Besser zweimal gehen?

Göttinger Forscher untersuchen Bewegungsabläufe 

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Empfundene Anstrengung: An diesem Versuchsaufbau sollten sich die Testpersonen wiederholt zwischen verschiedenen Armbewegungen entscheiden. Ergebnis der DPZ-Forscher: Der Energieaufwand ist nicht allein ausschlaggebend für die Beurteilung körperlicher Anstrengung.  

Göttingen. Lieber vollgepackt riskieren alles fallen zu lassen oder  zweimal gehen? Göttinger Forscher untersuchen nun derartige Entscheidungsmuster. 

Göttingen. Im Kofferraum türmen sich die Einkaufstaschen. Ist es besser, alle auf einmal ins Haus zu tragen oder lieber zweimal zu gehen? Wie Menschen derartige Entscheidungen treffen, haben Pierre Morel und Kollegen vom Deutschen Primatenzentrum (DPZ) in Göttingen untersucht.

Die Kosten-Nutzen-Abwägung in Sachen Einkaufstüten lautet: Wenn ich nur einmal gehe, benötige ich mehr Kraft, bin aber schneller fertig. Gehe ich zweimal, ist es leichter, dauert aber länger. Wenn Menschen sich zwischen derartigen alternativen Handlungen entscheiden, würden sie immer auch die damit verbundenen Kosten berücksichtigen – in diesem Fall die subjektiv empfundene Anstrengung, so die DPZ-Forscher. Um zu verstehen, wie Menschen solche Entscheidungen fällen, müsse man daher wissen, für wie mühsam sie die dafür erforderlichen Bewegungen halten.

PierreMorel

Neurowissenschaftler um Pierre Morel haben darum mit Versuchspersonen untersucht, welche Armbewegungen diese als besonders mühsam empfinden. Die Testpersonen sollten dazu wiederholt zwischen Armbewegungen wählen. Diese unterschieden sich in Größe oder Dauer der Bewegung und in Bezug auf die benötigte Kraft.

Es zeigte sich, dass die gefühlte Anstrengung proportional zum Quadrat der benötigten Kraft anstieg. Waren schwächere Muskeln an einer bestimmten Bewegung beteiligt, so wurde diese als mühsamer empfunden, auch wenn sie nur wenig Kraft erforderte.

Zum eigenen Erstaunen fanden Morel und seine Kollegen dagegen keinen Einfluss der Entfernung, über die die Bewegung ausgeführt werden musste. Stattdessen hing die Mühe von der Dauer der Bewegung ab: Länger andauernde Bewegungen wurden als anstrengender empfunden als kürzere.

Energie zählt nicht allein

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass die subjektiv empfundene Anstrengung nicht unmittelbar mit der tatsächlich benötigten Energie korrespondiert“, sagt Pierre Morel, Erstautor der Studie und Wissenschaftler in der DPZ-Arbeitsgruppe Sensomotorik.

Erhärten konnten die Wissenschaftler einen bislang vermuteten Zusammenhang zwischen zwei Hirnhälften: Dass Menschen möglichst optimale Handlungen ausführen, wird offenbar sowohl auf der Ebene der Entscheidungsfindung als auch der Bewegungsausführung im Gehirn gesteuert.

Das Ziel einer Handlung kann meist auf verschiedenen Wegen erreicht werden. Beispiel: Dank der beweglichen Gelenke in Arm und Hand, könnte man auf vielerlei Arten nach einer Kaffeetasse greifen, trotzdem führe man tendenziell immer dieselbe, optimierte Bewegung aus.

„Wir gehen davon aus, dass die früher schon beschriebenen Prinzipien der Optimierung bei der Bewegungskontrolle auch für die ökonomisch motivierten, bewussten Entscheidungen vor einer Bewegungsausführung gelten“, sagt Alexander Gail, Leiter der Arbeitsgruppe Sensomotorik am DPZ. (zsh) 

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