Würdigung des Einsatzes für Geflüchtete

Göttinger Friedenspreis für Äbtissin Thürmer, Marburgs OB Spies und Seebrücke

Verleihung Friedenspreis von links Dr. Thomas Spies, Andreas Zumach, Äbtissin Mechthild Thürmer, Larissa Lotter und Markus Widmann stehen auf einer Bühne
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Verleihung des Göttinger Friedenspreises im Deutschen Theater Göttingen mit von links Dr. Thomas Spies, Andreas Zumach (Jury-Vorsitzender), Äbtissin Mechthild Thürmer, Larissa Lotter und Markus Widmann (Seebrücke).

Äbtissin Mechthild Thürmer, Marburgs Oberbürgermeister Dr. Thomas Spies (SPD) sowie Larissa Lotter und Markus Widmann (Seebrücke) haben den Göttinger Friedenspreis erhalten.

Göttingen – Diese Auszeichnung wurde ihnen zuteil, weil sie sich für Geflüchtete eingesetzt haben. Die Stiftung Dr. Roland Röhl verleiht die mit 5.000 Euro dotierte Auszeichnung jährlich.

„Grenzen ja, aber sie dürfen nicht inhuman sein“, betonte der ehemalige Bundesinnenminister, Gerhart Baum (FDP), in seiner Laudatio im Deutschen Theater. Es sei „unerträglich“, dass allein in diesem Jahr bereits mehr als 1300 Geflüchtete im Mittelmeer und weitere 300 Geflüchtete im Atlantik ertrunken seien.

Er machte auf die 500.000 Geflüchteten allein im nordafrikanischen Libyen aufmerksam, denen eine Rückkehr in die Heimat fast unmöglich sei. Ihnen bleibe nur der Weg übers Mittelmeer.

Vor diesem Hintergrund würdige Baum das Engagement der Bewegung Seebrücke, die sich gegen die Kriminalisierung der Seenotrettung von Geflüchteten sowie für „sichere Häfen“ einsetzt. Marburg, so der Rechtsanwalt, war eine der ersten Städte in Deutschland, die sich zu einem solchen sicheren Hafen erklärt hat.

Die 75.000-Einwohner-Stadt bot dem Bund an, über das übliche Kontingent hinaus 200 Geflüchtete aufzunehmen und hat die Zahl später auf 500 Geflüchtete angeboten. Die Äbtissin gewährte Geflüchteten, die abgeschoben werden sollten, Kirchenasyl.

Laudator war der ehemalige Innenminister Gerhart Baum.

„Das Mittelmeer hat sich in den vergangenen Jahren zur tödlichsten Grenze der Welt entwickelt“, berichtete Lotter von der Seebrücke. Europäische Union bezahle libysche Milizen dafür, Boote mit Geflüchteten nach Nordafrika zurückzuholen. Die Menschen würden in Lager gesperrt und dort misshandelt. Zudem drängten Europäische Grenzschützer Geflüchtete gewaltsam und unter Verstoß geltenden Rechts zurück.

„Viele Bürger in Deutschland sind mutiger als die Bundesregierung“, erklärte Oberbürgermeister Spies. Die Menschen sähen die Not der Geflüchteten und wollten helfen. Äbtissin Thürmer bezeichnete es als „vollkommen selbstverständlich“ Notleidenden beizustehen. Weil ihre Gemeinschaft etwas tue, was auch Jesus getan hätte, wolle das Amtsgericht Bamberg nun einen Strafbefehl gegen sie verhängen.

Als „mit Verlaub erbärmlich“ bezeichnete Göttingens Oberbürgermeister Rolf-Georg Köhler angesichts des Dramas in Afghanistan die Mahnung von Politikern, „2015“ dürfe sich „nicht wiederholen“. Deutschland solle sich nicht „abschotten“, sondern die „die Zuwanderung aktiv organisieren“, so der Sozialdemokrat.

Die Göttinger Migrationsforscherin, Prof. Sabine Hess, zeigte sich in ihrem Grußwort im Namen der Uni erschrocken über „fehlende Empathie“. Die Preise überreichte Andreas Zumach, der Vorsitzende der Jury. Moderiert wurde die Feierstunde vom DT-Intendanten, Erich Sidler. Für musikalische Begleitung sorgte das Orchester des Theaters. (Michael Caspar)

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