2,3 Millionen Euro EU-Forschungsgeld

Göttinger Forscher will die Langzeitschäden von Multiple Sklerose entschlüsseln

Fördergeld aus Europa: UMG-Professor Alexander Flügel.
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Fördergeld aus Europa: UMG-Professor Alexander Flügel.

Alexander Flügel sucht mit seinem Forscherteam Antworten auf eine, vor allem für die Multiple-Sklerose-Erkrankten, extrem wichtige Frage: Warum richten die ins Nervensystem eindringenden Immunzellen dort eine Gewebeentzündung an, die oft lebenslang fortschreitend das Nervengewebe zerstört, mit schlimmen Folgen für die MS-Kranken.

Göttingen – Die Forscher der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) können nun fünf Jahre intensiv daran weiterforschen, die für diese fortschreitende und zunehmende Entzündungsreaktion verantwortlichen Mechanismen zu entschlüsseln. Denn der Europäische Forschungsrat (ERC) hat Professor Flügel, Direktor des Instituts für Neuroimmunologie und Multiple-Sklerose-Forschung der UMG, mit einem 2,3 Millionen Euro dotierten „ERC Advanced Grant“ ausgezeichnet.

Dass die weitere Forschung auf dem Gebiet der Multiplen Sklerose notwendig ist, zeigt die Tatsache, dass die etablierten Therapien für MS die anfänglichen Entzündungsangriffe auf das Gehirn sehr gut eindämmen, aber die fortschreitende Zerstörung nicht entscheidend beeinflussen können.

Man werde der wichtigen Frage um die kontinuierliche Zerstörung der Nervensubstanz nun „im Detail nachgehen“, beschreibt Flügel den Schub, den der ERC-Grant ermöglicht. „Wenn es gelingen sollte, die zellulären und molekularen Ursachen dieser schleichend-fortschreitenden Nervendegeneration bei MS aufzudecken, könnten sich auch neue Ansatzpunkte für therapeutische Interventionen ergeben“.

Dabei soll auch High-Tech helfen: So werden die Wissenschaftler neue hochauflösende Echtzeit-Mikroskopieverfahren mit genetisch-molekularen Analyseverfahren kombinieren.

Das Flügel-Team kann bereits Erfolge vorweisen, sicher auch ein Grund dafür, dass es zu den nur acht Prozent aller Antragssteller für den ERC-Grant 2020 gehört, die mit ihren Forschungsvorhaben dabei erfolgreich waren.

Klar, dass die Freude darüber bei Alexander Flügel groß ist und er den Grant als „große Anerkennung“ für seine und die Arbeit des Teams sieht. „Gleichzeitig ist sie ein enormer Ansporn, unsere Forschungen auf dem Gebiet der Multiplen Sklerose zu vertiefen.“

UMG-Vorstandssprecher Prof. Wolfgang Brück wertet den Preis für Flügel und Team als einen „außerordentlich bemerkenswerten Erfolg“ und als „Bestätigung für exzellente Qualität seiner Arbeit“.

Die 209 führenden Forscher aus Europa und Gewinner des ERC-Wettbewerbs „2020 Advanced Grants“ erhalten insgesamt Fördergeld im Gesamtwert von 507 Millionen Euro. (Thomas Kopietz)

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