Ökosystem ist gefährdet

Göttinger Forscher: Teufelskreis zwischen Dürre und Waldverlust am Amazonas

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Dominoeffekt: Weniger Niederschlag steigert im Amazonasgebiet das Baumsterben. Weniger Bäume verschärfen aber zugleich regionale Trockenzeiten und dies führt zu einer sich selbst verstärkenden Abwärtsspirale.   

Göttingen. Der Regenwald im Amazonasgebiet ist nicht nur direkt durch Abholzen und Brandroden gefährdet. Der Waldverlust und weniger Regen infolge des Klimawandels könnten einen Teufelskreis in Gang bringen. Denn weniger Bäume verschärfen zusätzlich regionale Trockenzeiten.

Das hat ein internationales Team von Wissenschaftlern herausgefunden. Steigern lassen sich die Überlebenschancen des Waldes durch eine große Artenvielfalt an Bäumen.

„Der Regenwald des Amazonas ist eines der Kipp-Elemente im Erdsystem“, sagt Erstautorin Dr. Delphine Clara Zemp, die die Studie am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung durchgeführt hat und jetzt an der Universität Göttingen arbeitet. Das heißt: Wenn die Fläche des Regenwaldes abnimmt wie in den vergangenen Jahrzehnten, kann der Moment eintreten, in dem sich das Klima des ganzen Planeten drastisch verändert.

Dr. Delphine Clara Zemp

„Wir wissen bereits, dass einerseits geringerer Niederschlag die Gefahr des Waldsterbens erhöht. Andererseits kann der Waldverlust auch regionale Trockenheit verstärken“, erklärt Zemp. „Mehr Dürren können also zu weniger Waldbedeckung führen, was wiederum zu mehr Dürren führen kann und so weiter.“

Die Folgen dieser Rückkopplung zwischen Pflanzen und Atmosphäre waren bislang unklar. „Unsere Studie zeigt das Risiko eines sich selbst verstärkenden Waldverlustes.“

Wenn in der Trockenzeit im Amazonasgebiet nur noch halb so viel Regen fallen würde, könnten allein durch den Effekt der Selbstverstärkung mindestens zehn Prozent des Waldes verloren gehen – zusätzlich zum erheblichen direkten Waldverlust durch Trockenheit. Dies haben die Wissenschaftler durch Computer-Simulationen herausgefunden.

Wenn man die noch nicht völlig verstandenen Rückkopplungen zwischen Vegetation und Atmosphäre berücksichtige, könnte der sich selbst verstärkende Waldverlust sogar bis zu 38 Prozent des Amazonasbeckens betreffen, heißt es. In Verbindung mit den direkten Effekten der Dürren wäre damit am Ende der Großteil des Amazonas-Regenwaldes in Gefahr.

„Es bleiben aber Unsicherheiten in der Berechnung“, betonen die Autoren. „Unsere Studie kann keine Informationen über die Zeiträume der Entwicklung bieten. Sie analysiert, wie empfindlich das System ist.“

Es gibt aber auch Hoffnung: Der Wald im Amazonasgebiet scheint umso weniger verletzlich zu sein, je vielfältiger seine Pflanzenwelt ist. Biodiversität wirkt wie ein Puffer gegen den Dominoeffekt des Waldsterbens.

Dr. Vincent Montade

„Verschiedene Baumarten reagieren unterschiedlich auf Belastungen“, erläutert Dr. Vincent Montade von der Universität Göttingen. „Artenvielfalt könnte somit die Widerstandsfähigkeit des Regenwaldes verbessern und ein Hilfsmittel zur Stabilisierung von wichtigen Elementen des Erdsystems sein.“

Die Ergebnisse der Studie sind in der Fachzeitschrift Nature Communications erschienen.

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