erde und können sogar das Wetter in Australien beeinflussen.

Prinzipiell entstehen Wellen dieser Art auf jeder rotierenden Kugel, was in einfachen Experimenten nachweisbar ist. Grund dafür ist die Corioliskraft.

Dass die Sonnen-Turbulenzen jetzt identifiziert werden konnten, freut Prof. Dr. Laurent Gizon, Leiter des Forschungsteams, besonders, auch, weil die Studie eine jahrelange hochpräzise Beobachtung der Sonne nötig machte. Die Göttinger MPS-Forscher analysierten Datensätze aus sechs Jahren. Und sie wurden auch überrascht. Zum Beispiel davon, dass die solaren Wirbel auf der Sonne nur in äquatorialen Regionen zu sehen sind. „Das kam völlig unerwartet“, sagt Gizon. Die Erkenntnisse über die solaren Rossby-Wellen wurden kürzlich in der renommierten Fachzeitschrift Nature Astronomy veröffentlicht.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.