Testphase für Bord-Instrumente

Göttinger Forscher schauen gespannt zu: Merkursonde kommt der Erde am Karfreitag ganz nahe

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Die Raumsonde „BepiColombo“ erreicht am kommenden Karfreitag ihren erdnächsten Punkten – nur 12 700 Kilometer vom Blauen Planeten entfernt.

Auf ihrer siebenjährigen Reise zum sonnennächsten Planeten Merkur erreicht die europäisch-japanische Raumsonde „BepiColombo“ am Karfreitag, 10. April, ihren erdnächsten Punkt.

Göttingen/Darmstadt – Das ist für die beteiligten Wissenschaftler, darunter auch Forscher des Göttinger Max-Planck-Instituts für Sonnensystemforschung (MPS), ein wichtiger Meilenstein: Durch den engen Vorbeiflug an der Erde ändert die Sonde ihre Flugbahn und kann so tiefer ins Zentrum des Sonnensystems vordringen.

Für die MPS-Forscher, die das Ereignis in Zeiten der Corona-Krise aus dem Homeoffice verfolgen werden, heißt es am Karfreitag früh aufstehen: Um 6.25 Uhr kommt die „BepiColombo“ bis auf 12 700 Kilometer an die Erde heran. Ziel der kosmischen Begegnung sei es, die Merkursonde abzubremsen und ihre Flugbahn so zu krümmen, dass sie auf engere Umlaufbahn um die Sonne einschwenke, teilt das Göttinger MPS mit. Während des Manövers sollen auch einige der 16 Messinstrumente an Bord eingeschaltet werden, darunter auch zwei, zu denen das MPS beigetragen hat.

Der Erdvorbeiflug bietet den Wissenschaftlern bessere Testmöglichkeiten für den späteren Einsatz auf dem Zielplaneten. Denn der interplanetare Raum biete nur teilweise Bedingungen, die mit dem Merkur vergleichbar seien, wie Dr. Norbert Krupp vom Max-Planck-Institut für Sonnensystemforschung erklärt. Er gehört zu den Teams der Instrumente MPPE und SERENA, die nun erstmals valide Testdaten liefern sollen. Insgesamt ist das MPS an vier Instrumenten beteiligt, von denen aufgrund der Konfiguration der Sonde jedoch nicht alle beim Erdvorbeiflug zum Einsatz kommen.

Das Manöver beginnt am Abend des Gründonnerstags und wird am frühen Karfreitagmorgen beendet sein. Eigentlich war geplant, das Ereignis mit allen beteiligten Forschern im ESA-Kontrollzentrum in Darmstadt zu verfolgen. Das entfällt für die MPS-Leute aufgrund von Corona. Die Tests beeinflusst das nicht: Die Befehle für die Messinstrumente sind bereits programmiert, Änderungen während des Fluges nicht vorgesehen.

MPPE und SERENA sollen am Merkur die geladenen, hochenergetischen Teilchen, die im Magnetfeld des Planeten gefangen sind, untersuchen. Da die Eigenschaften der irdischen Magnetosphäre bereits gut erforscht sind, bieten die Messdaten vom Erdvorbeiflug die Möglichkeit, die Instrumente der „BepiColombo“ vor der Ankunft am Merkur unter Weltraumbedingungen zu kalibrieren. Der nächste Planeten-Vorbeiflug steht bereits in einem halben Jahr – im Oktober 2020 – an.  ana

mps.mpg.de/de

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