Aktuelle Untersuchung

Göttinger Forscher: Das macht die Narkose mit dem Gehirn

+
Anästhesie: Forscher am Göttinger Max-Planck-Institut für Dynamik und Selbstorganisation haben neue Erklärungen zur Wirkung gefunden.

Göttingen. Was geschieht eigentlich bei einer Narkose im Gehirn? Diese Frage beantworten Wissenschaftler des Göttinger Max-Planck-Instituts für Dynamik und Selbstorganisation anders als Forscher zuvor.

Plötzlich ist das Bewusstsein weg, das Bewusstsein ausgeknipst: Für Mediziner und noch stärker für die Patienten ist die Narkose ein Segen: Sie ermöglicht eine Operation – auch über Stunden – ohne Schmerzen und Schrecken.

Obwohl die Narkose weit verbreitet ist, bleibt der genaue Mechanismus des Bewusstseinsverlusts ungeklärt.

Bisher gingen Forscher davon aus, dass die Narkosemittel die Signalübertragung zwischen verschiedenen Hirnarealen schlichtweg unterbrechen und der Patient deshalb bewusstlos wird. Aber, das ist nicht so, sagen Neuro-Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt sowie des MPI für Dynamik und Selbstorganisation Göttingen. Sie fanden heraus, dass bestimmte Hirn-Areale unter Narkose weniger Informationen als üblich im Wachzustand produzieren.

Unter Narkose wurde auch zuvor eine Reduktion von Informationstransfer gemessen. Der könnte nun also eine Folge der geringen Informationsproduktion und somit der verfügbaren Informationen in einem Gehirnbereich sein und eben nicht – wie bisher vermutet – eine Folge der gestörten Signalübertragung.

Wenn in einer Stadt kaum noch Telefongespräche geführt werden, kann es sein, dass mehrere Telekommunikationssysteme zusammengebrochen sind – oder es ist Nacht und die meisten Leute schlafen.

In einem narkotisierten Gehirn ist es ähnlich: Findet auffallend wenig Informationsübertragung zwischen Gehirnarealen statt, ist entweder die Signalübertragung in den Nervenfasern gehemmt, oder bestimmte Gehirnareale sind weniger aktiv bei der Erzeugung von Informationen.

Die zweite Hypothese haben Patricia Wollstadt, ihre Kollegen vom Brain Imaging Center an der Goethe-Universität und die Wissenschaftler des MPI für Dynamik und Selbstorganisation untersucht.

Die Forscher untersuchten sie im Gehirn von Frettchen „Quellareale“ des Gehirns, aus denen unter Narkose weniger Informationen übermittelt wurden als im Wachzustand.

Sie fanden, dass dort die Informationsproduktion unter Narkose stärker beeinträchtigt war als in den „Zielarealen“, in die Information übertragen wird. Dies deutet darauf hin, dass die in der Quelle verfügbare Information den Informationstransfer bestimmt und nicht eine gestörte Signalübertragung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.