Kaffee, Kakao und Vanille für mehr Bäume

Göttinger Forscherteam untersucht die Landnutzungsgeschichte von Agroforstsystemen

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Prof. Dr. Holger Kreft von der Universität Göttingen.

Der Anbau von Kaffee, Kakao und Vanille sichert das Einkommen vieler Kleinbauern und ist zugleich ein Treiber des Landnutzungswandels in vielen tropischen Ländern. 

Forscher der Universität Göttingen zeigen nun, dass die Landnutzungsgeschichte von Agrofrosten bei der Beurteilung der Nachhaltigkeit von Agroforsten eine entscheidende Rolle spielt, wie die Uni mitteilte.

Insbesondere dem Anbau in sogenannten Agroforstsystemen, in denen die Feldfrüchte mit Schattenbäumen kombiniert werden, wird oft ein großes Potenzial für den ökologisch nachhaltigen Anbau zugeschrieben.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Agroforstsysteme nur dann zu einer deutlichen Aufwertung der Landschaft für die Artenvielfalt führen, wenn sie auf vorher offenem Land etabliert werden“, sagt Dominic Martin, Erstautor der Studie. Die Umwandlung der verbliebenen artenreichen Tropenwälder in Kaffee-, Kakao- oder Vanilleplantagen sollte vermieden werden. Dazu seien Anreize nötig. „Nachhaltigkeitslabel sollten das berücksichtigen, und die Zertifizierung von Plantagen, die zuvor Wald waren, vermeiden“, ergänzt Prof. Dr. Holger Kreft, Leiter der Abteilung Biodiversität, Makroökologie und Biogeographie der Universität Göttingen.

Vanille Agroforsts in Madagaskar, welcher direkt im Wald etabliert wurde.

Nur so würden sich die ökologischen Vorteile vom Anbau in Agroforstsystemen wirklich realisieren lassen. „Dies kann dann dazu beitragen, dass sich der morgendliche Kaffee ohne bitteren Nachgeschmack genießen lässt“, betont Kreft.

Die Studie geht aus dem an der Universität Göttingen angesiedelten multidisziplinären Projekt „Diversity Turn“ hervor, welches von der VolkswagenStiftung und dem Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur finanziert wird.

Originalveröffentlichung: Dominic Martin et al. (2020) Land-use history determines ecosystem services and conservation value in tropical agroforestry. Conservation Letters. DOI. 

Tierarten profitieren von Agroforst

Tropische Agroforste unterscheiden sich stark in ihrer Landnutzungsgeschichte, also der vorherigen Nutzung des Bodens, der für den Agroforst verwendet wird. Zum einen kann ein Agroforst direkt in einem Wald angelegt werden – in diesem Fall wird das Unterholz entfernt und durch Vanille-Lianen, Kaffee- oder Kakaosträucher ersetzt. Dabei gehen viele Pflanzen- und Tierarten und wichtige Ökosystemdienstleistungen verloren. Zum anderen kann ein Agroforst auf Land angelegt werden, das vorher offen war – zum Beispiel auf einer ehemaligen Weide oder einem ehemaligen Maisfeld. Hierbei wird das Land wiederaufgeforstet; es profitieren zum Beispiel Tierarten, die auf Bäume angewiesen sind. Zudem speichern Bäume Kohlenstoff, und es geht von ihnen eine kühlende Wirkung aus, was die Klimaerwärmung mindern kann.

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