Göttinger Forscher: Landung auf "Tschuri" ist großer Erfolg

Instrumente waren im Einsatz: Knapp eine Woche nach der Landung von Philae auf dem Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko sind die Forscher am Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung mit den Ergebnissen hochzufrieden. Foto: Thierry Bordas/dpa

Göttingen. Knapp eine Woche nach der Landung auf dem Kometen "Tschuri" sind Göttinger Forscher von den Ergebnissen begeistert. Sie sind maßgeblich an der Mission beteiligt.

„Auch wenn nicht alles geklappt hat, haben wir unter den gegebenen Umständen sehr viel erreicht“, sagt der wissenschaftliche Leiter der Landemission, Dr. Hermann Böhnhardt. Bis zum Sonntagabend hatte sich Böhnhardt im Kontrollzentrum beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrtforschung (DLR) in Köln aufgehalten, um das Landemanöver und die anschließenden Operationen zu verfolgen. „Alle Instrumente sind im Einsatz gewesen“, berichtet der Wissenschaftler vom Göttinger Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung. „Einige Instrumente haben sogar mehr und bessere Daten geliefert, als wir ursprünglich erwartet hatten.“ Die Daten müssen nun ausgewertet werden, mit ersten Ergebnissen rechnen die Forscher in zwei bis drei Monaten.

Weil der Lander nach zwei Sprüngen auf der Kometenoberfläche in einer dunklen Ecke des Kometen 67P/Churyumov-Gerasimenko gelandet ist, sind inzwischen seine Energievorräte erschöpft. Seit dem Wochenende sind alle Geräte abgeschaltet. Die Wissenschaftler müssen nun warten, bis sich der Komet so weit der Sonne angenähert hat, dass die Solarzellen mehr Strahlung abbekommen und die Batterien sich wieder aufladen können.

Bohrer in Aktion 

Als letztes der zehn Instrumente an Bord von „Philae“ war am Samstag ein Bohrer zum Einsatz gekommen, der Bodenproben entnehmen sollte. Da es wegen der ungünstigen Lage des Landegeräts unklar war, ob der Bohrer tatsächlich in den Boden vorstoßen würde, hatte man zunächst die anderen Instrumente eingesetzt, bei denen in jedem Fall Messergebnisse zu erwarten waren. Erst gegen Ende der Sequenz wurde dann auch der Bohrer ausgefahren. Dieser habe dann eine Bodenprobe gezogen, berichtete Böhnhardt. Das Wissenschaftler-Team habe sich wegen der begrenzten Messmöglichkeiten entscheiden müssen, welches der beiden dafür vorgesehenen Instrumente zum Einsatz kommen sollte, um die winzige Probe zu analysieren. Man habe sich dann darauf geeinigt, den vom Göttinger Max-Planck-Institut konzipierten Gasanalysator COSAC einzusetzen, mit dem sich organische Moleküle identifizieren lassen. Dies sei eine vorrangige wissenschaftliche Fragestellung der Mission.

Kamera-System sucht jetzt nach Philae 

Für Holger Sierks, den wissenschaftlichen Leiter des Kamerasystems OSIRIS, ist die Mission ein Meilenstein. „Es war eine großartige Leistung, den Lander so punktgenau zu platzieren.“ Dem Kamerasystem auf der Raumsonde Rosetta gelang eine spektakuläre Sequenz von Aufnahmen, die den Lander „Philae“ beim Flug dicht über der Oberfläche des Kometen zeigen.

Auf einem Bild sind sogar die Spuren der Landung zu sehen. Sierks ist begeistert von den Aufnahmen: „Ist das nicht toll?“ Die endgültige Position haben die Wissenschaftler zwar bislang nicht ausfindig machen kommen. In der nächsten Woche soll sich die Sonde dem Kometen noch einmal bis auf etwa 20 Kilometer annähern. Dann wird das Kamerasystem gezielt das Areal absuchen, in dem die Forscher den gerade mal kühlschrankgroßen Roboter vermuten. „Ich bin sicher, dass wir ihn finden“, sagt Sierks. (pid)

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